US-Open-Sieger Dominic Thiem und DTB-Talent Max Schönhaus bei der One Point Challenge, 5000 Euro Preisgeld für nur fünf Ballwechsel und eine beeindruckte NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur: Der Auftakt der Bonn Open am Sonntag kann als durchaus gelungen bezeichnet werden. Das Tennisturnier der Challenger-Serie macht in der ehemaligen Bundeshauptstadt halt und sticht dabei aus der großen Masse der anderen Veranstaltungen dieser Kategorie durchaus hervor.
Neubaur sieht gar die Möglichkeit, dass die Bonn Open in Zukunft in der Reihe „nach den US Open und Wimbledon“ genannt werden könnten. Der Weg dorthin ist natürlich noch weit. Noch sind die Bonn Open nur ein ATP-Challenger-75-Turnier. Das bedeutet, dass der Gewinner dort 75 Weltranglistenpunkte erhält. Zum Vergleich: Bei den US Open sind es 2000 für den Sieger. Aber das, was die Veranstalter um das Turnier in Bonn herum aufziehen, kann sich sehen lassen.
Davon hat sich auch Thiem fast schon überrascht gezeigt: „Ich war ehrlich beeindruckt, wie schön der Klub und wie professionell das ganze Turnier aufgezogen ist. Ich kenne die Challenger-Tour aus allererster Hand. Ich habe alle möglichen Turniere gespielt – von wunderschönen bis sehr mittelmäßigen in allen Ländern der Welt. Für die Spieler bedeutet es viel, wenn man in so schönen Hotels wohnen kann und die Organisation so gut ist.“
Kindertraining mit Dominic Thiem
Turnierdirektorin Rebecca Quebbemann und André Christ, Turnierveranstalter und Geschäftsführer der Bonn Open GmbH, ist es gelungen, mit Thiem einen Grand-Slam-Sieger nach Bonn zu lotsen. Der Österreicher hat zwar vor rund zwei Jahren seine Karriere beendet, griff aber beim Rahmenprogramm des Turniers noch einmal zum Schläger. Zunächst für den Next Gen Performance Day.
Rund 25 Tennistalente aus Bonn und der Umgebung konnten sich bei der „Road to Bonn Open“-Turnierserie durchsetzen und dann mit ihren Vereinen an einer 90-minütigen Trainingseinheit teilnehmen. Die Kinder und Jugendlichen um Zoe Bleffert, aktuelle Deutsche Meisterin der U13, trainierten in dieser Zeit mit Thiem und seinem Vater.
One Point Challenge als Highlight des Tages
Bleffert war auch bei der One Point Challenge am Start. Dort konnten Amateurspielerinnen und -spieler gegen aktuelle und ehemalige Tennisprofis antreten – unter anderem waren Schönhaus und Thiem dabei.
Gespielt wurde immer ein einziger Ballwechsel, das Los entschied über das Aufschlagrecht – und wurde dem einen oder anderen Profi zum Verhängnis. Marko Topo zum Beispiel, aktuelle Nummer 348 der Welt, musste servieren. Als Profispieler hatte er nur einen Aufschlag zur Verfügung, den er an die Netzkante setzte, von wo der Ball ins Aus sprang. Damit setzte sich in diesem Duell der Amateur vor dem grölenden Publikum durch. Denn: Wer den Punkt macht, kommt eine Runde weiter. Der Verlierer scheidet sofort aus.
Nach den ersten beiden Runden ging es auf dem Center Court weiter. Von den 24 Startern waren nur noch sechs dabei. Das Viertelfinale wurde mit Schönhaus und Thiem aufgefüllt. Die Tribüne in Bonn war mittlerweile voll besetzt, was auch die Profis nicht kalt ließ. „Ich bin schon echt nervös“, sagte Schönhaus vor seinem Kurz-Match. Er wurde vom Serve-and-Volley-Spiel seines Amateur-Gegners überrascht und schied ebenfalls sofort aus. Auch Thiem zog nach einem langen Ballwechsel den Kürzeren, als er den Ball seitlich neben die Linie setzte.
Im Finale trafen sich zwei Amateure. Am Ende setzte sich Tennis-Content-Creator Mika „Tenniszons“ Avetisyan durch, sein Gegner spielte einen Stoppball ins Netz. Avetisyan sicherte sich damit das Preisgeld von 5000 Euro.
Bonn Open starten mit sieben Deutschen im Hauptfeld
Für Neubaur ist das Turnier in Bonn ein wichtiges Ereignis: „Was für eine Chance für das Sportland Nordrhein-Westfalen, dass man hier richtig einen Leuchtturm aufstellt.“ Dass das Turnier in Bonn und damit in NRW stattfinde, habe auch „eine massive Wirkung auf den Breitensport und die Breitensportvereine. Vielleicht haben viele Kinder und Jugendliche Lust, irgendwann mal so gut zu werden, wie Dominic Thiem das ist.“
Und nicht nur die jungen Tennisfans werden in den kommenden Tagen auf ihre Kosten kommen. Insgesamt sieben Deutsche gehen in Bonn an den Start. Mit Tom Gentzsch, Max Schönhaus, Marko Topo und Niels McDonald sind sogar gleich vier DTB-Profis dabei, die in dieser Saison schon auf der ATP-Tour aufgeschlagen haben. Hinzu kommen Henri Squire, Max Rehberg und Jamie Mackenzie, die aktuelle Nummer zwei der Junioren-Weltrangliste. Für sie geht es im Hauptfeld von Montag bis zum Wochenende nicht um 5000 Euro, sondern insgesamt rund 100.000 Euro Preisgeld.