Viele Menschen versammeln sich zu einer Mahnwache in der Hamburger Innenstadt.

AUDIO: Was wissen wir über den Terroranschlag in Berlin? (7 Min)

Stand: 27.07.2026 20:35 Uhr

Nach dem Terrorangriff am Rande des Berliner Christopher Street Days (CSD) gab es am Montag an zahlreichen Orten im Norden Mahnwachen. Beim CSD in Hamburg am kommenden Wochenende soll die Zahl der Polizistinnen und Polizisten erhöht werden.

Zu einer Mahnwache in Hannover kamen am Montagabend mehr als 500 Menschen. Am Rande gab es vereinzelte queerfeindliche Kommentare von Passanten. Auch in Schwerin, Greifswald, Kiel und Bremen fanden Solidaritäts-Kundgebungen statt. In Hamburg hatte die Organisation Hamburg Pride bereits am Sonntagnachmittag zu einer Mahnwache in der Innenstadt eingeladen. 800 Menschen folgten nach Polizeiangaben dem Aufruf und gedachten der Opfer von Berlin. Auch in Kiel waren bereits am Sonntagabend 200 Menschen zu einer friedlichen Mahnwache zusammengekommen.

Mehr Polizei bei CSD-Demo in Hamburg

In Hamburg hat die Pride Week am Samstag begonnen. Die CSD-Demo ist für kommenden Samstag geplant. Erwartet werden rund 250.000 Menschen. Nach Angaben der Polizei gibt es bislang keine Hinweise auf eine konkrete Anschlagsgefahr. Dennoch plant die Polizei mit mehr Einsatzkräften. „Wir werden alles tun, damit die Veranstaltungen, insbesondere die Demo am Wochenende, sicher über die Bühne gehen“, sagte Hamburgs Polizeipräsident Falk Schnabel.

Video:
CSD in Hamburg: „Keinen Hass gegen Muslime schüren“ (2 Min)

Organisator Manuel Opitz vom Verein Hamburg Pride betonte, dass es gerade wegen der Tat in Berlin gelte, zusammenzukommen: „Wir lassen uns nicht unsichtbar machen. Gerade jetzt rufen wir auch alle anderen Menschen in Hamburg auf, gemeinsam mit uns zusammenzustehen und zusammenzurücken für eine friedliche Gesellschaft.“

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) zeigte sich von dem mutmaßlichen Anschlag in Berlin bestürzt. Er sicherte der queeren Community seine Solidarität zu. In Schleswig-Holstein werde man alles tun, um queere Veranstaltungen bestmöglich zu schützen, sagte Günther NDR Info.

Niedersachsens Ministerpräsident Lies: „Niederträchtiger Angriff“

Olaf Lies (SPD), Ministerpräsident von Niedersachsen

Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) sagte: „Der Hass wird nicht siegen.“

Der niedersächsische Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) bezeichnete den Angriff in Berlin als „niederträchtig“ und bekundete den Angehörigen des Todesopfers sein tief empfundenes Beileid. „Unsere Gedanken sind bei den Verletzten, ihren Familien und allen, die diesen Anschlag unmittelbar miterleben mussten“, so Lies. „Wir stehen an der Seite Berlins und an der Seite aller, die für eine offene Gesellschaft, Toleranz und Menschenrechte einstehen. Der Hass wird nicht siegen.“

Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne) zeigt sich auf Instagram „fassungslos“ und „wütend“. Die Gesellschaft müsse jetzt zusammenhalten, um deutlich zu machen, dass Hass und Einschüchterung niemals die Oberhand gewinnen dürften. Unter anderem in Hannover, Göttingen und Braunschweig gedachten schon am Sonntag Menschen der Opfer des Anschlags in Berlin.

MV-Ministerpräsidentin Schwesig: „Eine Nacht der Trauer“

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) drückte ebenfalls ihr Mitgefühl mit der Familie der Getöteten und mit allen Verletzten in den sozialen Medien aus: „Ein Fest der Liebe ist zu einer Nacht der Trauer geworden. (…) Ich bin zutiefst erschüttert. Der CSD steht für Liebe, Respekt und ein freies, buntes Land. Das lassen wir uns nicht nehmen.“ Schwesig dankte auch allen Einsatzkräften in Berlin.

Die stellvertretende Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Simone Oldenburg (Linke), verurteilte den Angriff ebenfalls. Sie wolle sich dafür einsetzen, dass alle Menschen frei und sicher leben könnten. Daniel Peters, der CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl im September, forderte dazu auf, zu handeln – Betroffenheit allein reiche nicht aus: „Wir müssen (…) unsere Freiheit und unsere Lebensweise schützen.“

Video:
Nach CSD-Anschlag: „Wichtig ist, dass wir uns nicht spalten lassen.“ (7 Min)

Hamburgs Bürgermeister Tschentscher ordnet Trauerflor an

Auch Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) sprach den Angehörigen der in Berlin getöteten Frau sein Beileid aus. „Als Zeichen unserer Anteilnahme wird am Nachmittag neben der Regenbogenflagge am Hamburger Rathaus der Trauerflor angebracht.“

Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank drückte auf der Plattform X ihre Bestürzung über den Angriff in Berlin aus, sie schrieb von „schockierenden Nachrichten“ aus der Hauptstadt. Ihre Gedanken seien bei den Opfern und Angehörigen. „Mein Dank gilt den Einsatzkräften. Berlin, wir sind bei Euch!“, so die Grünen-Politikerin.

Ein Polizeiwagen bei der CSD-Demo in Hamburg (2020)

Für den Hamburger CSD gibt es nach Angaben der Polizei bislang keine Hinweise auf eine konkrete Anschlagsgefahr – dennoch plant die Polizei mit mehr Einsatzkräften.

Tatverdächtiger bei Polizeieinsatz erschossen

In der Nähe des Potsdamer Platzes in Berlin war am Samstagabend gegen 22 Uhr ein Kastenwagen im Tiergarten in eine Menschenmenge gefahren. Eine Frau kam dabei ums Leben, 29 Menschen wurden verletzt – teils schwer. Am Sonntagnachmittag stufte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) die Tat als islamistischen Terroranschlag ein.

Der mutmaßliche Täter Abdul B., der auf der Flucht war, wurde am Sonntagnachmittag bei einem Polizeieinsatz in einer Kleingartenanlage in Berlin-Spandau erschossen. Nach ihm war mit Hochdruck gefahndet worden. Er soll nach seiner Entdeckung mit einer Stichwaffe auf die Einsatzkräfte zugelaufen sein, daraufhin habe ein Sondereinsatzkommando von der Schusswaffe Gebrauch gemacht. Mittlerweile hat die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe die weiteren Ermittlungen in dem Fall übernommen.

U-Haft bis Mai 2026 – Abdul B. galt als gewaltbereit

Nach Informationen von NDR, WDR und „Süddeutscher Zeitung“ war Abdul B. als islamistischer „Gefährder“ eingestuft. Sicherheitsbehörden schätzten ihn demnach als radikalisiert und gewaltbereit ein. Er soll versucht haben, nach Syrien auszureisen, um sich dem „Islamischen Staat“ anzuschließen. Laut Ermittlerkreisen soll er wegen des Verdachts auf Vorbereitung einer terroristischen Straftat bis Mai 2026 in Untersuchungshaft gesessen haben.

Kanzler Merz: „Abscheuliche Tat“

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte den Angriff noch am Samstagabend als „abscheuliche Tat“ bezeichnet und kündigte an, dass diese mit aller Härte verfolgt werde. Am Sonntag sagte er: „Ich möchte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des CSD hier in Berlin und in ganz Deutschland zurufen: Lassen sie sich, lassen wir uns nicht einschüchtern.“ Straftäter und Extremisten hätten keinen Platz in der Mitte der Gesellschaft. „Wir sind mehr, wir sind stärker“, sagte Merz.

Grünen-Politiker von Notz: „Hass gemeinsam scharf zurückweisen“

Der Innenexperte der Grünen im Bundestag Konstantin von Notz sagte NDR Info, der Rechtsstaat müsse gegen diejenigen, die menschenverachtenden Ideologien angehören, Zähne zeigen. „Unsere Demokratie muss wehrhaft sein.“ Sicherheitsbehörden müssten mit Befugnissen ausgestattet werden, sich gegen die „mit aller Brutalität vorgetragenen Angriffe zur Wehr zu setzen“, so von Notz. Der Hass müsse „scharf gemeinsam zurückgewiesen“ werden.

Ähnlich äußerte sich auch Alexander Throm, innenpolitischer Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion. „Wir brauchen auf allen Ebenen unseres Staates mehr Härte und mehr Konsequenz“, sagte er NDR Info. Die Ermittler in Berlin hätten „eine Erkenntnislage, die dazu hätte führen müssen, dass der mutmaßliche Täter nicht auf freiem Fuß sein dürfte“.

ARD-Terrorismusexperte: Prognose der Polizei war falsch

Auch der ARD-Terrorismusexperte Michael Götschenberg sagte NDR Info, dass die Prognose der Polizei zu der Gefahr, die potenziell von dem mutmaßlichen Täter ausgegangen sei, falsch war. Man werde sich jetzt „genau anschauen müssen, ob die Maßnahmen, die man gegen ihn gefahren hat, angemessen waren“.

ARD-Experte für Terrorismus und Innere Sicherheit, Michael Götschenberg.

Der ARD-Terrorismusexperte ordnet ein, was über den Polizeieinsatz beim CSD bekannt ist und warum es nicht gelang, den Täter festzunehmen.

Porträtfoto des CDU-Politikers Alexander Throm.

Der mutmaßliche Täter hätte nicht auf freiem Fuß sein dürfen, sagt Alexander Throm, innenpolitischer Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, auf NDR Info.

Holger Schmidt, ARD-Terrorismusexperte.

ARD-Terrorismusexperte Holger Schmidt ordnet auf NDR Info die Faktenlage rund um den Terroranschlag auf den CSD in Berlin ein.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) bei einem Pressestatement.

Der Tatverdächtige habe nicht nur sein Fahrzeug als Waffe benutzt, er sei mutmaßlich auch mit einer Machete auf Passanten losgegangen, so der CSU-Politiker.

Luftballons in Regenbogen Farben beim CDS 2024 in Hamburg.

Höhepunkt der Pride Week ist die Demo zum Christopher Street Day. Sie findet am 1. August statt. Hundertausende Menschen werden erwartet.