Geistliche Musik aus fünf Jahrhunderten, gesungen von gut 30 Jugendlichen aus dem Ruhrpott, füllte am Sonntagabend auf ungewohnt ergreifende Art und Weise das monumentale Innere der Abteikirche Otterberg. Die Kunst, in sich verschmelzenden Gesang im fünf- bis sechsstimmigen A-cappella-Stil auch nur ohne eine einzige schwächelnde Nahtstelle aufzuführen, schien Dirigent Johannes Honecker in den Genen zu liegen. Sein Jugendkonzertchor der Chorakademie am Konzerthaus Dortmund war zum Motto „Verleih uns Frieden“ in den rund 800 Jahre alten Sakralbau gekommen als Teil der Otterberger Abteikirchenkonzerte.
Im Gepäck verstaut: kirchenmusikalische Literatur. Beispielsweise aus der Feder der beiden bereits Ende des 16. Jahrhunderts in Europa geborenen Komponisten Claudio Monteverdi und Heinrich Schütz. Von letzterem stammt die Komposition „Verleih uns Frieden“ mit dem Text von Martin Luther, das dem Abend seinen Titel gab.
Die Schrecken des Krieges
Der rund 30-köpfige Chor, der 2012 von Felix Heitmann gegründet wurde und sich selbst als „Europas größte Singschule“ bezeichnet, hatte auch drei weibliche Vertreter der Notendichtung im Programm: Amy Beach (1867-1944), Fanny Hensel (die Schwester von Felix Mendelssohn-Bartholdy) und die 43-jährige indisch-amerikanische Komponistin Reena Esmail. Mit ihren Kompositionen von indischer und westlicher klassischer Musik möchte Esmail die Kluft zwischen den Welten überwinden und einen gleichberechtigten musikalischen Raum schaffen.
Im Repertoire fanden sich auch Stücke von weltweit namhaften Komponisten wie Josef Gabriel Rheinberg (1839-1901) oder Anton Bruckner (1824-1896). Das Programm des Chors, der als erster Preisträger beim Deutschen Chorwettbewerb 2018 in Freiburg hervorging, kam dem Gros der Besucher entgegen – zeigte es doch sogar Parallelen zur heutigen Situation auf. Denn was Schütz in Noten notierte, war ähnlich beeinflusst vom Schrecken und Verzweifeln der Folgen des Dreißigjährigen Krieges, wie wir es heute in Teilen der Welt leider erneut erleben.