(csr) Bei nur noch 41 Zentimetern liegt der Pegel des Rheins in Düsseldorf. Viel fehlt nicht mehr und der Rekordniedrigpegel von 2018 fällt. Kann es so weit kommen?

Am letzten Kirmeswochenende war es die Fähre zwischen Altstadt und Oberkasseler Rheinwiesen, die dem Wassermangel im Rhein zum Opfer fiel. Der Betrieb musste vorzeitig bereits am Samstag eingestellt werden. „Für uns ist die Kirmes zu Ende“, verkündeten die Betreiber bei Instagram. Zu dem Zeitpunkt lag der Pegel noch bei 52 Zentimetern. Seitdem ist er weiter gefallen. Bereits am Dienstagabend (28. Juli) soll laut Prognose die 40-Zentimeter-Marke unterschritten werden. Und das wird noch nicht das Ende sein.

Kaum Hoffnung auf einen steigenden Pegel

Ein Blick auf die Vorhersage des Deutschen Wetterdienstes macht kaum Hoffnung auf steigende Pegel. In NRW klangen die letzten Schauer Montagabend ab, dann wird es heiß und trocken. Auf bis zu 38 Grad Celsius soll das Thermometer klettern. Zwar könnten am Donnerstag Schauer und Gewitter etwas Niederschlag von oben bringen, doch signifikante Auswirkungen auf den Stand des Rheins scheinen die nicht zu haben. Ähnlich sehen die Vorhersagen am Oberlauf des Rheins in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg aus, mit viel Niederschlag ist auch dort nicht zu rechnen.

Die wahrscheinlichkeitsbasierte Vorhersage für den Pegel Düsseldorf kennt demzufolge auch nur eine Richtung, nach unten. Bereits am letzten Tag des Julis könnte der Pegel unter die Marke von 20 Zentimeter fallen und sich damit dem bisherigen Rekord von 18 Zentimetern stark annähern. Aufgestellt wurde dieser am 23. Oktober 2018.

Je weiter die Vorhersage in die Zukunft reicht, desto größer wird die Bandbreite, in der sich der prognostizierte Pegel befindet. Bis zum 9. August könnte es wirklich dramatisch werden, dort wird ein Pegelstand von fünf Zentimetern durchaus für möglich gehalten – in der Spitze wären aber auch 45 Zentimeter drin.

Ist es bei einem Pegelstand von 20 Zentimetern oder weniger möglich, die andere Rheinseite durch den Fluss watend zu erreichen?

Nein, natürlich nicht. Die tatsächliche Wassertiefe errechnet sich durch die folgende Formel: Pegelstand + 250 Zentimeter – GLW = Wasserstand in Zentimeter. Der Wert für GLW (Gleichwertiger Wasserstand) liegt in Düsseldorf bei 91 Zentimetern, ergibt nach Adam Riese also eine Wassertiefe von 179 Zentimetern.

Bei dem aktuellen Pegelstand von 40 Zentimetern ergibt das zwar noch eine Tiefe in der Fahrrinne von 199 Zentimetern, doch für die Schifffahrt ist das bereits ein großes Problem. Das Niedrigwasser des Rheins hat nach Einschätzung der Industrie- und Handelskammern (IHK) Nordrhein-Westfalens erhebliche Folgen für die Wirtschaft. Derzeit könnten die Schiffe zum Teil nur noch ein Fünftel der üblichen Ladung mitnehmen.

Ocke Hamann, Verkehrsexperte der IHK NRW, verwies auf eine historische Niedrigwasser-Phase vor acht Jahren: „2018 hat das Weltwirtschaftsinstitut in Kiel alleine durch das Niedrigwasser einen Rückgang im Wachstum von 0,4 Prozentpunkten ermittelt.“ Die Bundesregierung erwarte für dieses Jahr ganze 0,5 Prozent Wachstum, sagte der IHK-Vertreter. „Das heißt, dieses von der Bundesregierung eingeplante Wachstum kann innerhalb von wenigen Tagen schon pulverisiert werden.“