Ein Jahr nach Skandal
Im Nürnberger Tiergarten leben erneut zu viele Paviane
28.07.2026 – 11:03 UhrLesedauer: 2 Min.
Ein Pavian läuft mit einem Jungtier durch das Gehege im Tiergarten Nürnberg (Archivbild). Die Population ist erneut gewachsen, Tiere müssen wieder weitervermittelt werden. (Quelle: Daniel Karmann/dpa/dpa-bilder)
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Ein Jahr nach dem Nürnberger Pavian-Skandal ist die zentrale Frage noch immer offen: Wie lässt sich die Überpopulation langfristig vermeiden?
Knapp 800 Anzeigen beschäftigen die Staatsanwaltschaft, ein Prozess ist weiter möglich. Zugleich lebt im Nürnberger Tiergarten erneut eine größere Pavian-Gruppe als vorgesehen.
Ein Jahr nach der Tötung von zwölf Pavianen am Dienstag, 29. Juli 2025, leben im Nürnberger Tiergarten wieder 31 Tiere. Die Anlage ist nach Angaben der Einrichtung für 25 Paviane plus Jungtiere ausgelegt. Einen dringenden Handlungsbedarf sehe der Tiergarten derzeit nicht, weil die Sozialstruktur der Gruppe intakt sei.
„Gleichwohl versuchen wir stets und damit auch aktuell, Guinea-Paviane an geeignete Einrichtungen zu vermitteln, um einer Überpopulation vorzubeugen“, heißt es vom Tiergarten. Sei das nicht möglich, müsse man bei einer erneuten Überpopulation einzelne Tiere aus der Gruppe nehmen. In dem Fall werde der Tiergarten aber erst den Ausgang der strafrechtlichen Ermittlungen abwarten, kündigt Direktor Dag Encke an.
Knapp 800 Anzeigen
Ob die Tötung der zwölf gesunden Paviane gegen das Tierschutzgesetz verstieß, ist weiterhin offen. Bei der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth liegen knapp 800 Strafanzeigen gegen Verantwortliche des Tiergartens vor. „Die Ermittlungen dauern unverändert an“, sagt Sprecherin Heike Klotzbücher. Noch steht nicht fest, ob es zu einem Prozess kommt.
Tierrechtsorganisationen bezweifeln, dass ein vernünftiger Grund für die Tötung vorlag. Der Tiergarten argumentiert dagegen, in dem überfüllten Gehege sei keine tierschutzgerechte Haltung mehr möglich gewesen.
„Im Vorfeld der Tötung haben wir die Rechtslage unter Einbezug von Expertinnen und Experten intensiv geprüft und abgewogen“, sagt Tiergartenchef Encke. „Wir können sehr gründlich argumentieren, warum wir zu dieser Entscheidung gekommen sind und weshalb sie im Sinne unseres gesetzlichen Auftrages vernünftig war und ist.“ Der Tiergarten ist ihm zufolge auf einen Prozess vorbereitet. Das Ziel sei aber, die Vorwürfe bereits im Ermittlungsverfahren zu entkräften, sodass es nicht zum Prozess komme.
Die Tötung hatte im vergangenen Sommer Proteste ausgelöst. Aktivisten ketteten sich an das Affengehege, drangen auf das Gelände ein und errichteten zeitweise ein Protestcamp. Beschäftigte des Tiergartens erhielten zudem Hasskommentare und Morddrohungen.

