Migrationspolitik

Stand: 28.07.2026 15:48 Uhr

Deutschland hat erneut Afghanen per Charterflug in die Heimat abgeschoben. Der Flieger hob in der Nacht zum Dienstag vom Flughafen Leipzig/Halle aus ab. Sachsens Innenminister Schuster sagte, es handle sich um Mehrfach- und Intensivstraftäter. Gegen den Abschiebeflugs nach Afghanistan hatte es am späten Montagabend eine Kundgebung gegeben.

von MDR AKTUELL

An Bord des Abschiebefluges vom Flughafen Leipzig/Halle sind nach Angaben des sächsischen Innenministerium rund 30 Afghanen gewesen. Innenminister Armin Schuster sagte dem MDR, es handle sich um Mehrfach- und Intensivstraftäter. Zwei Afghanen kämen aus Sachsen. Schuster verteidigte die Abschiebepraxis. Die Sicherheit der Bürger in Deutschland sei wichtiger als das Bleibeinteresse eines Straftäters. Der Charterflug war in der Nacht Richtung Afghanistan gestartet.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt betonte, die Bundesregierung verfolge konsequent die von ihr eingeschlagene Migrationspolitik. Die Migrationswende werde mit Kontrolle, Kurs und klarer Kante vorangetrieben.

Die Migrationswende wird mit Kontrolle, Kurs und klarer Kante vorangetrieben.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt

Proteste gegen Abschiebeflug nach Afghanistan

In der Abflughalle des Flughafens Leipzig/Halle waren zuvor am späten Montagabend nach Angaben des Ordnungsamts 250 Menschen zu einer Kundgebung gegen einen erneuten Abschiebeflug zusammengekommen. An dem Protest beteiligten sich auch mehrere Afghanen. Begleitet wurde die Aktion von einem großen Polizeiaufgebot.

Protest gegen Abschiebeflug nach Afghanistan am Flughafen Leipzig/Halle

Protest gegen Abschiebeflug im Flughafen Halle/Leipzig

Der Abschiebeflug startete nach Angaben eines MDR-AKTUELL-Reporters in der Nacht um 1:43 Uhr. Anders als bei früheren Abschiebungen sei das Flugzeug, ein Airbus, dieses Mal auf einem nur schwer einsehbaren Platz geparkt worden. Dem MDR-Reporter zufolge sollte der Airbus über die türkische Stadt Trabzon weiter nach Kabul fliegen.

Straf- und Intensivtäter an Bord

Armin Schuster (CDU), Innenminister von Sachsen, gibt vor Beginn der Innenministerkonferenz (IMK) Pressestatements.

Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU)

Innenminister Schuster verteidigte die Abschiebungen. Im MDR verwies er auf die teils mehrfache Straffälligkeit der Passagiere: „Wir sprechen von Terrorgefährdern, wir sprechen von Kapitalverbrechern, Schwerstkriminellen. Und ich habe abzuwägen, auf der einen Seite die Sicherheit der Bürger unseres Landes. Und auf der anderen Seite das Bleibeinteresse eines Straftäters. Da schlägt für einen Innenminister das Pendel ganz klar in Richtung Abschiebung.“

Kritik an Zusammenarbeit mit Taliban

Das Bündnis, das den Protest am Flughafen organisiert hat, hatte die Zusammenarbeit der Bundesregierung mit der Taliban kritisiert. Eine Sprecherin sagte dem MDR, „während von allen Seiten islamistische Gewalt in Bezug auf den CSD verurteilt wird, unterstützt die Bundesregierung mit ihren Deals die islamistische Taliban“.

Juliane Nagel

Linken-Politikerin Juliane Nagel

Kritik kam auch von der sächsischen Linken-Politikerin Juliane Nagel. Die Landtagsabgeordnete erklärte, es sei „schändlich, Menschen gewaltsam in ein Land zurückzubringen, das vom islamistischen Regime der Taliban regiert wird“. Dabei spiele es keine Rolle, ob die Betroffenen straffällig geworden sind oder nicht. Die Menschenrechtslage in Afghanistan sei „desaströs“, die ökonomische und soziale Lage „katastrophal“.

(dpa,jeb)

Ein Handy liegt auf einer Laptoptastatur. Das Display zeigt das Google Logo

Nachrichten personalisieren