Hätte Brauereidirektor Josef Schrädler gewusst, was da am Platzl auf ihn zukommt – er hätte sich trotzdem wieder für die Gastronomie hier entschieden. „Der Ort hier ist so gut, da muss man dann einfach durch“, sagt Schrädler und deutet hinaus auf den Platz, der gerne als „Münchens Wohnzimmer“ oder Herz der Altstadt umschmeichelt wird. Schrädler steht auf einem mit Kartonagen ausgelegten Fußboden, um sich herum provisorische Werkbänke, Staffeleien, Bohrer. Die helle Holzvertäfelung an den Wänden lässt erahnen, dass hier bald wieder ein Gastraum sein wird. Die Brauerei Weihenstephan übernimmt die Räumlichkeiten der ehemaligen Südtiroler Stuben am Münchner Platzl. Jahrzehntelange hatte Alfons Schuhbeck hier am Herd gestanden, sich in den Stuben sogar einen Michelinstern erkocht. Wie viel nach dieser langen Ära baulich instand zu setzen war, hatte der neue Pächter nicht vorhersehen können.

Die ehemaligen Südtiroler Stuben standen lange leer, nach 14 Monaten Bauzeit soll im Herbst das „Weihenstephaner“ eröffnen.

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Die ehemaligen Südtiroler Stuben standen lange leer, nach 14 Monaten Bauzeit soll im Herbst das „Weihenstephaner“ eröffnen.
Foto: Sarah Ritschel

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Die ehemaligen Südtiroler Stuben standen lange leer, nach 14 Monaten Bauzeit soll im Herbst das „Weihenstephaner“ eröffnen.
Foto: Sarah Ritschel

„Elektrotechnik, Abwasser, Kältetechnik, die Fensterfront, wir haben alles neu gemacht“, sagt Schrädler bei einer Baustellenführung durch das Restaurant, das möglichst noch vor der Wiesn im Herbst eröffnen soll. Die Lüftung habe auch nicht dem Brandschutz entsprochen. Und die alten Pläne für das Gebäude, das dem Freistaat Bayern gehört, hatten mit der Realität recht wenig gemeinsam. Wie viel die Brauerei in das Wirtshaus investiert hat, das künftig „Weihenstephaner am Platzl“ heißen wird, will der Direktor nicht sagen. „Ein paar Millionen“ seien es schon gewesen, mehr als eine Million fließe nur in die Einrichtung.

Die Möbel von Alfons Schuhbeck sind Geschichte am Platzl

Von der barocken Ausstattung aus Schuhbecks Zeiten ist nichts mehr übrig. Selbst nach seiner Insolvenz und der ersten Verurteilung wegen Steuerhinterziehung im Oktober 2022 hatte der einstige „König vom Platzl“ hier noch gekocht, allerdings nicht mehr als Chef, sondern nur noch als Angestellter. Seit 31. Dezember 2022 sind seine Südtiroler Stuben endgültig Geschichte.

Der Ex-Fernsehkoch Schuhbeck hatte im Prozess eingeräumt, in seinen Restaurants die Kassen manipuliert zu haben. Allein in den Südtiroler Stuben fehlten den Steuerbehörden zufolge 1200 Rechnungsnummern im System. Einnahmen, die Schuhbeck nach allem, was man weiß, am Fiskus vorbeischleuste.

Brauereidirektor Josef Schrädler (links) und Kunstminister Blume in der Küche des neuen Restaurants.

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Brauereidirektor Josef Schrädler (links) und Kunstminister Blume in der Küche des neuen Restaurants.
Foto: Andreas Gebert, StmWK

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Brauereidirektor Josef Schrädler (links) und Kunstminister Blume in der Küche des neuen Restaurants.
Foto: Andreas Gebert, StmWK

Die Küche seines einstigen Gastrotempels ist mittlerweile modernisiert, die Wände blau gefliest. „Wir haben die Küche komplett neu geplant“, sagt der Weihenstephan-Chef. Die Größe sei in etwa gleich geblieben. „Jeder Koch freut sich, wenn er so eine Fläche hat und sein Essen schnell rausschicken kann.“ Die neuen Küchenchefs und Pächter sind Ferdinand und Sebastian Zinner.

Die neuen Chefs am Platzl sehen das Lokal als ihre Lebensaufgabe

Die Brüder betreiben erfolgreich ein bayerisches Wirtshaus in Taufkirchen und haben sich in München als Caterer einen Namen gemacht, etwa bei Empfängen der Staatsregierung. Daher kennt sie auch Bayerns Wissenschafts- und Kunstminister Blume (CSU). Das Gebäude am Platzl wird von der Staatsoper verwaltet, die in den oberen Stockwerken auch Räumlichkeiten hat. Blume schaut sich den Fortschritt in seinem „kulinarisch wertvollsten Bauvorhaben“ gerne an. Die Zielgruppe des neuen Lokals soll breiter gefächert sein als bei Schuhbeck: „Vom Minister bis zum Touristen und Operngänger“, sagt Blume.

Anders als früher bekommt das Restaurant einen großen Außenbereich mit etwa 140 Plätzen. Ein Teil des Gastraums rund um die große Theke aus funkelndem Quarzstein ist Gästen vorbehalten, die sich nur „ein schnelles Bier“ gönnen wollen, so formuliert es der Brauereidirektor. Die eigentliche Gaststube bietet Platz für 190 Besucherinnen und Besucher. Und die neuen Küchenchefs wollen eine ebenso lange Ära prägen wie ihr Vorgänger Alfons Schuhbeck. Sie bezeichnen das „Weihenstephaner“ direkt neben dem weltberühmten Hofbräuhaus als ihre „Lebensaufgabe“.