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Berlin – Erst die Autos, dann ein Händlernetz, jetzt die Ladesäulen: Der chinesische Autobauer BYD macht bei seiner Europa-Offensive Ernst und setzt dabei auf eine 3-Punkte-Strategie: Der Konzern baut ein Werk in Ungarn und verhandelt mit Hunderten europäischen Zulieferern. Er plant mit 350 Händlern für Verkauf und Service und will ein eigenes Netz von Schnellladestationen in Deutschland errichten.

Gegenüber BILD erklärt BYD-Deutschland-Chef Lars Bialkowski (54) das Ziel: „Wir haben uns vorgenommen, in den nächsten fünf Jahren als europäischer Hersteller wahrgenommen zu werden.“

So will BYD Deutschland erobern

BYD verfolgt dabei einen anderen Ansatz als viele Wettbewerber. Bialkowski: „Wir versuchen, möglichst viel selbst zu entwickeln und zu produzieren. Dadurch werden wir unabhängiger von Zulieferern. Das ist ein großer globaler und auch europäischer Wettbewerbsvorteil.“

Lars Bialkowski (54) ist Deutschland-Chef von BYD und Regionaldirektor für die Benelux-Länder

Lars Bialkowski (54) ist Deutschland-Chef von BYD und Regionaldirektor für die Benelux-Länder

Foto: PR

Tempo ist dabei entscheidend. „Vor einem Jahr hatten wir in Deutschland erst 26 oder 27 Verkaufs- und Servicestandorte. Heute sind es bereits 220. Bis Ende des Jahres wollen wir auf 350 Standorte wachsen.“ Und, so Bialkowski: „Mittlerweile liegen wir bei einem Marktanteil von rund zwei Prozent.“

Dass BYD so stark in Händler investiert, hat einen einfachen Grund. „Der deutsche und der europäische Markt sind sehr kompliziert.“ Viele Kunden wollten „nur 15 oder 20 Minuten zum nächsten Händler fahren“. Deshalb brauche es ein großes Händlernetz.

Laden so schnell wie tanken

Herzstück der Offensive ist die neue Flash-Charging-Technologie. Für Bialkowski passt sie perfekt zur DNA des Konzerns: „Wir sind ein Technologieunternehmen und weniger ein klassischer Automobilhersteller.“ Er verspricht: „Wir laden von zehn auf 97 Prozent Batterieladung in neun Minuten.“

Zunächst kommt die Technik in den Modellen der neuen Premiummarke Denza zum Einsatz. Mit dem Z9 GT, dem Van D9 und weiteren Modellen greift BYD künftig Mercedes, BMW und Audi im Premiumsegment an. Ab Oktober soll Flash Charging dann auch in den ersten BYD-Modellen verfügbar sein.

Zur Premiummarke Denza gehört auch der Denza Z. : Erste Modelle Z9GT und D9, später im Jahr folgen Z (Foto) und Bao 5

Der Supersportwagen Z der BYD-Premiummarke Denza kommt dieses Jahr auf den Markt. Preis: ab 155.000 Euro

Foto: PR

Damit Autofahrer dieses Tempo überhaupt nutzen können, baut BYD eigene Schnellladestationen. „Unser Ziel ist es, so schnell wie möglich mindestens 300 Ladestationen in Deutschland zu installieren.“ Die erste Anlage steht bereits in Stuttgart, weitere sollen u. a. entlang von Autobahnen und Bundesstraßen entstehen.

Bis zu 10.000 neue Jobs geplant

Parallel wächst auch die Produktion in Europa. Noch in diesem Jahr soll das neue Werk in Ungarn anlaufen. Dort werden zunächst der Dolphin Surf und der ATTO 2 gebaut. Die Kapazität soll auf rund 150.000 Fahrzeuge pro Jahr steigen, laut Bialkowski „eventuell auch darüber hinaus“.

Den Dolphin G DM-i (ein Plug-in-Hybrid im B-Segment) gibt’s mit Sommerbonus ab 15.990 Euro

Konkurrenz für VW: Den Dolphin G DM-i (ein Plug-in-Hybrid im B-Segment) gibt’s laut BYD mit Sommerbonus (und voller staatlicher Förderung) ab 15.990 Euro

Foto: PR

Für die Fabrik sucht BYD bereits Partner in Europa. Nach Angaben des Deutschland-Chefs laufen Gespräche mit rund 600 europäischen Zulieferern, um eine eigene Lieferkette aufzubauen: „Mittelfristig werden wir allein durch dieses Werk bis zu 10.000 Arbeitsplätze in Europa schaffen.“

Ein Werk in Deutschland plant BYD derzeit allerdings nicht. Der Fokus liege zunächst auf dem Hochlauf der Produktion in Ungarn. Die Europa-Offensive soll dennoch konsequent weitergehen. Bialkowski bringt sie auf eine kurze Formel: „Das ist ein Marathon, kein Sprint.“

Das ist BYD

  • gegründet 1995 in Shenzhen (China) als Batteriehersteller
  • der Name BYD leitet sich vom chinesischen Firmennamen „Biyadi“ ab, steht heute offiziell für „Build Your Dreams“ (dt. „Verwirkliche deine Träume“)
  • seit 2003 Autobauer (nach Übernahme von Xian Qinhuan Automobile)
  • seit 2022 baut BYD nur noch Elektroautos und Plug-in-Hybride, dazu leichte Nutzfahrzeuge, Heavy Trucks und Busse
  • seit Ende 2022 in Deutschland, seit 2025 mit eigener Deutschland-Gesellschaft
  • Marktanteil in Deutschland: rund 2 Prozent
  • aktuell 12 Modelle in Deutschland – vom Kleinwagen bis zum Siebensitzer
  • Stadtflitzer Dolphin Surf (*mit Sommerbonus und voller staatlicher Förderung) ab 13.490 Euro; Sport-Limousine BYD Seal (*) ab 32.340 Euro; Plug-in-Hybrid-Kombi BYD Seal 6 DM-i Touring (*) ab 27.590 Euro; Plug-in-Hybrid-SUV BYD Seal U DM-i (*) ab 28.990 Euro
  • dazu seit 2026 die Premiummarke Denza mit vier Modellen
  • Ende des Jahres kommt neues BYD-Modell mit Blade Battery 2.0, das Flash-Charging, also superschnelles Laden kann
  • 220 Servicestandorte, bis Ende des Jahres sollen es 350 sein
  • weltweit ca. 900.000 Mitarbeiter, davon rund 120.000 Ingenieure
  • in Deutschland: ca. 150 Mitarbeiter in Offenbach. Mittelfristig sollen es 350 werden