Die Nachfolge für Generalleutnant Kai Rohrschneider, Kommandeur sowohl des Mobilitätskommandos JSEC der Nato als auch des Multinationalen Hauptquartiers der EU in Ulm, ist entschieden: Nach Informationen der Schwäbischen Zeitung soll André Bodemann diesen Posten übernehmen.  Der Drei-Sterne-General ist derzeit Stellvertreter des Befehlshabers des Operativen Führungskommandos der Bundeswehr in Schwielowsee und Berlin.

Was an der Entscheidung für Bodemann auffällt

Zwei Dinge fallen an dieser Top-Personalie in der Bundeswehr besonders auf: Die Entscheidung für Bodemann ist sehr früh gefallen. Und dieser General ist als Vater des Operationsplans Deutschland, der in seiner Verantwortung entstand, insbesondere auf seine Nato-Aufgabe perfekt vorbereitet.

Schließlich regelt der Operationsplan, wie Bündnis- und Landesverteidigung in Deutschland militärisch und im Zusammenwirken von Bundeswehr, zivilen Behörden, Rettungsdiensten und Unternehmen funktionieren sollen. Das Ulmer Nato-Kommando JSEC wiederum trifft Vorsorge für die Bewegung und Versorgung großer alliierter Truppenverbände zwischen den Küsten und der Nato-Ostgrenze in Krise und Krieg.

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Turnusgemäß steht ein Kommandowechsel in Ulm erst zur Mitte oder im Herbst des kommenden Jahres an. Rohrschneider hat das Amt vor knapp zwei Jahren übernommen. Sollte allerdings Generalinspekteur Carsten Breuer, der ranghöchste Soldat der Bundeswehr, den Vorsitz im Nato-Militärausschuss übernehmen, dann gehören sowohl Rohrschneider als auch Bodemann zum kleinen Kreis von Top-Generälen der Bundeswehr, der in Bewegung kommt, wenn Spitzenämter im deutschen Militär und auf von Deutschland zu besetzenden Posten in der Kommandostruktur der Nato neu zu vergeben sind.

Als Boris Pistorius die Top-Kommandos verschmolz

Logistik und Organisation der Landesverteidigung haben bereits in Bodemanns früheren Aufgaben als General eine große Rolle gespielt. Von 2023 an führte er das Territoriale Führungskommando der Bundeswehr, bis es Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) 2024 mit dem Einsatzführungskommando zum Operativen Führungskommando verschmolz – wo Bodemann aktuell als Nummer Zwei hinter Alexander Sollfrank dient.

Auch in seiner Zeit als Stellvertreter des Inspekteurs der Streitkräftebasis in Bonn war Bodemann 2022 und 2023 mit Themen befasst, die für ihn in Ulm eine große Rolle spielen werden. Erfahrung aus einem großen Nato-Stab bringt der Generalleutnant ebenfalls mit. 2011 und 2012 diente er als Kabinettschef im Gemeinsamen Streitkräftehauptquartier des Bündnisses im niederländischen Brunssum.

Wird Bodemann auch Chef im EU-Kommando?

Neben mehreren Verwendungen im Verteidigungsministerium weist der Werdegang des 1965 im westfälischen Hagen geborenen Panzergrenadiers typische Stationen eines hochrangigen Offiziers des Heeres auf. So führte er das Panzergrenadierbataillon 332 in Wesendorf und einige Jahre später die Panzerbrigade 12 in Amberg.

Noch offen bleibt, ob Bodemann als der dann ranghöchste Offizier der Bundeswehr in Süddeutschland sowohl das Nato- als auch das EU-Kommando übernehmen wird. Seit die Nato das JSEC vor eineinhalb Jahren komplett in ihre Kommandostruktur integriert hat, drängt sie auf eine Trennung beider Ämter. Tatsächlich füllt die Nato-Aufgabe weitestgehend den Dienstplan des Spitzenmanns in Ulm.

Trennung der Doppelspitze in Ulm bleibt weiter offen

Wann diese Trennung – immer wieder angekündigt, immer wieder verschoben – tatsächlich erfolgen wird, ist nicht absehbar. Jedenfalls rückt das Multinationale Hauptquartier der EU 2029 wieder in die Rolle eines jederzeit voll einsatzbereiten und verlegbaren Stabs auf höchster operativer Ebene ein. Ein Nachfolger Rohrschneiders in der EU-Aufgabe braucht also ausreichend Zeit, sein Team darauf vorzubereiten.