Patent im Jahr 1899
„Frauenleibchen als Brustträger“: Wie eine Dresdnerin den BH erfand
28.07.2026 – 19:57 UhrLesedauer: 2 Min.
Ein BH liegt in einem Wäschekorb (Symbolbild): In Dresden wurde 1899 ein Patent für den Vorläufer des heutigen Büstenhalters angemeldet. (Quelle: shironagasukujira/getty-images-bilder)
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In ein enges Korsett geschnürt, ist für Frauen im 19. Jahrhundert vieles schwer – Sport treiben zum Beispiel. Die Dresdnerin Christine Hardt hat eine revolutionäre Idee.
Die meisten Frauen tragen ihn, es gibt ihn in unzähligen Farben, Formen und für jede erdenkliche Gelegenheit: Die Rede ist vom Büstenhalter, kurz BH. Was viele nicht wissen: Er ist einer Dresdnerin zu verdanken. Am 5. September 1899 meldete Christine Hardt beim Kaiserlichen Patentamt ein „Frauenleibchen als Brustträger“ an – es war die Geburtsstunde des BHs in Deutschland.
Manche Frauen finden den BH heute unbequem und sind froh, wenn sie ihn zu Hause ausziehen können. Doch im Vergleich zu seinem Vorläufer bietet er deutlich mehr Tragekomfort. Das Korsett, das jahrhundertelang den weiblichen Oberkörper einschnürte, war deutlich einschränkender.
Korsett: schwer, eng und einschränkend
Im 16. Jahrhundert in Mode gekommen, waren Korsetts entweder mit Stahlfedern, Walfischbein oder Büffelhorn verstärkt und wogen um die fünf Kilogramm. Sie wurden eng geschnürt, was bei Frauen zu Verdauungsproblemen, Organquetschungen und häufiger Ohnmacht führte. Auch die Bewegung war stark eingeschränkt, damit Sport zu treiben fast unmöglich.
Christine Hardt wollte das nicht hinnehmen und Frauen mehr Bewegungsfreiheit verschaffen. Das lag auch an ihrem Beruf: Hardt arbeitete als Masseurin und Lehrerin für Heilgymnastik beim Arzt Heinrich Lahmann, der im Dresdner Stadtteil Weißer Hirsch ein Sanatorium betrieb. Lahmann propagierte damals in seiner „Kleiderreform“: Die Kleidung darf nur auf den Schultern ruhen – eine Hose wird also nicht zugebunden, sondern mit Hosenträgern gehalten.
Hosenträger und Taschentücher: So entstand der erste BH
Das brachte Christine Hardt auf eine Idee: Sie nahm zwei Taschentücher, Hosenträger, Nadel und Faden und fertigte daraus das „Frauenleibchen als Brustträger“. Was man heute BH-Körbchen nennt, bezeichnete die Erfinderin als „Behälter“ und erklärte in der Patentschrift Nr. 110888: „Der Zweck dieses Leibchens besteht hauptsächlich darin, die Brüste aufrecht zu halten, ohne die Funktion einer gesunden Brust irgendwie zu beeinträchtigen.“

Hosenträger (Symbolbild): Sie hielten den ersten BH „made in Sachsen“. (Quelle: Scarosso)

