Ihre Lieder erzählen ehrliche Geschichten aus dem echten Leben – von Liebe, Verlust, harter Arbeit bis hin zu den kleinen Freuden des Alltags. „Country ist bodenständig, emotional und verbindet Menschen“, sagt Joachim Adamczuk, Leader der Why Not Band aus Augsburg. Seit 40 Jahren sind sie zusammen und mittlerweile ist die Combo nicht nur eine feste Größe in ihrer Heimatstadt, sondern in der deutschen Country-Szene. Mit viel Charme, handgemachter Musik und einer treuen Fangemeinde hat sich die Formation in die Herzen der Liebhaber von Country Classics, New Country und American Linedance gespielt. Gerade die Line-Dance-Choreografien locken teilweise über 100 Tänzerinnen und Tänzer vor die Bühne.
Adamczuk, der gerne mit Cowboyhut auftritt, kommt zum Interview mit seiner Frau Babs und Leadgitarrist Wolfgang „Wolly“ Graf in Zivil, also ohne Hut und Sporen. Die drei versprühen sofort gute Laune. Und sie sind sich einig: Die Live-Musik ist ihr Lebenselixier. Noch heute spielen sie etwa 25 Konzerte im Jahr. Manchmal geht es bis zu zehn Stunden, oft bis tief in die Nacht. Aber die wuppen die insgesamt sechs Countrymusiker, die gemeinsam 440 Lebensjahre auf der Bühne bringen, nach wie vor.
Mit ihrer Countrymusik liegt die Why not Band aus Augsburg im Trend
Das Geschäft läuft und mit Musik lässt sich die Rente gut aufpolstern. Zumal Countrymusik aktuell wieder voll im Trend liegt. Auch stilfremde Superstars wie Beyoncé haben zuletzt Countryalben aufgenommen. Die omnipräsente Taylor Swift kommt ebenfalls aus der Countryszene Amerikas.
Die Geschichte der „Why Not Band“ begann schon im Herbst 1985 in einem Bierzelt in der Region Augsburg. Dort trafen sich Adamczuk, seine Frau und andere regionale Country-Musiker. Nach einem Gastspiel einer anderen Country-Band war der Entschluss schnell gefasst, künftig selbst gemeinsam musikalisch aktiv zu werden. Als die Frage im Raum steht, wie die neue Formation heißen soll, schlug Asamczuk „Why not“ vor und die anderen sollen der Legende nach schlicht mit: „Why not?“, geantwortet haben – der Name war geboren. Als humorvolle Antwort auf die Frage nach ihrer Herkunft sagt die Band bis heute gerne schmunzelnd: „U.S.A.“ – den „Unteren Süddeutschen Abschnitt“, erzählt der 82-jährige Adamczuk.
Bandleader Adamczuk: „Weitermachen bis der Vorhang fällt“
Seitdem ist die Band unterwegs, manchmal auch im angrenzenden europäischen Ausland. Zwei ihrer Mitglieder sind inzwischen gestorben, doch die Gruppe brach nicht auseinander. Aktuell ist der Jüngste Schlagzeuger Christoph Ihle mit 57 Jahren, der Rest um Mitte 70. „Wir wollen weitermachen, bis der Vorhang fällt“, legt schmunzelt Adamczuk, der Altersking, fest.
Auf die Frage, welche Auftritte ihnen als die wichtigsten in Erinnerung geblieben sind, fallen den Adamczuks und Wolly Graf erst mal gar keine ein. Zu viel hat sich da angesammelt in der langen Zeit, als dass einzelne Highlights auf die Schnelle abrufbar sind. Dann, im Laufe des Gesprächs schält sich doch ein besonders bemerkenswertes Kapitel in der Bandhistorie heraus – ihre Auftritte abseits der Festivalbühnen. Auf den Spuren von Johnny Cash hat die Combo mehrfach in Justizvollzugsanstalten gespielt, darunter im bekannten Frauengefängnis in Aichach.
Als musikalisches Kennzeichen der Band beschreibt Adamczuk vor allem die Doppelsoli der beiden Leadgitarristen Wolly Graf, 73, und „Penny“, 74. Letzterer hat mit 13 Jahren „Die Pennies“ gegründet und hält seitdem seinen Geburtsnamen für lässlich. Inzwischen sieht der 74-Jährige ein wenig so aus, wie man sich den lieben Gott mit Cowboyhut, Sonnenbrille und ein wenig verwuschelten langen weißen Haaren vorstellt,
Der langjährige Schlagzeuger der „Why Not Band“ starb vor einigen Jahren
Die aktuelle Besetzung der Band, bestehend aus Adamczuk (Rhythmusgitarre, Vocals), seiner Frau Babs (Banjo, Mandoline, Leadvocals), Hans Haller (Bass), Penny (Leadgitarre, Leadvocals), Christoph Ihle (Drums) und Wolfgang Graf (Leadgitarre, Vocals), spielt bereits seit Jahren zusammen. Der schmerzhafte Verlust ihres langjährigen Schlagzeugers Yogi vor einigen Jahren zwang die Band zu einer Umbesetzung, doch die Freude an der Musik und der unverkennbare „Why Not“-Sound sind erhalten geblieben.
Eines kann man sicherlich ganz ohne Schmäh sagen: Die Rentnerband ist ein Beweis dafür, dass Country-Musik keine Altersgrenzen kennt. Mit zwei veröffentlichten CDs (“real good“ und „even old guys“) sowie regelmäßigen Auftritten – etwa dem beliebten Country-Frühschoppen in der Augsburger Kälberhalle – hält die Combo die amerikanische Musiktradition im Herzen Schwabens lebendig. „Wir verkaufen auch noch immer CD’s und sogar Kassetten. Und darauf schlagen wir einen Antiquitätenbonus“, schmunzelt Wolly Graf. Und in den nächsten Wochen geht es für die „Why not Band“ weiter. Denn in den Sommermonaten spielen sie fast jedes Wochenende Konzerte.