Es sind spektakuläre Bilder, die zeigen sollen, dass die französischen Behörden die Großbrände im Südwesten des Landes mit allen erdenklichen Mitteln bekämpfen: Ein A400M, eigentlich ein militärisches Transportflugzeug, fliegt tief über die Kiefernwälder in der Region Gironde, öffnet am Heck seine Abwurfanlage und setzt Brandhemmer in ziegelroter Farbe frei. In riesigen Schwaden verbreiten sich die Löschmittel über der von Rauch verdunkelten Landschaft. Das französische Fernsehen übertrug die Szenen vom ersten Flug am Samstag live. Seit Tagen laufen die Aufnahmen vom verzweifelten Kampf gegen die Flammen in Dauerschleife.

Regierungschef Sébastien Lecornu sprach allen Einsatzkräften seinen Dank aus. „In dieser historischen Situation ist auch die Mobilisierung historisch“, schrieb er auf der Plattform X. „Ein Feuer mit extrem starken Aufwinden von diesem Ausmaß haben wir noch nie erlebt“, betonte Innenminister Laurent Nunez. Präsident Emmanuel Macron berief am Montagmorgen ein interministerielles Krisentreffen ein. Am Wochenende erhielten die 2500 Feuerwehrleute Verstärkung durch 1500 Soldaten und 1700 Polizisten. 1,5 Millionen FFP2-Masken zum Schutz gegen den giftigen Rauch erreichten die Region.

Noch gibt es in Frankreich keine Debatte über Behördenversagen

Frankreich, so die Botschaft der Regierung, betreibe in dieser außergewöhnlichen Situation effizientes Krisenmanagement. Derzeit gibt es noch keine laute Debatte über mögliches Behördenversagen – die Blicke richten sich auf die akute Brandbekämpfung. Aber einige Kritiker monieren die mangelnde Vorbereitung. So wies der stellvertretende Generalsekretär der Gewerkschaft des fliegenden Personals der Zivilluftfahrt, Eric Durand, darauf hin, dass derzeit nur sieben der zwölf Canadair-Löschflugzeuge zur Verfügung stehen. Am Freitag waren es sogar nur fünf. Alle anderen müssen gewartet oder repariert werden, wobei der Zulieferer nicht über alle notwendigen Ersatzteile verfüge. „Ich bin selbst in Bereitschaft, aber habe kein Flugzeug, das ist sehr frustrierend“, so der Pilot.

Seit zwei Jahren fordern er und seine Kollegen einen Plan für die Einsatzbereitschaft der vorhandenen Flugzeuge zur einschlägigen „Waldbrand-Saison“ ab dem 15. Juni. „Aber dieses Jahr stand von vorneherein fest, dass wir nicht alle Canadair haben würden.“ In der Nutzung des Militärflugzeuges A400M sehe er daher in erster Linie eine „wunderbare Kommunikationsoperation“, um diese Mängel zu übertünchen. Tatsächlich sei es aber kaum effektiver als ein Dash-Löschflugzeug, weil nicht die Quantität von Wasser oder Brandhemmer zähle, die auf einmal abgeworfen werde, sondern über mehrere Stunden am Stück. Das könnten die Dash-Maschinen besser. Doch von den acht Exemplaren, die Frankreich besitzt, seien nur sieben verfügbar.

Anwohner blicken am frühen Morgen in Le Porge im Südwesten Frankreichs in den von Waldbränden erhellten Himmel.

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Anwohner blicken am frühen Morgen in Le Porge im Südwesten Frankreichs in den von Waldbränden erhellten Himmel.
Foto: Romain Perrocheau, dpa/AFP

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Anwohner blicken am frühen Morgen in Le Porge im Südwesten Frankreichs in den von Waldbränden erhellten Himmel.
Foto: Romain Perrocheau, dpa/AFP

Der Brand bei Bordeaux zerstörte 240 Wohngebäude

Im Juni hatte seine Gewerkschaft die französische Generaldirektion für zivile Sicherheit und Krisenmanagement vor der mangelnden Einsatzbereitschaft mehrerer Maschinen im Sommer gewarnt. „Noch ein weiteres Mal müssen wir uns anpassen, in der Hoffnung, dass alles gut geht“, hieß es darin. Bekanntlich ging es überhaupt nicht gut. Allein bei dem Brand westlich von Bordeaux wurden inzwischen mehr als 42 Hektar und mindestens 240 Wohngebäude zerstört. Insgesamt 220.000 Menschen mussten evakuiert werden. Bis zu 15 Kilometer kamen die Flammen an Bordeaux heran. Parallel dazu wüten weitere Brände im Land, unter anderem etwas südlicher an der Atlantikküste bei Biscarrosse, hinter Marseille und auf der Insel Korsika.

Diese Luftaufnahme zeigt ausgebrannte Autos nach einem Waldbrand in Le Porge im Departement Gironde im Südwesten Frankreichs Die Brände in Frankreich haben ein noch nie dagewesenes Ausmaß angenommen.

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Diese Luftaufnahme zeigt ausgebrannte Autos nach einem Waldbrand in Le Porge im Departement Gironde im Südwesten Frankreichs Die Brände in Frankreich haben ein noch nie dagewesenes Ausmaß angenommen.
Foto: Florian Plaucheur/AFP, dpa

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Diese Luftaufnahme zeigt ausgebrannte Autos nach einem Waldbrand in Le Porge im Departement Gironde im Südwesten Frankreichs Die Brände in Frankreich haben ein noch nie dagewesenes Ausmaß angenommen.
Foto: Florian Plaucheur/AFP, dpa

Auch Lokalpolitiker beklagten die Reaktion der Regierung als zu langsam. Der sozialistische Präsident des Departements Gironde, Jean-Luc Gleyze, sagte, angesichts des Ausmaßes des Großbrandes hätte es „viel mehr und viel früher Mittel aus der Luft gebraucht“.

Die Flotte der Löschflugzeuge soll bis 2032 in Frankreich verstärkt werden

Innenminister Nunez wies die Kritik zurück. Das Budget der zivilen Sicherheit habe sich zwischen 2016 und 2026 fast verdoppelt, auf derzeit 800 Millionen Euro pro Jahr. Außerdem seien die Löschflugzeuge 2026 schon viel mehr im Einsatz gewesen als in den Vorjahren. Die Flotte mit insgesamt 23 Maschinen wird in den nächsten Jahren noch verstärkt, unter anderem mit vier weiteren Canadair bis 2032.

Ende der vergangenen Woche hat Präsident Macron den europäischen Solidaritätsmechanismus aktiviert. Seitdem schickten mehrere Länder Löschflugzeuge, darunter Kroatien, Portugal, die Slowakei und die Tschechische Republik. Aus Deutschland wurden am Montags zwei Hubschrauber und ein A400M für den Transport unter anderem von Löschbehältern erwartet. Die rund 40 deutschen Unterstützungskräfte sollen am Dienstag ihre Arbeit aufnehmen.