Ein paar Tage Bedenkzeit hatte sich das Organisationsteam um Raffael Joos ausgebeten. In der Nacht zum Mittwoch stand dann fest: „Jetzt erst recht!“, lautet die Wolfratshauser Antwort auf den Anschlag beim Christopher Street Day (CSD) in Berlin am vergangenen Samstag. „Wenn die Angst siegt, dann hat der Terror bekommen, was er will“, erklärt Joos. Die zweite CSD-Party in Wolfratshausen soll deshalb wie geplant am Samstag, 1. August, über die Bühne gehen.

Als Versammlungsleiter fasst Joos zusammen, was ihn und sein Team seit dem Attentat umtreibt, bei dem eine Frau getötet und 29 Menschen teils schwer verletzt wurden. „Der Anschlag auf die Afterparty in Berlin hat uns alle erschüttert. Wir bekommen Nachrichten und Anrufe von unseren Familien und Freund*innen – teils besorgt, teils ermutigend, alle mitfühlend.“

Rafael Joos gehört zum Organisationsteam des Wolfratshauser CSD.Rafael Joos gehört zum Organisationsteam des Wolfratshauser CSD. Harry Wolfsbauer

Terror solle einschüchtern und queere Menschen daran hindern, dass sie sich zeigten, auf ihre Situation aufmerksam machten und für ihre Rechte einstünden, so Joos. Die besten Mittel gegen Angst und Ohnmacht seien „Solidarität und das Gefühl, nicht alleine zu sein“. Eben dazu lade der Wolfratshauser CSD am Samstag ein. Um 10.30 Uhr, so der Plan, startet eine bunte Parade mit Lautsprecherwagen und Musik vor der Loisachhalle, dreht eine Runde durch die Innenstadt und feiert dann mit Tanz und Musik auf dem Platz vor der Kulturhalle. Als Gastredner haben sich der SPD-Bundestagsabgeordnete und Parteivorsitzende in Bayern, Sebastian Roloff, und der Bürgermeister von Bad Wiessee, Robert Kühn (SPD), angekündigt. Zudem berichten Menschen über den queeren Lebensalltag in der Region.

Mit den Sicherheitsbehörden stehe man seit dem Wochenende in einem „verstärkten und konstruktiven Austausch“, erklärt Joos. Das Sicherheitskonzept werde „laufend angepasst“. Derzeit gebe es keinen Anlass, die Veranstaltung einzuschränken. „Wir haben aufgestockt“, bestätigt Polizeihauptkommissar Alexander Möckl, stellvertretender Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Wolfratshausen. Die zuständige Sicherheitsbehörde sei in diesem Fall das Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen. Einzelheiten zu den geplanten Maßnahmen fallen seinen Worten nach unter „taktische Interna“ und werden nicht öffentlich gemacht.

Organisator Joos, der 2025 bei den Bundestagswahlen als Direktkandidat der SPD antrat, erinnert an die Wurzeln des Christopher Street Day in den Stonewall-Aufständen von 1969 in New York. Dort war es zu gewalttätigen Konflikten zwischen Homosexuellen und Polizeibeamten gekommen. „Auch damals wehrte sich die queere Community gegen Willkür und Gewalt.“ Er und sein Team wollten diesen Gedanken weitertragen. Ihr Appell lautet, „umso selbstbewusster und sichtbarer zu sein – ganz getreu dem diesjährigen Motto: Wenn alles wieder grau wird, mach’ Farbe dran!“