Stand: 29.07.2026 20:41 Uhr

Etwa einen Monat liegt die letzte Hitzewelle zurück. Seitdem wird wieder viel über einen besseren Hitzeschutz für ältere Menschen diskutiert. Doch Recherchen von NDR Hamburg zeigen: Pflegeheime werden weitgehend allein gelassen, wenn sie selbst etwas tun wollen.

von Jörn Straehler-Pohl

Das Pflegeheim „Fallen Anker“ in Altona: Es ist rund 60 Jahre alt. Sonnenschutz gibt es nur an einem Teil der Fenster – in Richtung Osten fehlen sie ganz. Im Sommer wurde es bereits mit der Morgensonne in den Zimmern unerträglich heiß, erzählt Bewohner Wolfgang Flasche: „Da habe ich bis zu 31 Grad im Zimmer gehabt.“

Physik-Professor schlägt Hitzeschutzfolien vor

Der Angehörige einer Bewohnerin, ein ehemaliger Physik-Professor vom DESY in Hamburg-Bahrenfeld, hatte deshalb eine Idee: Hartwig Spitzer schlug der Heimleiterin vor, Hitzeschutzfolien auf diesen Fenstern anzubringen.

Zuerst gesehen hatte er sie in seinem Forschungsinstitut: „Solche Folien können eine deutliche Temperatur-Minderung bringen“, weiß Spitzer aus eigener Erfahrung. Und er hatte eine weitere Idee: „Ich wusste, dass die Investitionsmittel des Pflegeheims knapp sind und habe deshalb einen Abgeordneten der Altonaer Bezirksversammlung gefragt, ob es für solche Maßnahmen im Bezirk Fördergelder geben könnte.“

Bezirksversammlung Altona lehnt Förderung ab

Es waren keine riesigen Summen, die das Pflegeheim beantragte: Es ging um Gelder in Höhe von knapp 10.700 Euro für die Hitzeschutzfolien. Doch die Mehrheit der Abgeordneten der Bezirksversammlung lehnte den Antrag ab. Dana Vornhagen, Fraktionschefin der Altonaer Grünen, zeigt dafür Verständnis – obwohl ihre eigene Fraktion für die Förderung war: „Es gibt durchaus die Sichtweise, dass die bezirklichen Finanzmittel sehr begrenzt sind“, sagt Vornhagen. Und es sei die Frage gewesen, ob der Bezirk für diese Aufgabe zuständig ist.

Keine Förderprogramme für Hitzeschutz

Doch genau hier beginnt das Problem: Nach Recherchen von NDR Hamburg gibt es weder bei der Stadt Hamburg noch beim Bund ein eigenes Förderprogramm speziell für Hitzeschutz in Pflegeheimen. Das Bundesprogramm „AnpaSo“ für eine Klimaanpassung in sozialen Einrichtungen liegt gerade auf Eis. Und als es noch Geld über das Programm gab, reichte es auch nur für wenige, ausgewählte Einrichtungen.

Investitionen ist Sache der Pflegeheime

Pflegeheime stehen damit vor einem altbekannten Problem: Aufgabe der Bundesländer ist es, in den Erhalt und Ausbau ihrer Krankenhäuser zu investieren. Für Pflegeheime gilt das nicht diese Verpflichtung nicht. Deshalb müssen sie Investitionen selbst stemmen – was in vielen Fällen auch höhere Kosten für die Heimbewohnerinnen und -Bewohner bedeutet, weil sie oft über eine Umlage an den Investitionskosten beteiligt werden. Und das gilt auch für den Hitzeschutz.

Pflegeheim: Werden allein gelassen

Genau das macht das Pflegeheim „Fallen Anker“ dann auch: Es lässt die Folien auf eigene Kosten anbringen. Neue Stühle für die Bewohnerinnen und Bewohner werden deshalb erst im kommenden Jahr gekauft. Monika Sonnenberg, die Leiterin des Heimes, sagt: Für sie wäre es eher eine Überraschung gewesen, wenn der Hitzeschutz gefördert worden wäre: „Weil es so selten ist, dass aktiv etwas für Pflegeeinrichtungen getan wird. Es wird viel über uns geredet, aber wenn es darum geht, pragmatische Lösungen zu finden, dann müssen wir das alleine machen.“ Und vielleicht deshalb hat bislang noch kein anderes Pflegeheim versucht, einen Förderantrag zu stellen – das ergab eine Abfrage des NDR Hamburg unter den sieben Bezirken.

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