Während Konkurrenten auf klassische Paketlieferungen setzten, eröffnete Kim Tausende Abholstationen im ganzen Land. Dort konnten Kunden Kleidung direkt anprobieren und Retouren sofort wieder abgeben. Gerade außerhalb der Metropolen verschaffte das Wildberries einen entscheidenden Vorsprung.

imago images 0843134659Vergrößern des BildesEine Abholstation von Wildberries im Nordwesten Moskaus. (Quelle: IMAGO/Mikhail Sinitsyn/imago)

Innerhalb weniger Jahre wurde aus dem kleinen Familienunternehmen der größte Onlinehändler Russlands. Zum Sortiment kamen Elektronik, Kosmetik, Haushaltsgeräte und Lebensmittel hinzu.

Heute nutzen Millionen Russen die Plattform, deren violettes Logo in nahezu jeder Stadt zu finden ist. Wildberries expandierte nach Belarus, Kasachstan, Armenien und in weitere Länder der Region. Zeitweise startete der Konzern sogar einen Anlauf auf dem deutschen Markt, der jedoch erfolglos blieb.

Kim bekam sieben Kinder

Kim blieb dabei eine ungewöhnliche Figur. Während sich viele russische Oligarchen mit Yachten, Villen oder Luxusautos inszenierten, trat sie meist in Jeans und Turnschuhen auf. Interviews gab sie nur selten. Stattdessen pflegte sie das Bild der bodenständigen Unternehmerin und Mutter. Gemeinsam mit Wladislaw Bakaltschuk bekam sie sieben Kinder. Lange galt Wildberries deshalb als Paradebeispiel eines erfolgreichen russischen Familienunternehmens.

Mit dem wirtschaftlichen Erfolg wuchs allerdings auch die politische Bedeutung des Konzerns. Wildberries war längst nicht mehr nur ein Versandhändler. Millionen Russen bezahlten dort ihre Einkäufe, Hunderttausende Händler verkauften ihre Produkte über die Plattform.

Je größer Wildberries wurde, desto wichtiger wurden die Verbindungen in den Machtapparat. Das zeigte sich spätestens nach der Annexion der Krim 2014. Damals begann der Kreml, russische Unternehmen stärker von westlichen Finanzdienstleistern unabhängig zu machen.

Wildberries gehörte zu den ersten großen Händlern, die Kunden Rabatte gewährten, wenn sie mit dem staatlichen Bezahlsystem Mir statt mit Visa oder Mastercard zahlten. Die Botschaft war eindeutig: Der Konzern verdiente nicht nur Geld, sondern unterstützte auch politische Ziele des Kremls.

Das Unternehmen hielt sich lange aus der Politik heraus

Dennoch blieb Kim lange das Gesicht eines Unternehmens, das sich aus der Politik heraushielt. Das änderte sich Anfang 2024 schlagartig: Im Januar brannte eines der größten Wildberries-Lager südlich von Sankt Petersburg nieder. Russische Behörden begannen daraufhin mit umfangreichen Untersuchungen. Exilmedien berichteten, Sicherheitsbehörden hätten sich zunehmend für den Konzern interessiert. In Russland gilt das oft als Warnsignal, dass es Ärger mit dem Kreml geben könnte.

Kurz darauf kündigte Wildberries eine Fusion mit Russ Outdoor an. Dieser Konzern hieß früher News Outdoor und gehörte dem Medienimperium von Rupert Murdoch. Mit Tausenden Werbeflächen dominierte das Unternehmen jahrelang den russischen Außenwerbemarkt. Doch Murdoch bekam früh zu spüren, wie schwierig Geschäfte in Russland werden können.

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