Russland hat den Chef des Onlinedienstes Telegram, Pawel Durow, auf eine Liste von »Terroristen und Extremisten« gesetzt. Der Name des 41-jährigen Techmilliardärs war in einem entsprechenden
Register der obersten russischen Finanzaufsichtsbehörde Rosfinmonitoring zu finden. Zur Begründung teilte der russische Inlandsgeheimdienst FSB mit, Telegram habe
zugelassen, dass der ukrainische Geheimdienst die Plattform dazu nutzt,
Russen für Angriffe auf die Infrastruktur zu gewinnen.
Kurz zuvor hatte Russland einen internationalen Haftbefehl gegen ihn erlassen. Wie der FSB mitteilte, weigere sich das Unternehmen, Kanäle und Chatbots zu löschen,
die »aktiv von ukrainischen Geheimdiensten, terroristischen und
extremistischen Organisationen« dazu genutzt würden, »Sabotage- und
Terrorakte« in Russland vorzubereiten. Im
Fall einer Verurteilung droht Durow eine
lebenslange Haftstrafe. Durow lebt schon seit Jahren nicht mehr in seiner Heimat Russland.
Vorwürfe der russischen Behörden
Die russischen Behörden hatten Durow immer wieder
aufgefordert, für eine Löschung »extremistischer oder terroristischer Inhalte« auf
Telegram zu sorgen. Zu den neuen Vorwürfen äußerte sich Durow bisher nicht. Auch
von Telegram selbst gab es keine Stellungnahme.
Telegram wurde wiederholt mit Geldstrafen belegt, weil es
Vorschriften nicht eingehalten haben soll. Zwischen 2018 und 2020 bemühten sich
die russischen Behörden vergeblich, Telegram zu sperren. Die russische Regierung
versucht seit 2022 im Kontext der russischen Angriffe gegen die
Ukraine, das Internet zu kontrollieren.
Telegram ist in Russland nicht verboten, aber blockiert. Der Messengerdienst kann allerdings
mit einem VPN genutzt werden.
Obwohl der Messengerdienst in Russland gedrosselt
wurde, nutzen selbst russische Behörden die App nach wie vor regelmäßig.
Auch in anderen Ländern gesucht
Auch in anderen Ländern wird Telegram vorgeworfen, durch die verschlüsselte Kommunikation organisierte Kriminalität zu ermöglichen.
Australien teilte mit, dass es Telegram verklagt habe, weil es extremistische Inhalte nicht entfernt habe, darunter Videos von Enthauptungen
durch die Terrorgruppe Islamischer Staat.
© Lea Dohle
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Wegen des Vorwurfs, nichts gegen die Nutzung der App für
illegale Aktivitäten wie Drogenhandel und die Verbreitung von Bildern sexuellen
Kindesmissbrauchs getan zu haben, wurde Durow im August
2024 in Paris von den französischen Behörden festgenommen. Er kam nach fünf
Tagen gegen eine Kaution von fünf Millionen Euro frei.
Gegen den
Telegram-Gründer bestand zeitweise eine strenge Aufsicht der französischen Justiz, die es ihm
verbot, Frankreich ohne Genehmigung der Behörden zu verlassen. Nachdem die Auflagen
2025 gelockert wurden, ließ Durow sich in Dubai
nieder. Ende Juli gab er auf Telegram bekannt, in die ehemalige Sowjetrepublik
Georgien gereist zu sein.
Durow besitzt mittlerweile mehrere Staatsangehörigkeiten
Durow wurde 1984 in
Leningrad, dem heutigen St. Petersburg, geboren und besitzt mittlerweile auch
die Staatsbürgerschaft Frankreichs, der Vereinigten Arabischen Emirate sowie
des karibischen Inselstaates St. Kitts und Nevis. 2013 gründete er mit seinem
Bruder Telegram.
2006 hatte der damals 22-Jährige zusammen mit seinem
Bruder Nikolai den Onlinedienst Vkontakte aufgebaut. Es ist Russlands größtes soziales
Netzwerk, das Facebook ähnelt. Nach Protesten gegen die Regierung 2011 bis 2012
setzten die Behörden VKontakte unter Druck. Daraufhin verkaufte Durow seine Anteile.
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Mychajlo Drapatyj:
Sie hoffen, dass er das Sterben beenden kann