In der schönsten Jahreszeit bieten viele Orte in NRW für ein paar Tage eine Auszeit vom Alltag – mit Budenzauber, ausgelassener Atmosphäre und großen wie kleinen Attraktionen. Tatsächlich hat jedes Volksfest einen anderen Charakter. Eine Auswahl.

Bis ins Jahr 836 reichen die Wurzeln dieses Fests zurück: Libori ist nicht nur eines der größten und ältesten Volkfeste in Deutschland, sondern auch Paderborns „fünfte Jahreszeit“. Neun Tage lang gibt es eine Mischung aus Zeremonien, Prozessionen sowie Kulturveranstaltungen, aber eben auch Markt- und Kirmestreiben mit vielen Attraktionen. Diese Mixtur aus kirchlichen Feierlichkeiten und weltlichem Fest vor und in der historischen Kulisse Paderborns ist schon sehr besonders. Dazu passt auch das Motto: „Kirche, Kultur, Kirmes“. Noch bis 2. August.

Das nach eigenen Angaben größte Volksfest in NRW und sicher die wichtigste Kirmes im Ruhrgebiet ist die Cranger Kirmes am Rhein-Herne-Kanal. Rund 50 Fahr-, Show- und Laufgeschäfte, darunter ein Dutzend Attraktionen speziell für Kinder, locken jedes Jahr rund vier Millionen Besucher nach Herne. Das Fest hat eine lange Tradition: Los ging es wohl im Jahr 1484 mit einem Pferdemarkt (zur Kirmes gehört auch ein Pferdesportprogramm auf Gut Steinhausen), aus dem sich dann die Kirmes entwickelte. In diesem Jahr prangt damit die Zahl 542 über dem Cranger Tor, um eine Brücke in die Vergangenheit zu schlagen. Am 8. August gibt es einen Festumzug mit rund 4000 Teilnehmern, am 16. August ein Abschlussfeuerwerk.

Elf Tage lang wird in Aachen vom 7. bis 17. August gefeiert, wenn der Öcher Sommerbend auf dem Festplatz wieder Tausende Menschen aus der Region anlockt. Zu den Besonderheiten gehört erneut ein Angebot für Menschen, die sich durch zu viel Licht und Lärm belastet fühlen. Für sie findet am 10. August von 14 bis 17 Uhr eine reizarme Kirmes mit verringerter Lautstärke und langsameren Fahrgeschäften statt. Am Mittwoch ist Familientag, zum Abschluss gibt es ein großes Feuerwerk.

Laurentiuskirmes in Bergisch Gladbach

Bürgernähe und Familienfreundlichkeit stehen vom 8. bis 11. August im Mittelpunkt des größten und ältesten Volksfestes in Bergisch Gladbach, der Laurentiuskirmes, die am St. Laurentius-Wochenende auf dem Konrad-Adenauer-Platz stattfindet. Zur Besonderheit der Kirmes gehört es, dass vor der offiziellen Eröffnung eine Schaustellermesse mit Frühstück vor der Kirche stattfindet. Erst danach erfolgt der Fassanstich, und von den Schaustellern gespendete und damit kostenlose Fahrchips werden verteilt. Auch in Bergisch Gladbach rundet ein Abschlussfeuerwerk die Kirmes ab.

Mariä Himmelfahrt Kirmes in Warendorf

Als sogar weltweit einzigartig bezeichnet die Stadt Warendorf die Kirmes zum Heimatfest Mariä Himmelfahrt. Und zwar, weil es sozusagen drei Feierlichkeiten in einem gibt: das Bürgerschützenfest, die Mariä Himmelfahrt Kirmes und die christliche Tradition der Marienverehrung. Auftakt ist am 15. August, am Tag danach dürfen alle, die den Namen Maria tragen, kostenlos mit dem Riesenrad eine „Fahrt in den Himmel“ unternehmen. Der Montag ist Familientag mit günstigeren Preisen. Zum Abschluss gibt es ein Höhenfeuerwerk.

Mit zehn Neuheiten startet am 11. September Bonns größtes Volksfest, der „Pützchens Markt“. Im vergangenen Jahr zählte die fünftägige Veranstaltung rund eine Million Besucher. Der Ursprung des Fests reicht zurück bis ins Jahr 1367, als der Adelheidisbrunnen zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde. Die heilige Adelheid hat, so die Überlieferung, bei einer Dürre ihren Äbtissinnen-Stab in die Erde gestoßen, woraufhin dort Wasser aus dem Boden sprudelte. Dieser auch Pütz genannte Brunnen gab dem Dorf seinen Namen. In diesem Jahr erwarten die Besucher des Volksfests neben vielen Jahrmarktklassikern zehn neue Attraktionen.

Zünftig mit einem Fassanstich durch Bürgermeister Vincent Endereß startet am 25. September die Haaner Kirmes. Über die gesamte Innenstadt verteilen sich rund 200 Fahrgeschäfte, die aneinandergereiht eine Strecke von fast zwei Kilometern auf einer Fläche von rund 35.000 Quadratmetern ergeben würden. Die Haaner Kirmes ist damit eine der größten Veranstaltungen dieser Art im Land, rund 400.000 Besucher lassen sich das Spektakel nicht entgehen. Laut Historikern reicht die Tradition dieses Volksfests bis ins Mittelalter zurück, möglicherweise liegen die Wurzeln sogar im 8. oder 9. Jahrhundert. Den krönenden Abschluss findet das Familienfest, das eigens elf Kinderfahrgeschäfte aufbietet, mit einem Höhenfeuerwerk – bei dem bei entsprechendem Applaus auch eine Zugabe möglich ist.

Hüstener Kirmes in Arnsberg

Eines der größten Volksfeste in Südwestfalen ist die Hüstener Kirmes in Arnsberg, die sich bevorzugt an Familien richtet. Der Besuch lässt sich prima mit einem Tagesausflug ins Sauerland verbinden. Rund 300.000 Menschen machen zwischen dem 11. und 15. September einen Abstecher zu diesem Volksfest, das viele klassische Fahrgeschäfte wie Riesenrad, Autoscooter oder Geisterbahn bietet. Sicherheitsarmbänder für Kinder, in denen sich die Kontaktdaten der Eltern eintragen lassen und die es an den Zugängen gibt, sorgen für ein unbeschwertes Vergnügen. Info www.kirmes-info.de, 11. bis 15. September