Video:
Hitze im Norden – zwischen Gesundheitsgefahr und Spaß im Pool (7 Min)

Stand: 31.07.2026 09:41 Uhr

Gewitter und Sturmböen haben in Teilen des Nordens für umgeknickte Bäume und vollgelaufene Keller gesorgt – ein Baum stürzte auf einen Lkw. Der Bahnverkehr ist teils gestört. Auch heute sind wieder Gewitter möglich.

Bis Freitagabend kann es laut Deutschem Wetterdienst zu Gewittern in Niedersachsen kommen. Nach einer kurzen Pause in der Nacht steigt die Unwettergefahr den Prognosen zufolge im Verlauf des Tages deutlich an – erneut sind demnach Hagel, Sturmböen und Starkregen möglich. Die Unwettergefahr halte teils bis in die Nacht zu Samstag an, so der DWD. Im Gegensatz zu Donnerstag soll es aber weniger Wind und weniger Hitze geben: So werden etwa im Raum Göttingen heute voraussichtlich maximal 30 Grad erreicht.

Dutzende Bäume knicken um, Bahnverkehr noch gestört

Der Bahnverkehr auf den Strecken Hamburg-Uelzen und Hamburg-Bremen ist wegen einer beschädigten Oberleitung bei Bad Bevensen gestört. Die Reparaturarbeiten sollen bis zum Mittag dauern, teilte Metronom am Morgen mit. Im niedersächsischen Landkreis Gifhorn sind gestern nach Angaben der Polizei bis zu 60 Bäume umgeknickt. In Wunstorf in der Region Hannover sind den Angaben zufolge ein paar Bäume umgestürzt und etliche Keller vollgelaufen – auch Parkhäuser, Hauszufahrten und Gärten waren betroffen. Die Feuerwehr spricht von rund 80 Einsätzen. Bis zu 300 Einsatzkräfte mussten den Angaben nach stundenlang Wasser abpumpen.

Orkan: 20 Bäume in Faßberg umgestürzt

Im niedersächsischen Faßberg (Landkreis Celle) erfassten die Messgeräte zeitweise Windgeschwindigkeiten von 148 Kilometern pro Stunde – ab Tempo 118 ist Orkanstärke erreicht. Dem ARD-Wetterexperten Karsten Schwanke zufolge kommt das im norddeutschen Flachland erfahrungsgemäß nur einmal pro Jahrzehnt vor. Nach ersten Erkenntnissen entstanden in Faßberg keine schweren Schäden, der Wind wehte dort aber laut Polizei bis zu 20 Bäume um.

21-jährige Autofahrerin kommt schwer verletzt ins Krankenhaus

Auf der Autobahn 31 im Landkreis Grafschaft Bentheim verlor die Fahrerin eines Transporters wegen Starkregen und Aquaplaning die Kontrolle über ihren Wagen, wie die Polizei mitteilte. Das Fahrzeug schleuderte demnach gegen die Mittelschutzplanke, kam rechts von der Fahrbahn ab und kippte um. Die 21-Jährige wurde schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht.

Dachziegel drohten durch Wind auf die Straße zu fallen

In Stadt und Region Hannover sowie im Bereich Göttingen verzeichneten Polizei und Feuerwehr ebenfalls umgestürzte Bäume. Verletzte habe es auch dort nicht gegeben. In Celle drohten vom Wind gelockerte Dachziegel auf Straßen und Wege zu fallen. In Braunschweig musste die Feuerwehr zudem lose Ziegel auf dem Rathausdach sichern.

Veranstalter vorbereitet: Maschseefest später, LaGa geschlossen

Mit dem Sturm im Norden gingen ab dem Nachmittag zusätzlich auch Hitzegewitter einher. Wegen der Warnung begann das Maschseefest in Hannover später als üblich. Das geplante Konzert von Alvaro Soler am Abend in Hannover wurde sicherheitshalber abgesagt. Die Landesgartenschau (LaGa) in Bad Nenndorf (Landkreis Schaumburg) hatte wegen des erwarteten Unwetters bereits um 15 Uhr geschlossen, wie die Veranstalter auf Instagram mitteilten.

Beim Maschseefest schreiben Drohnen "Viel Spaß beim Maschseefest!" in den Abendhimmel.

Die Veranstalter hatten den Start des Festes wegen der Wetterwarnung am Donnerstag in den Abend verschoben.

Umgestürzte Bäume auch in Schleswig-Holstein

In Schleswig-Holstein lag der Schwerpunkt der Einsätze für die freiwilligen Feuerwehren bis zum frühen Abend im Kreis Herzogtum Lauenburg. Die Einsatzkräfte mussten dort bis 20 Uhr etwa 20 Mal ausrücken, weil unter anderem Bäume auf Straßen gestürzt waren, sagte ein Leitstellensprecher dem NDR.

Wassersportler in MV in Not – Verkehrsbehinderungen und Feld-Brand

In Mecklenburg-Vorpommern sorgten starker Wind und viel Regen ebenfalls stellenweise für größere Probleme. Wegen des stürmischen Wetters gerieten mehrere Wassersportler in Not. Auf dem Schweriner See wurden Paddler auf einem SUP-Board abgetrieben, in Rostock kenterte das Boot eines 22-Jährigen und auf dem Plauer See gerieten Ruderer in Seenot. Alle konnten gerettet werden und blieben unverletzt. Umgestürzte Bäume behinderten etwa den Verkehr auf mehreren Straßen. Betroffen waren unter anderem die B191 am Ortsausgang Parchim, die B104 zwischen Rehna und Nesow und die Landstraße zwischen Boldela und Ortkrug.

Baum fällt auf Lkw – Fahrer verletzt

Im Landkreis Rostock zählte die Leitstelle rund 50 Einsätze nördlich der A20, bei denen es ebenfalls überwiegend um umgestürzte Bäume ging. Im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte war zwischenzeitlich die Straße zwischen Klein Plasten und Möllenhagen blockiert. Auf der B106 wurde ein Lkw-Fahrer leicht verletzt, als ein Baum auf sein Führerhaus stürzte.

Bei Lübesse stürzte ein Baum auf das Führerhaus eines Lastwagens.

Gestern Abend und in der Nacht sorgten umgestürzte Bäume und Rettungseinsätze auf Seen für zahlreiche Feuerwehreinsätze.

Durch einen umstürzenden Baum ist auch ein Lkw-Fahrer auf einer Landstraße bei Lübesse (Landkreis Ludwigslust-Parchim) leicht verletzt worden. Der Baum landete laut Polizei auf dem Führerhaus des Fahrzeugs. Der 26 Jahre alte Fahrer sei durch Splitter der Frontscheibe leicht verletzt worden. Er kam in ein Krankenhaus. Der Schaden wird auf 100.000 Euro geschätzt, wie die Polizei mitteilte. In Lübstorf (Landkreis Nordwestmecklenburg) brannte zudem ein Feld, vermutlich wurde das Feuer durch einen Blitz ausgelöst. Die Feuerwehr konnte den Brand schnell löschen.

Sturm und Unwetter: Das rät der Wetterexperte

ARD-Wetterexperte Tim Staeger rät bei Sturmgefahr, alle Gegenstände hereinzuholen, die umherfliegen könnten. Was draußen bleiben muss, sollte möglichst festgebunden werden. Auch sei ratsam: Wetterprognosen und den Himmel im Blick behalten. Sollte jemand bei einem Spaziergang in der Natur von Gewitter überrascht werden: „Auf keinen Fall unter Bäume flüchten, sondern auf freiem Feld in die Hocke gehen“, sagt Staeger.

Auch im Auto sei man dank sicher, da bei einem Blitzeinschlag der Effekt des faradayschen Käfigs wirkt – aber: keine Metallteile berühren, warnt der Wetterexperte. Informationen und Ansprechpartner rund um extremes Wetter und Notlagen hat das Land Niedersachsen auf einer Website, dem „Notfall-Monitor„, gebündelt.

Video:
Das Wetter für Niedersachsen (2 Min)

Bei Lübesse stürzte ein Baum auf das Führerhaus eines Lastwagens.

Gestern Abend und in der Nacht sorgten umgestürzte Bäume und Rettungseinsätze auf Seen für zahlreiche Feuerwehreinsätze.

Eine Frau mit einer Flasche Wasser steht in der heißen Sonne.

Gegenüber dem Vorjahr ist das ein deutlicher Anstieg. Das Land liegt bundesweit aber dennoch unter dem Durchschnitt.

Eine Gießkanne wird mit Wasser gefüllt.

Aufgrund der hohen Temperaturen ist in einigen Kommunen die Entnahme von Trinkwasser beschränkt – etwa zum Rasensprengen.