Besonderes Kinoerlebnis im Ostseebad Boltenhagen: Hier wird am 17. August 2026 der preisgekrönte Dokumentarfilm „Der Wettkampf meines Lebens – Die Geschichte von Axel Mitbauer“ gezeigt. Sowohl der einstige DDR-Schwimmer Mitbauer, der 1969 von Boltenhagen aus in die Freiheit schwamm, als auch Regisseur Antonio La Regina werden vor Ort sein.

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Im Interview mit unserer Zeitung spricht Antonio La Regina über diese spektakuläre Fluchtgeschichte und besonders bewegende Momente bei den Dreharbeiten.

Herr La Regina, wie sind Sie auf diesen Fluchtversuch gestoßen und was hat den Ausschlag gegeben, einen Dokumentarfilm über den DDR-Schwimmer Axel Mitbauer zu drehen?

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Die deutsch-deutsche Geschichte ist mir schon immer sehr nahe gegangen. Es berührt mich bis heute, dass Menschen aus einer Nation durch damalige politische Grenzziehungen getrennt wurden. 2016 stieß ich auf diese spektakuläre Geschichte von einem Schwimm-Profi, der durch die Ostsee in die Freiheit gekrault ist und sich dabei nur an den Sternen orientierte. Als ich das gelesen hatte, war es um mich als Regisseur geschehen.

Regisseur des Films war Antonio La Regina.Bild vergrößern

Regisseur des Films war Antonio La Regina. (Foto: STILKRAFT Film)

Hinzu kommt: Dieser Mann war komplett auf sich allein gestellt. Er nutzte seine in der DDR-Schwimm-Ausbildung erworbenen Fähigkeiten dafür, um sich aus diesem Land zu befreien. Das ist Drama pur.

An welchen Orten entstanden die Szenen für diesen Dokumentarfilm?

Wir haben in der Schweiz, wo Axel Mitbauer heute lebt, sowie sehr viel in Boltenhagen gedreht. Wir waren im ehemaligen Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen, in Leipzig sowie in Österreich und Ungarn, wo am Vorabend des Berliner Mauerfalls 1989 das paneuropäische Picknick stattfand.

In mehreren Ländern fanden die Dreharbeiten für den Dokumentarfilm „Der Wettkampf meines Lebens – Die Geschichte von Axel Mitbauer“ statt, auch an der deutschen Ostseeküste.Bild vergrößern

In mehreren Ländern fanden die Dreharbeiten für den Dokumentarfilm „Der Wettkampf meines Lebens – Die Geschichte von Axel Mitbauer“ statt, auch an der deutschen Ostseeküste. (Foto: STILKRAFT Film)

Hier hatten sich damals Revolutionäre getroffen und es wurde die Grenze geöffnet. In dieser Region konnten wir sehr viele Szenen mit Fahrzeugen drehen.

Worin bestand die größte Herausforderung beim Drehen dieses Dokumentarfilms?

Die Geschichte so authentisch und detailgetreu wie möglich zu erzählen. Axel Mitbauer war daher beim Großteil der Dreharbeiten an der Seite der Regie, um sicherzustellen, dass die Szenen nah an der Realität sind. Er war für mich der Sachverständige aus der DDR.

Weitere Unterstützung gab es an der Ostseeküste von Leuten, die uns DDR-Militärfahrzeuge zur Verfügung stellten. Wo wir auch hinkamen, wir wurden im Osten mit offenen Armen empfangen.

Welche Archive und Institutionen standen Ihnen für die Recherche offen und wo stießen Sie auf eine Mauer des Schweigens?

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Wir haben zum Beispiel mit der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen sehr gut zusammengearbeitet. Der Großteil der Recherche lag wiederum in meinen Händen. Dazu zählte auch, dass die Fakten in diesem Dokumentarfilm geprüft und eine Vielzahl an Stasi-Akten gesichtet wurden. Gemauert hatte anfangs nur ein Oberst der Staatssicherheit, aber dieses Eis konnte ich brechen. Denn es war uns wichtig, auch die Gegenseite zu Wort kommen zu lassen.

Was hat Sie in den Gesprächen mit Zeitzeugen und während der Recherche am meisten beeindruckt?

Für mich ist es immer etwas Besonderes, wenn Menschen ihr Herz öffnen, Klartext reden und ihre Verletzlichkeit nicht verbergen. So wie es auch Matthias Pechmann, ein zweiter Protagonist dieses Films, tat.

In dem Film kommt auch Matthias Pechmann vor, der vom Schwimmstar zum Stasi-Opfer wurde.Bild vergrößern

In dem Film kommt auch Matthias Pechmann vor, der vom Schwimmstar zum Stasi-Opfer wurde. (Foto: STILKRAFT Film)

Er war auch ein DDR-Schwimmer und wurde jahrzehntelang von seinem besten Freund beschattet – vor der Kamera brach er in Tränen aus.

Was war für Sie der bewegendste Moment hinter der Kamera?

Die Schilderungen Axel Mitbauers, als er an Bord eines Schiffes geholt und versorgt wurde. Als er das Schiff in der BRD damals verließ, erhielt er von einer Frau ein Kuvert mit 500 D-Mark. Menschen an Bord hatten Geld für ihn gesammelt. Am Drehset herrschte absolute Stille, als er diese Situation am Ziel seiner Flucht beschrieb und so wie 1969 erneut weinen musste.

Wie konnte Axel Mitbauer damals seine Beschatter abschütteln?

Er ist bei Schwerin aus einem Zug gesprungen. Per Anhalter hat er sich weiter bis nach Boltenhagen bewegt. Im Küstenstreifen dieses Ostseebades verharrte er etwa zwei Wochen, um Muster in der Patrouillenbewegung der damaligen Grenzbrigade Küste zu erkennen.

In dem Film wird auch erzählt, wie Axel Mitbauer versuchte, ein mögliches Zeitfenster für seine Flucht auszumachen. Bild vergrößern

In dem Film wird auch erzählt, wie Axel Mitbauer versuchte, ein mögliches Zeitfenster für seine Flucht auszumachen. (Foto: STILKRAFT Film)

Axel Mitbauer suchte nach einer Möglichkeit, um von Scheinwerfern unentdeckt losschwimmen zu können. Er machte ein Zeitfenster von einer Minute aus, um in die Ostsee zu stürmen, so weit wie möglich zu tauchen und zu schwimmen. Er musste in möglichst kurzer Zeit Strecke machen, um aus den Bereichen der Scheinwerferkegel zu gelangen.

Welche Folgen hatte damals diese Flucht?

Axel Mitbauer wurde am 18. August 1969 gegen 7.50 Uhr dem Bundesgrenzschutz der BRD in Lübeck übergeben. Bereits 15 bis 20 Minuten später wurde seine Mutter in Leipzig verhaftet. Sie verlor ihren Arbeitsplatz in der DDR, da sie sich weigerte, eine Erklärung zu unterschreiben, nie einen Sohn besessen zu haben.

Abgesehen davon wurden nach dem geglückten Fluchtversuch ihres Sohnes die gesamten Sicherheitsmaßnahmen verstärkt. Einen weiteren erniedrigenden Schlag ins Gesicht der SED sollte es nicht geben. Aus Stasi-Quellen und Gesprächen mit ehemaligen Stasi-Leuten weiß ich, dass danach der Sicherheitsapparat vor allem an der Ostsee massiv ausgebaut wurde.

Sie werden bei der Filmvorführung am 17. August 2026 mit Axel Mitbauer in Boltenhagen sein. Worauf freuen Sie sich am meisten?

Für mich ist es nach wie vor faszinierend, mit den Menschen in Boltenhagen zu sprechen, mich mit ehemaligen Bürgern der DDR auszutauschen und ihnen meine Empfindungen für die deutsche Nation, so wie sie einst war und heute ist, zu vermitteln.

Der Film ist nicht dafür da, die DDR zu verurteilen, die Heimatgefühle der Menschen zu verletzen oder ihre Lebensleistungen zu schmälern. Der Film soll eher dabei helfen, Vergangenes neu zu reflektieren und auf eine positive Art und Weise zu bewältigen. Es wird in dieser Dokumentation aber auch nichts beschönigt.

Lassen Sie mich aber auch dies erwähnen: Ich komme auch deshalb nach Boltenhagen, weil ich ein vereintes Europa und das wiedervereinigte Deutschland liebe.

An welchem neuen Filmprojekt arbeiten Sie aktuell?

Momentan arbeiten wir an einer Liebesgeschichte im Süden Italiens, und die hat überhaupt nichts mit der ehemaligen DDR zu tun. Filmtechnisch ist das DDR-Kapitel für mich vorerst abgeschlossen. Denn ich muss etwas Abstand gewinnen.

Wie meinen Sie das?

Es macht etwas mit einem, wenn ein Mensch bei Dreharbeiten anfängt zu weinen. Ich sah die Schattenseiten der DDR in Form dieser Tränen vor laufender Kamera und später im Schnitt ein weiteres Mal. Mehrfach musste ich bei der Arbeit Pausen einlegen, weil es zu heftiger Tobak war

ServiceHier gibt es Karten für den Filmabend mit Axel Mitbauer und Regisseur Antonio La Regina in Boltenhagen

Kaum ein Datum könnte symbolträchtiger sein: Gemeinsam mit dem Regisseur haben die Kurverwaltung Boltenhagen, der Bürgermeister, die Evangelische Kirche und der Wirtschaftsstammtisch ganz bewusst den 17. August für diese besondere Filmvorführung gewählt. Genau an diesem Tag im Jahr 1969 verabschiedete sich Axel Mitbauer in Boltenhagen von seiner Mutter. Ein Abschied voller Hoffnung, Angst und Ungewissheit.

Wenige Augenblicke später begann sein mutiger Weg in die Freiheit. Was folgte, war kein sportlicher Wettkampf, sondern ein Kampf gegen Angst, Erschöpfung und die Grenzen des menschlich Möglichen. Ein Kampf um Freiheit, Hoffnung und das eigene Leben.

Karten für die Filmvorführung am 17. August ab 19 Uhr im Festsaal des Ostseebades Boltenhagen gibt es schon jetzt für 15 Euro in der Touristinformation der Kurverwaltung. Nach der Filmvorführung wird es ein Publikumsgespräch geben. Vor Ort werden Axel Mitbauer und Regisseur Antonio La Regina sein.

Bereits ab 15 Uhr lädt am 17. August 2026 eine begleitende Ausstellung „Über das Meer in die Freiheit“ vor und in der Kirche auf der Paulshöhe in Boltenhagen dazu ein, sich anhand vielfältiger Informationen mit dem Thema auseinanderzusetzen. Die Ausstellung wird für Interessierte bis Ende August geöffnet sein.