Die geplante 380-Kilovolt-Netzverstärkung zwischen Hattingen und Ronsdorf-Linde ist seit Bekanntgabe der Pläne ein Streitthema zwischen dem umsetzenden Unternehmen Amprion und dem Bürgerverein Energievernunft Schwelm, der sich für die Interessen der Anwohnerinnen und Anwohner engagiert (die WZ berichtete). Doch worauf müssen sich speziell die Menschen in Ronsdorf einstellen?
Zwischen den Umspannanlagen Hattingen und Linde soll eine 380-Kilovolt-Leitung in der bestehenden 220-Kilovolt-Trasse errichtet werden. Derzeit wird diese in 110 kV betrieben, um Strom aus erneuerbaren Energiequellen schnell und effizient von den Offshore-Windparks in der Nordsee, über Erdkabel gute 300 Kilometer bis nach Nordrhein-Westfalen zu transportieren. Matthias Machinek, Projektsprecher bei Amprion, erklärt den Vorgang. „Weil wir durch die Energiewende Kraftwerke abschalten, muss der Strom natürlich woanders herkommen. Wir haben vom Gesetzgeber den Auftrag, erst einmal in allen vorhandenen Stromtrassen zu bleiben. Das heißt, wir gucken erst einmal, wo wir etwas umsetzen können, das bereits vorhanden ist.”
So weit, so nachvollziehbar. Doch worauf müssen sich die Anwohnerinnen und Anwohner in Ronsdorf einstellen, wenn die Stromtrasse ab dem Jahr 2030 gebaut wird? Machinek und sein Team geben Auskunft über den aktuellen Stand der Planungen. „Der Bereich Ronsdorf gehört zum ersten der zwei geplanten Bauabschnitte. Dieser erste Bauabschnitt liegt zwischen der vorhandenen Umspannanlage Linde in Wuppertal-Ronsdorf und der geplanten Umspannanlage Linderhausen im Norden Schwelms. Nach derzeitiger Planung sollen die Bauarbeiten ab 2030 starten. Der erste Bauabschnitt wird vermutlich – ebenso wie der zweite – zwei bis drei Jahre in Anspruch nehmen, sodass die Gesamtmaßnahme voraussichtlich 2035 mit Inbetriebnahme abgeschlossen werden kann. Für den Bau der geplanten 380-kV-Freileitung muss zunächst die Bestandsleitung demontiert werden. Zur Demontage gehört die Entnahme der Leiterseile von den Masten, der Rückbau der Maste sowie ein teilweiser Rückbau der Mastfundamente, sodass es hier zu einer Entsiegelung kommt. Im Bereich Ronsdorf werden, wie im gesamten Bauvorhaben, Maste demontiert sowie neu gebaut. Der Mastneubau erfolgt durch die Errichtung eines Fundaments, der Maststockung sowie dem abschließenden Seilzug zur Auflage der neuen Leiterseile. Eine Versiegelung erfolgt automatisch durch das Anlegen von Mastfundamenten. Wie viel Fläche dauerhaft versiegelt wird, hängt grundsätzlich von der Fundamentart der Neubaumaste ab. Die jeweils benötigte Fundamentart ist zum heutigen Zeitpunkt nicht festgelegt. Daher ist eine Angabe des Umfangs einer dauerhaften Flächenversiegelung zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich. Für alle Bauarbeiten werden temporäre Baueinrichtungsflächen für Arbeitsgerätschaften und Arbeitsmaterial sowie – wo notwendig – temporäre Zuwegungen benötigt.”
Amprion im Austausch mit dem Bürgerverein Energievernunft
Über die exakte Länge der Umbauarbeiten könne Stand jetzt keine seriöse Einschätzung abgegeben werden. Informiert wird auch regelmäßig der Bürgerverein Energievernunft Schwelm: „Wir stehen im Austausch mit dem Bürgerverein. Zuletzt haben wir im Juni dieses Jahres Fragen des Bürgervereins rund um das Projekt beantwortet.” Die Antragstellung ist indes weiterhin für das zweite Halbjahr 2027 geplant.