Tausende Migranten aus Nordafrika haben nach Angaben aus Polizeikreisen in der Nacht zum Freitag die Grenze zwischen Marokko und der spanischen Exklave Ceuta in Nordafrika überquert. Es sei nicht möglich, die genaue Anzahl zu ermitteln, erfuhr die Nachrichtenagentur „AFP“ aus Polizeikreisen. Insgesamt 18 Migranten seien beim Versuch, Ceuta zu erreichen, ums Leben gekommen.

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Nach offiziellen Behördenangaben erreichten in den vergangenen Tagen rund 1500 bis 2000 Migranten die spanische Exklave. Nach ersten Schätzungen spanischer Sicherheitsbehörden könnte die tatsächliche Zahl der Menschen, die die Grenze überquerten, jedoch deutlich höher liegen: Spanische Medien berichten von mehr als 40.000, teils sogar rund 50.000 Personen.

Auf der marokkanischen Seite der Grenze herrschte in der Stadt Fnideq (auch Castillejos genannt) zeitweise Chaos. Tausende Afrikaner – überwiegend junge Erwachsene, aber auch Familien mit Babys – sollen laut „Euronews“ in Richtung Küste geströmt sein. Viele hätten zuvor in der Medina Schwimmhilfen gekauft, bevor sie versucht hätten, die Küste von Ceuta schwimmend zu erreichen.

Ceuta liegt nur wenige Kilometer von der marokkanischen Küste entfernt und ist neben Melilla eine der beiden spanischen Exklaven in Nordafrika. Für viele Migranten gilt der Zugang zu den beiden Gebieten als möglicher Weg in die Europäische Union.

Militär ist zur Unterstützung vor Ort

In der Nacht zum Freitag verbrachten nach Angaben einer Reporterin der Zeitung „El País“ Hunderte junge Migranten die Nacht auf den Straßen von Ceuta. Viele von ihnen hätten nur wenig Kleidung getragen.

Migranten verbringen die Nacht auf der Straße, nachdem sie von Marokko aus in die spanische Exklave Ceuta eingereist sind.Bild vergrößern

Migranten verbringen die Nacht auf der Straße, nachdem sie von Marokko aus in die spanische Exklave Ceuta eingereist sind. (Foto: Antonio Sempere/AP/dpa)

Angesichts des Ausmaßes der Lage ordnete die spanische Regierung Unterstützung durch das Militär an. Die Soldaten sollen die Guardia Civil bei der Bewältigung der Situation unterstützen. Zusätzlich wurden die Sicherheitskräfte verstärkt.

Der aktuelle Ansturm fällt zeitlich mit einer politischen Debatte in Spanien zusammen. Hintergrund ist eine Entscheidung des spanischen Obersten Gerichtshofs von Anfang Juli. Das Gericht hatte entschieden, dass Migranten, die Ceuta oder Melilla auf dem Seeweg erreichen, nicht ohne individuelles Verfahren zurückgewiesen werden dürfen. Die spanische Regierung sieht darin einen möglichen Faktor für die aktuelle Entwicklung.

Hunderte Menschen stürmen auch die zweite Exklave

Auch die zweite Exklave Melilla erlebt einen Ansturm. Etwa 400 Menschen seien über zwei Grenzübergänge von Marokko aus auf dem Landweg und über einen Damm im Süden der Stadt in das Gebiet gelangt, sagte der Präsident der autonomen Stadt, Juan José Imbroda, dem Radiosender Cope am Donnerstagabend. Die Sicherheitskräfte hätten die Lage unter Kontrolle gehalten.

Schätzungen zufolge kamen innerhalb weniger Tage mehr als 10.000 Menschen überwiegend schwimmend nach Ceuta.Bild vergrößern

Schätzungen zufolge kamen innerhalb weniger Tage mehr als 10.000 Menschen überwiegend schwimmend nach Ceuta. (Foto: Antonio Sempere/AP/dpa)

Die Bilder aus Ceuta erinnern an die dramatischen Ereignisse vor fünf Jahren: Im Mai 2021 gelangten innerhalb von rund 36 Stunden mehr als 8000 Menschen von Marokko aus in die spanische Exklave. Damals war die Grenzstadt wegen des massiven Andrangs zeitweise überfordert.