Erst kürzlich hat die Stadt eine große Buche auf dem Kinderspielplatz auf der Hardt gefällt. Am Rathaus Barmen fielen die jahrzehntealten Bäume Anfang des Jahres ebenfalls der Kettensäge zum Opfer. Damit reihen sie sich in eine ganze Reihe von Fällungen ein.
„Bisher mussten circa 415 Bäume im Stadtgebiet Wuppertal gefällt werden“, erklärt Stadtsprecherin Kathrin Petersen, die sich auf Informationen des Ressorts Grünflächen und Forsten bezieht. Etwa 315 Fällungen entfallen auf Grünanlagen, auf Grundstücken des Gebäudemanagements Wuppertal und Kinderspielplätze, etwa 100 Fällungen entfallen auf Einzelbäume und begleitendes Grün an den Straßen. „In den Grünanlagen sind besonders Buchen und Eschen betroffen“, so Petersen. Bei den Straßenbäumen werden mehrheitlich Robinien, Ahorn, Eschen und Rotdorn gefällt. Im Vergleich: Im Jahr 2018 mussten im Laufe des Jahres lediglich 177 Bäume gefällt werden, im Jahr 2023 waren es schon 1264 Bäume.
Die veränderten klimatischen Bedingungen spielten eine große Rolle in Bezug darauf, weshalb überhaupt so viele Bäume gefällt werden müssen. „In den Grünanlagen sind häufig holzzersetzende Pilze und Trockenschäden Grund für eine Fällung“, so Petersen. Buchen seien beispielsweise durch Hitze und anhaltende Trockenheit stark geschwächt. Petersen: „Holzzersetzende Pilze, die über die Wurzel in den Baum eindringen, haben dann leichtes Spiel.“ Auch Eschen leiden stark an Pilzbefall. Sie sind durch das sogenannte „Eschentriebsterben“ stark geschwächt. Dabei siedeln sich Pilze im Wurzelraum an, die die Standsicherheit einschränken.
Bei den Straßenbäumen gebe es viele verschiedene Gründe für Fällungen. Auch hier seien häufig holzzersetzende Pilze der Grund für die Fällung. „Aber auch die Beschaffenheit der Standorte und die starke Hitzeentwicklung durch direkte Sonneneinstrahlung sind oftmals ursächlich für den Ausfall von Bäumen“, so Petersen.
Fällung eines Baums ist für
die Stadt das letzte Mittel
Allerdings fällt die Stadt nicht sofort, sobald ein Baum krank oder geschwächt ist. „Die Fällung eines Baums ist immer das letzte Mittel der Wahl“, betont Petersen. „Bis dahin wird oftmals über viele Jahre daran gearbeitet, die Bäume durch gezielte Pflegemaßnahmen zu erhalten.“ Hierzu zählen Einkürzungen von Kronenteilen, Einbau von Kronensicherungen oder Verbesserung von Baumstandorten in der Straße durch bauliche Maßnahmen. Ein aktuelles Beispiel ist der Schnitt der Baumkronen auf dem Parkplatz des Rathauses. Bei vielen Bäumen würden auch externe gutachterliche Meinungen eingeholt, um Sanierungs- und Erhaltungskonzepte zu erstellen.
Baumfällungen gibt es überall im Stadtgebiet. In den vergangenen Jahren war vor allem der Bereich Uellendahl/Katernberg besonders betroffen und dort besonders der Mirker Hain, der Kaiser-Wilhelm Hain und die Grünanlage Auf der Nüll. Das hänge mit der topografischen Lage und der starken Sonneneinstrahlung zusammen. Dort sind vor allem Buchen stark geschädigt und abgestorben. Bei den Straßenbäumen gibt es keinen besonderen Schwerpunkt.
Kathrin Petersen unterstreicht: „Grundsätzlich versucht die Stadt, alle gefällten Bäume zu ersetzen.“ An Straßen seien dafür immer Abstimmungen innerhalb der Verwaltung, mit den Wuppertaler Stadtwerken und anderen Leitungsträgern erforderlich. Da im Untergrund viele Leitungen, Bauwerke und archäologische Belange berücksichtigt werden müssen, könnten nicht alle Bäume eins zu eins ersetzt werden. „Bei Nachpflanzungen wird auch der Standort verbessert, zum Beispiel durch Vergrößerung der Baumgrube“, so Petersen. „Auch werden Bäume ausgewählt, die besser mit dem zukünftig zu erwartenden Klima zurechtkommen.“
Im Bereich von Grünanlagen und im Besonderen bei dichten Baumbeständen habe man in der Vergangenheit vor allem auf Naturverjüngung – also Jungbäume aus Sämlingen der Altbäume – gesetzt. Inzwischen werden auch hier durch gezielte Nachpflanzungen zukunftsfähige Baumarten gefördert.
Da in den vergangenen fünf bis sechs Jahren die Zahl der zu fällenden Bäume stark zugenommen hat, konnten die Nachpflanzungen nicht zeitnah erfolgen. „Hier gibt es aktuell noch ein großes Defizit, das aufgearbeitet werden muss“, so Petersen. Um die Nachpflanzungen und die Entwicklung des Baumbestandes künftig strategisch zu steuern, wird ein Stadtbaumkonzept erarbeitet. Dieses sieht die Pflanzung neuer Bäume im Stadtgebiet vor und soll dazu beitragen, den Bestand langfristig zu sichern, Defizite bei Nachpflanzungen abzubauen und die Anpassung des Stadtgrüns an die Folgen des Klimawandels voranzutreiben.