Einer der ältesten und traditionsreichsten Fußballklubs Deutschlands geriert sich aktuell wie ein Start-Up – und entfacht riesige Euphorie in seinem Heimatviertel. Die Löwen wagen nach dem Zwangsabstieg in die Regionalliga und der Trennung von Investor Hasan Ismaik einen echten Neuanfang: Mit neuem Logo, einem komplett neuen Ausrüster – und Mietspielern vom alten Klub.
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Wer am Mittwochnachmittag zufällig im Münchner Stadtteil Giesing am Wettersteinplatz aus der U-Bahn gestiegen ist und mit bestimmten Eigenheiten dieses auf gewisse Weise münchchnerischsten und gerade deswegen ungewöhnlichsten Stadtteils der bayerischen Landeshauptstadt nicht so vertraut ist, muss sich vorgekommen sein wie im falschen Film oder in der falschen Zeit.
An einem stinknormalen, brüllend heißen Mittwochnachmittag standen da sehr viele Fußballfans auf der Straße und skandierten lauthals „Hier regiert der TSV! Hier regiert der TSV!“ Und auch: „Hurra! Hurra! Die Löwen, die sind da!“
So ging das minutenlang, ehe die Menschenmasse, ein euphorisierter Lindwurm aus Fußballfans, brüllend, klatschend und singend zum Trainingsgelände der Münchner Löwen rund zwei Kilometer südlich marschierte.
Ja, ist denn noch WM? In einem Land, in dem Fußball den Menschen wirklich wichtig ist? Oder vielleicht doch nur das Abschlusstraining der neuformierten Mannschaft des TSV 1860 München vor dem ersten Spieltag in der Regionalliga Bayern beim 1. FC Schweinfurt 05 am Samstag (14 Uhr, der Bayerische Rundfunk überträgt die Viertligapartie live)?
1860 München ist zum zweiten Mal in neun Jahren ins Amateurlager gestürzt
Es liegen mal wieder turbulente Wochen hinter dem anderen (und älteren) großen Münchner Fußballverein. Seit Investor Hasan Ismaik eine vorher schriftlich zugesicherte Darlehenszahlung zurückzog und Verein und Investor sich in der Folge nicht mehr einigen konnten, wurden die Löwen am 3. Juni zwangsversetzt in die vierte Liga. Zum zweiten Mal nach 2017, auch damals weigerte sich der Investor zu zahlen, muss 1860 wieder in der obersten Amateurliga ran.
Im Gegenzug zu damals entschied sich der Verein aber nun für einen völligen Neuanfang. Ohne Ismaik. Ohne die gemeinsam betriebene Spielbetriebs-KGaA. Das Motto lautet: Freiheit für Sechzig!
Das Präsidium kündigte nach dem Zwangsabstieg den Kooperationsvertrag mit Ismaik und dessen Firmen. 15 Jahre nach dem Einstieg des ersten arabischen Investors bei einem deutschen Profiverein – damals noch bei einem hochverschuldeten Zweitligisten, der unbedingt wieder in die Bundesliga wollte – endete so ein Zusammenschluss, das vom ersten Tag an ein riesiges Missverständnis gewesen war. Für beide Seiten. Ismaik butterte insgesamt zwischen 80 und 90 Millionen Euro rein und wunderte sich, wieso er deswegen nicht von allen gefeiert wurde und wieso er nicht das alleinige Sagen hatte. Und die Vereinsverantwortlichen waren praktisch vom ersten Tag an damit beschäftigt, die irrsten von vielen verrückten Ideen zu verhindern: Sven-Göran Eriksson als Trainer in der Zweiten Liga? Neues Stadion am Stadtrand samt Löwengehege? Die Löwen als Durchlauferhitzer für Talente aus aller Herren Länder, deren Transferrechte auch bei dubiosen Investmentfirmen lagen? Es gab nichts, was es in den vergangenen 15 Jahren nicht gab bei 1860 München. Außer eben: nachhaltiger sportlicher Erfolg.
IMAGODie Fans saufen für 1860 und sind nun sogar Rückensponsor
Am 23. Juni stellte die alte KGaA einen Antrag auf Insolvenz, das Spielrecht für die Regionalliga und die Bayernliga, in der die Zweitverwertung antritt, lag da längst beim Verein. Ismaik prüft rechtliche Schritte, einstweilen veröffentlicht er aber regelmäßig recht verwirrende Posts auf Instagram, in denen er fordert, die richtigen Fragen zu stellen.
In Giesing aber herrscht Aufbruchstimmung, Euphorie gar. Die Löwen, sonst gerne bereit, sich auch wegen Kleinigkeiten in die Haare zu kriegen, sind zusammengerückt. Die Stüberl rund um das Grünwalder Stadion sind voll, es gibt kaum andere Themen als 1860, auch ein paar neue Aufkleber scheinen dazugekommen zu sein an den Ampeln und Verkehrsschildern. Und bald wird auch das Grünwalder Stadion wieder voll sein. 1860 München lebt, das Gebrüll des Löwen ist kräftiger denn je. Auch wenn die Spieler den Löwen vorerst nicht mehr auf der Brust tragen dürfen. Aber dazu später mehr.
Von Löwenfans wird gerne behauptet, sie seien leidensfähig. Da schwingt Bewunderung mit, aber eben auch ein wenig Mitleid mit den armen Irren. Und natürlich ist da etwas dran, der langjährige Stadionsprecher Stefan Schneider prägte einst den legendären Satz: „Manche gehen zur Domina, ich gehe zu Sechzig“. Man muss auch wirklich etwas aushalten können als Löwe.
Doch was sich in den letzten Wochen in Giesing abspielt, das hat recht wenig zu tun mit einem Trauerspiel. Mehr als 2000 neue Mitglieder sind in den vergangenen Wochen dem Verein beigetreten, die nun mehr als 29.000 Mitglieder sind ein neuer Vereinsrekord. Einige Giesinger Wirte kündigten an, unter dem inoffiziellen Motto „Saufen für Sechzig“” (das offizielle hieß „Giesing hält zam“) 60 Prozent ihrer Tagesumsätze an einem Samstag an den Verein zu spenden. Natürlich kamen und soffen die Fans in Scharen: Fast 42.000 Euro übergaben die Wirte dem Verein.
Gar 341.000 Euro kamen bisher auf der Crowdfunding-Plattform GoFundMe zusammen bei der Aktion „Football for the People” – damit haben sich die Fans den Platz als Rückensponsor für die Saison gesichert. Und auch der Dauerkartenverkauf brummt: Innerhalb von nur eineinhalb Tagen sicherten sich 7000 Anhänger eine – für die vierte Liga gar nicht mal so günstige (mindestens 359 Euro) – Dauerkarte. Und das, obwohl die meisten vorher bereits eine noch teurere und durch der Insolvenzantrag nun wertlose Dauerkarte für die Dritte Liga reserviert und bezahlt hatten; das Geld werden die Fans höchstwahrscheinlich abschreiben müssen. Das sorgte natürlich nicht für Begeisterungsstürme, aber der Aufschrei darüber hält sich auch in Grenzen.
Natürlich gibt es Fans, die schimpfen, aber die neuen Löwen machen erstaunlich viel richtig
Das ist ein enormer Vertrauensvorschuss für die Vereinsführung um Präsident Gernot Mang, dem nach eigenen Bekunden Tränen in die Augen schossen, als am Mittwoch mehr als 1000 Fans beim Abschlusstraining waren. Und tatsächlich: eine größere Bestätigung für den eingeschlagenen Kurs, den Mang als „Befreiungskampf“ bezeichnet, kann man sich einstweilen wohl auch nicht vorstellen.
Im Gegensatz zu Ismaik scheinen nicht allzu viele Sechzger die Vertreter des Stammvereins verantwortlich zu machen für die Pleite der alten Löwen. Und die meisten sehen, dass die Bosse um Mang in den vergangenen Wochen nicht nur sehr viel, sondern auch sehr viel richtig gemacht haben. Die „Start-up-Löwen“ (Mang) nehmen die Fans mit und kommunizieren so transparent wie nie.
Und das Beste bei so einem Neuanfang: Es gibt richtig viel – und auch richtig viel Gutes und Schönes – zu verkünden. Man kann gerade dabei zuschauen, wie ein Verein sich gerade neu erfindet – und das macht mächtig viel Spaß. Natürlich gibt es Fans, die schimpfen. Natürlich gibt es Anhänger, die der Meinung sind, dass beide Seiten Schuld tragen am Niedergang und natürlich haben sie recht. Nur: Was bringt diese Erkenntnis jetzt noch?
Sah es noch vor zwei Wochen so aus, als ob 1860 mit einer reinen Amateurmannschaft (wenn überhaupt) an den Start gehen müsste in der Regionalliga, wurde nun in Rekordzeit ein Kader zusammengestellt, der durchaus ambitioniert erscheint. Zwar entschied sich Stürmer und Ex-Nationalspieler Kevin Volland schon recht früh, seine Profikarriere zu beenden und künftig in der Bezirksliga bei seinem Kindheitsverein TSV Thalhofen zu kicken, dafür gibt nun Florian Niederlechner nach einer eher enttäuschenden und verletzungsreichen Drittligasaison den Sascha Mölders der 2020er-Jahre.
Der erste Spieler der neuen Löwen war mit Tunay Deniz auch einer, der sich bewusst entschieden hat, zu bleiben und beim Neuanfang dabei zu sein: Der Mittelfeldspieler fehlte den Großteil der vergangenen Saison verletzt, gehört aber grundsätzlich zu den besseren Drittligaspielern. Dazu kommen die Rückkehrer Julian Bell (von Chemie Leipzig), Dennis Dressel (aus Ulm) und Felix Weber (aus Vilzing). Torwart Vitus Eicher, schon zu Zweitligazeiten bei 1860, unterbrach sogar seine Karriere als Torwarttrainer beim FC Heidenheim, um wieder Fußball bei den Löwen zu spielen. Weitere prominente Namen im Kader: Noah Klose (21, bisher bei 1860 II), Sohn des 2014er-Weltmeisters und Nürnberg-Trainer Miroslav Klose, spielt im Sturm. Mathew Collins, Sohn der Musiker-Legende Phil Collins, kommt fürs Mittelfeld von Austria Salzburg.
IMAGOTeilweise zahlt die Agentur für Arbeit die Gehälter von Spielern von 1860 München
Doch natürlich garantieren romantische Geschichten wie diese allein keinen Erfolg, sie stellen noch nicht mal eine ganze Elf auf. Aufgefüllt wird der Kader daher noch mit Mietspielern von der alten KGaA. Richtig gelesen: Die neuen Löwen zahlen der alten Gesellschaft, und damit auch Ismaik, für eine begrenzte Zeit noch Geld, um die Infrastruktur und die Ressourcen des alten Klubs zu nutzen.
So können die Löwen beispielsweise weiter das Trainingsgelände an der Grünwalder Straße benutzen. Aber eben auch die Mitarbeitenden. Pressesprecher, Physiotherapeuten, Bürokräfte etc. werden also von der KGaA gemietet. Bezahlt werden sie einstweilen von der Agentur für Arbeit – sie erhalten Insolvenzgeld. Das gleiche gilt für Spieler, die der vorläufige Insolvenzverwalter noch nicht zu anderen Klubs transferiert hat oder die (noch) keinen Vertrag mit den neuen Löwen abgeschlossen haben. Sie gehören also weiter zum Ismaik-Konstrukt, erhalten Insolvenzgeld und werden an die neuen Löwen vermietet. Mit den Einnahmen können nach der höchstwahrscheinlichen Liquidierung der KGaA – ohne Spielrecht fehlt ihr ja die Geschäftsgrundlage – Gläubiger bezahlt werden. Etwa die Fans, die nun doppelt für Dauerkarten bezahlt haben.
Ob Trainer Alper Kayabunar (bisher Coach der erfolgreichen Zweitvertretung, in der letzten Saison gewann man die Bayernliga) mit dieser eilig zusammengestellten Mannschaft sofort aufsteigen kann, wird sich zeigen. Ein Muss ist es nicht. Denn auch das ist neu bei den neuen Löwen. Man möchte realistisch bleiben und Träume nicht auf Pump finanzieren. Zwar wolle man „natürlich so schnell es geht wieder nach oben“, sagt Mang. Aber den Aufstieg als Ziel aufrufen wolle er nicht. Stattdessen solle sich die Mannschaft in der neuen Liga erst mal finden.
IMAGOWieso hat 1860 München ein neues Logo?
Gewöhnen muss man sich auf jeden Fall an den neuen Auftritt der Löwen. Denn da ist ja noch die Sache mit dem Löwen. Den tragen die Sechzger erst einmal nur noch im Herzen und nicht mehr auf der Brust. Da die Vermarktungsrechte am ikonischen Wappen bei der KGaA liegen, die sie bis 2031 an die Ismaik gehörende 1860-Fanartikel-GmbH lizenziert hat, verzichten die neuen Löwen sicherheitshalber darauf, ihr Wappen zu verwenden. Zwar gehören die Markenrechte und somit auch der Löwe dem Verein, aber vermarkten darf er ihn eben nicht.
Und statt einen neuen Löwen zu entwerfen, der irgendwie gleich, aber doch anders ist, oder einen alten Löwen zu verwenden, den man schon mal benutzt hat, laufen die Sechzger jetzt eben mit einem ovalen Wappen mit dem lilafarbenem Schriftzug FA 1860 auf. Es ist das Logo der Fußballabteilung, das bereits 1919 eingeführt wurde. Dass die Löwen ohne Löwen außerhalb des Löwen-Kosmos in den vergangen Wochen für Spott und Mitleid gesorgt haben, ist naheliegend und klar. Und auch Mang gibt zu, dass ihm der Löwe fehle. Tatsächlich ist das neue Wappen in der Fanszene aber durchaus seit Jahren eingeführt und war auch schon auf selbstproduzierter Fankleidung und auf Fahnen zu sehen.
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Spätestens 2031 kehrt der Löwe wieder zurück auf die Brust, womöglich aber auch früher – denn: sollte die KGaA nach einem Insolvenzverfahren liquidiert werden, wo wäre dann noch die Geschäftsgrundlage für die Fanartikel-GmbH. Schon jetzt ist der „offizielle Löwenfanshop“ nicht mehr viel mehr als eine Modeboutique, die unter anderem Trikots verkauft, die zwar den Löwen auf der Brust haben, aber die keine Mannschaft in einem Spiel jemals tragen werden. Mit einem Sponsor vorne drauf, der längst seinen Abschied bekanntgegeben hat. Nach zehn Jahren hat sich Versicherer „Die Bayerische“ verabschiedet.
IMAGODer neue Hauptsponsor macht sich den Freiheitsruf zu eigen – dessen Logo ist aber Rot
Der Hauptsponsor der neuen Löwen ist auch eine Versicherung, die sich sogar entschieden hat, sich das Motto der neuen Löwen zu eigen zu machen: „Freiheit für 1860 – unterstützt durch Dialog“, prangte bei der Vorstellung des neuen Partners auf den Werbetafeln. Angesichts dieses Bekenntnisses zum eingeschlagenen Weg ging sogar ein wenig unter, dass der Schriftzug des neuen Sponsors in der Farbe der „Seitenstraßler“ gehalten ist. Immerhin ist das Rot von Dialog ein wenig anders als das vom FC Bayern München.
Für die Designer des neuen Trikots dürfte es sicher die letzte große Herausforderung gewesen sein, den neuen Sponsor stimmig in die ansonsten sehr klassisch daherkommenden weiß-blau gestreiften Leiberl zu integrieren.
Wer rüstet die Löwen künftig aus?
Bei den Trikots setzten die neuen Löwen übrigens auf ein Start-Up. Die Münchner Marke Societas stattet 1860 in den kommenden drei Jahren aus. Gründer von Societas ist der Münchner Designer Mirko Borsche, der mit dafür verantwortlich ist, dass Trikots in den vergangenen Jahren auch außerhalb der Fanszene zu Fashion Pieces wurden. Borsche zeichnete jahrelang die Kult-Trikots des FC Venedig, auch das jetzt schon ikonische Champions-League-Trikot des FC Bayern aus der Saison 2024/2025 stammt aus seinem BureauBorsche. Außerdem gestaltete Borsche unter anderem das neue Logo von Inter Mailand und verhalf auch dem VfB Stuttgart und zuletzt Werder Bremen zu einem neuen Markenauftritt. Das Besondere an Borsche: Er scheint ein Händchen dafür zu haben, sowohl Traditionalisten und Modernisten, Ultras und Lifestyle-Fans, Bayern und Löwen abzuholen.
Die minimalistischen Designs seines Teams treffen auf jeden Fall einen Zeitgeist, auch für 1860 war der Designer, ein geborener Münchner, aber schon immer unter dem roten Himmel der Stadt zu Hause, bereits tätig: Societas gestaltete und produzierte im vergangenen Jahr zwei Trikots für den TSV München von 1860 e.V., die beide im Nu ausverkauft waren. Als Ausstatter tätig war die Brand aber noch nicht, 1860 ist der erste Kunde.
Ob der Ausrüster den erwartbaren Ansturm der Löwenfans handhaben kann, wird sich zeigen. Genauso ob auch die anderen schönen Pläne der neuen Löwen aufgehen werden.
Weil: Einige grundsätzlichen Probleme des TSV 1860 sind ja nicht verschwunden, nur weil man einen kompletten Neuanfang wagt. Profifußball in München ist und bleibt teurer als anderswo. Auch bei den alten Löwen haben viele Spieler in der Dritten Liga keine üppigen Gehälter kassiert, dennoch reichte der Etat trotz weit überdurchschnittlicher Sponsoreneinnahmen bei Weitem nicht aus. Da hat Hasan Ismaik ja einen Punkt, auch wenn das, anders als er es den Verantwortlichen vorwirft, nicht unbedingt etwas mit schlechtem Management oder verantwortungslosen Umgang mit fremden Geld zu tun hat.
Wieso hat 1860 eigentlich jahrelang über seine Verhältnisse gelebt?
Allein die Stadionmiete ist deutlich teuer als anderswo, zudem lässt sich das bei den Fans zu Recht geliebte Grünwalder Stadion bei Weitem nicht so vermarkten wie modernere Arenen. Stichwort: Fehlende VIP-Logen. Doch auch „weichere“ Faktoren spielen hier eine Rolle. München ist die mit Abstand teuerste Stadt Deutschlands, die Kosten für Mitarbeitende, Betreuer, Trainer, Physios etc. sind höher als anderswo. Das gilt auch für Mieten, nicht nur für Wohnungen, sondern auch für das Trainingsgelände. Auch das NLZ, so ausgezeichnet es auch ist, mag finanziert werden.
1860 benötigte in der Dritten Liga nicht viel weniger Geld als ein Zweitligaverein mit gewissen Ambitionen. Auch in der vierten Liga werden die Löwen mehr ausgeben müssen als beispielsweise der FC Memmingen, der TSV Aubstadt oder auch die SpVgg Unterhaching, obgleich auch die Münchner Vorstädter unter enormem Kostendruck stehen.
1860 hatte in den vergangenen Jahren stets mit die höchsten Gesamt-Etats der Drittel Liga, doch die Budgets fürs Kerngeschäft – den Spielbetrieb – war maximal gehobener Durchschnitt. Gerade mal zwischen 3,5 und 5 Millionen flossen in die Mannschaften, mindestens noch mal genauso viel war aber für die anderen Ausgaben nötig. Und mindestens zwei Millionen Euro musste Hasan Ismaik Jahr für Jahr nachschießen, um das strukturelle Defizit zu begleichen.
Gesund ist das nicht, deswegen wollte der Investor ja mit aller Macht hoch, erst in die Bundesliga, nach dem ersten durch ihn verursachten Zwangsabstieg in die Regionalliga sollte es dann so schnell wie möglich wieder in die Zweite Liga gehen. Mang verspricht zwar, dass man nun nicht mehr dauerhaft mehr ausgeben möchte als man einnehmen könne, doch das haben sich schon viele Geschäftsführer bei 1860 vorgenommen. Sicher, zum ersten Mal seit Langem fließen nun alle Merchandising-Einnahmen an den Verein, und die Pläne, das Grünwalder Stadion von der Stadt zu übernehmen und bis 2030 gemeinsam mit Investoren auf bis zu 27.000 Zuschauer auszubauen, sind auch nach der Neugründung nicht vom Tisch. Doch die Einnahmemöglichkeiten in der Regionalliga sind arg begrenzt, wenn die Löwen nicht bald wieder in den Profibereich zurückkehren, würde der Teufelskreis aus Investitionen auf Pump unweigerlich wieder losgehen.
Doch das ist Zukunftsmusik. Genauso wie ein möglicher juristischer Dauerkonflikt mit Ismaik. Aktuell zählt in Giesing vor allem: Der Löwe lebt und der Löwe ist laut.