Russland hat erstmals seit Monaten wieder eine nordkoreanische Rakete eingesetzt. (Symbolbild)

Russland hat erstmals seit Monaten wieder eine nordkoreanische Rakete eingesetzt. (Symbolbild)

picture alliance / Sipa USA | Matthew Rodier

Nach ukrainischen Angaben hat Russland erstmals seit Monaten wieder eine nordkoreanische ballistische Rakete eingesetzt.

Bei dem Angriff auf ein Wohnhaus wurden mindestens sechs Menschen getötet, darunter vier Kinder.

Präsident Wolodymyr Selenskyj fordert den Westen erneut auf, mehr Patriot-Luftabwehrsysteme zu liefern.

Vorläufige Erkenntnisse deuten darauf hin, dass Russland bei einem tödlichen Angriff auf die Ukraine eine nordkoreanische Rakete eingesetzt hat. Damit wären ballistische Waffen aus Pjöngjang nach einer längeren Pause wieder im Krieg zum Einsatz gekommen, erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am Donnerstag.

Der Angriff traf ein Wohnhaus einer Familie in Raduschne, einem Dorf im Südosten der Ukraine. Dabei kamen nach Behördenangaben mindestens sechs Menschen ums Leben – vier Kinder sowie ihre Eltern. Das Haus wurde durch den Raketeneinschlag vollständig zerstört. Vier weitere Kinder werden noch vermisst.

Selenskyj erklärte, Russland habe die nordkoreanische Rakete „zum ersten Mal seit längerer Zeit“ wieder eingesetzt. Er verurteilte die Partnerschaft zwischen Pjöngjang und Moskau und machte sie für den Tod ukrainischer Kinder mitverantwortlich.

„Natürlich werden weitere Untersuchungen folgen und alle Erkenntnisse überprüft. Nach aktuellem Stand handelt es sich jedoch um eine nordkoreanische ballistische Rakete“, sagte Selenskyj.

Welcher Raketentyp eingesetzt wurde, nannte er nicht. Nordkorea liefert Russland jedoch unter anderem die Modelle KN-23 und KN-24. Beide gehören zu den taktischen ballistischen Kurzstreckenraketen mit Feststoffantrieb.

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Die KN-23 wird häufig mit der russischen Iskander-Rakete 9M723 verglichen. Sie hat eine Reichweite von rund 480 bis 640 Kilometern und kann einen etwa 500 Kilogramm schweren Sprengkopf tragen. Die kleinere KN-24 erreicht rund 400 Kilometer und wird von einem Mehrfachraketenwerfer gestartet – ähnlich wie die US-amerikanische ATACMS-Rakete.

Warum die KN-23 zuletzt kaum noch eingesetzt wurde

Der ukrainische Militärgeheimdienst erklärte im Juli 2025, Russland verfüge noch über einen Bestand von rund 50 KN-23-Raketen. In den vergangenen Monaten seien diese jedoch deutlich seltener eingesetzt worden.

Die Nachrichtenagentur „Reuters“ berichtete am Donnerstag unter Berufung auf eine anonyme Militärquelle, der bislang letzte Einsatz einer KN-23 bei einem russischen Angriff habe im August 2025 stattgefunden.

Die Ukraine meldete den ersten Einsatz nordkoreanischer Raketen im Januar 2024. Später warf Kiew Pjöngjang vor, insgesamt 148 ballistische Raketen an Russland geliefert zu haben.

Lokale Behörden erklärten damals, die Waffen seien äußerst unzuverlässig gewesen. Etwa die Hälfte der Raketen sei bereits in der Luft explodiert, bevor sie ihr Ziel erreicht habe.

Im April erklärte das ukrainische Verteidigungsministerium, forensische Untersuchungen hätten gezeigt, dass die KN-23 mit Produktionsmethoden hergestellt worden sei, die rund 50 Jahre alt seien. Das Ministerium bezeichnete sie als technisch deutlich unterlegene Variante der russischen Iskander-M, die auf älteren Entwicklungsstufen dieses Systems basiere.

Sollte bei dem Angriff vom Donnerstag tatsächlich eine nordkoreanische Rakete eingesetzt worden sein, ist unklar, ob sie aus einer neuen Lieferung stammt oder technisch verbessert wurde.

Selenskyj fordert mehr Patriot-Systeme vom Westen

Nordkorea und Russland haben ihre Zusammenarbeit im Verlauf des Krieges deutlich ausgebaut. Die Ukraine erklärte Anfang des Monats, sie rechne damit, dass Pjöngjang weitere 30.000 Soldaten zur Unterstützung der russischen Streitkräfte entsenden werde. Bereits im Herbst 2024 waren nach ukrainischen Angaben zwischen 10.000 und 14.000 nordkoreanische Soldaten nach Russland gekommen.

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Nach Bekanntwerden des Angriffs erneuerte Selenskyj seinen Appell an die westlichen Verbündeten, die Ukraine mit weiteren Luftabwehrraketen zu unterstützen – insbesondere mit Patriot-Systemen.

Der Ukraine fehlt es nach wie vor an modernen Abfangraketen, um der zunehmenden Zahl russischer ballistischer Angriffe wirksam begegnen zu können. In manchen Nächten setzt Moskau neben Hunderten weitreichenden Kamikaze-Drohnen auch Dutzende ballistische Raketen ein.

„Entscheidend sind jedoch nicht bloß Mitgefühl und Verurteilungen, sondern Luftabwehrraketen und Druck auf Russland, der diesen sinnlosen russischen Krieg, seine Angriffe und seinen Terror beenden kann“, sagte Selenskyj.

Während der russischen Angriffe am Donnerstag erklärten die Ukraine und die Nato außerdem, eine Rakete, die dem russischen luftgestützten Marschflugkörper Ch-101 entspreche, sei rund 100 Kilometer tief auf polnischem Staatsgebiet eingeschlagen und habe dort einen etwa fünf Meter tiefen Krater hinterlassen.

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