Halle. Der Klimawandel – oder die Klimakrise, wie es mittlerweile treffender heißt – spiegelt unsere Gesellschaft. Eigentlich ist sie unübersehbar. Europa erhitzt sich überdurchschnittlich schnell, selbst der Altkreis Halle hat die Zwei-Grad-Marke des Pariser Klimaabkommens bereits gerissen. Auch wenn die aktuellen Nachrichten aus Südfrankreich, Spanien oder Kanada den Eindruck vermitteln, die Krise sei weit weg. Das ist sie nicht: Sie ist hier.
Das macht sich überall bemerkbar: Die Rathäuser geben seit Jahren Millionen aus, um sich für Extremwetterereignisse und die kommenden Waldbrände im Teutoburger Wald zu rüsten. Infrastruktur wie der Haller Willem versagen. Das Klinikum Halle bereitet sich auf die nächsten Hitzewellen vor, genauso wie die hiesigen Altenpflegeeinrichtungen.
Bei einigen scheint die Krise angekommen zu sein. Viele Menschen setzen zunehmend auf Elektroautos, verzichten beim Urlaub auf unnötige Flüge oder Kreuzfahrten und versuchen, ihren Konsum herunterzufahren. Bei einer Umfrage des Haller Kreisblatts gaben fast 97 Prozent der rund 2.700 Teilnehmer an, aus Angst vor dem Klimawandel „umwelt- und klimabewusster“ leben zu wollen. Klingt ziemlich eindeutig.
AfD bei der Kreistagswahl trotzdem erfolgreicher als die Grünen
Gleichzeitig bleiben große SUVs die mit Abstand meistverkauften Neuwagen. Urlaubsreisen per Flieger sind nach wie vor sehr beliebt, Tendenz steigend (jeweils nach Zahlen des Statistischen Bundesamts). Auch der Fleischkonsum nimmt seit Jahren zu (Bundesinformationszentrum der Landwirtschaft). Die Fakten zeigen, dass der erste Eindruck täuscht: Der durchschnittliche Deutsche verändert sein Verhalten wegen des Klimawandels nicht – oder nicht wesentlich.
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Dafür gibt es vermutlich verschiedene Gründe. Ein Teil der Deutschen sieht die Hitzewellen und Extremwetterereignisse vor Ort und in den Medien, „glaubt“ aber nicht daran. Bei der Wahl 2025 bekam die AfD, die den menschengemachten Klimawandel weiterhin leugnet, mit 13,7 Prozent im Kreis Gütersloh mehr Stimmen als die Grünen, die ihn bekämpfen.
Das würde die Entwicklung indes noch nicht erklären. Der größere Teil der Menschen im Altkreis nimmt den Klimawandel laut unserer Umfrage ernst. Viele Menschen fürchten den Klimawandel, sind aber nicht bereit, ihr Leben dafür maßgeblich zu verändern. Grund dafür ist vielleicht das Wissen, dass einer von acht Milliarden wenig ausrichten kann. Gleichzeitig werden wir ständig per Werbung und sozialem Druck dazu genötigt, Geld auszugeben, um unser Leben vorgeblich besser zu machen. Die Wirtschaft will, dass wir neue SUVs kaufen.
Sind Sie Teil des Problems oder Teil der Lösung?
Was bleibt? Mindestens der persönliche Ehrgeiz, nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung zu sein. Also weitermachen! Vegetarische Bratwurst schmeckt übrigens besser, als ihr Ruf vermuten lässt. Das stärkt dann auch heimische Unternehmen wie die Versmolder Reinert-TFB-Tochter Billie Green. Und wer viel mit dem E-Bike statt dem SUV unterwegs ist, trainiert die Kalorien gleich wieder ab.
Zugegeben: Es ist schwer, sich immer wieder selbst zu motivieren. Deshalb hier drei inspirierende Vorbilder: Crowd und Rüben in Steinhagen will nachhaltige Landwirtschaft wiederbeleben. Die Lebensmittelretter in Versmold kämpfen gegen Verschwendung. Und die Stadt Halle lädt ein, sich beim neuen Klimabeirat „Ideenschmiede“ einzubringen.
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