Bewohner in einem Altenpflegeheim sitzen beim Mittagessen in dem Essensraum

AUDIO: Kritik an Essensqualität im Pflegeheim (3 Min)

Altenpflege

Stand: 01.08.2026 11:37 Uhr

Frühstück, Mittagessen, Abendbrot, Getränke und Zwischenmahlzeiten – in manchen Pflegeheimen sind dafür nur sieben Euro pro Bewohner und Tag eingeplant. Zu wenig für eine gesunde Ernährung, sagt der Verband Deutscher Alten- und Behindertenhilfe. Warum also wird genau dort offenbar gespart? Und welche Folgen hat es, wenn sich ältere Menschen dauerhaft schlecht ernähren?

von Sarah Bötscher, MDR AKTUELL

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Zu wenig Auswahl, zu wenig Frisches: Solche Beschwerden würden die Verbraucherzentrale Sachsen zum Essen in Pflegeheimen regelmäßig erreichen, sagt Micaela Schwanenberg: „Dass es von der Qualität und von der Menge her hapert, dass sogar vergessen wird, dass eine Mahlzeit gereicht wird. Auch wenn wir zusammenkommen mit Selbsthilfegruppen, kommt das immer wieder auf den Tisch – und dass es durchaus Einrichtungen gibt, wo die Unzufriedenheit sehr groß ist.“

Wie Pflegeheime die Verpflegung kalkulieren

Sie erklärt, dass Essen und Trinken über den Eigenanteil der Bewohner finanziert werden. Der liegt bundesweit inzwischen im Schnitt bei mehr als 3.000 Euro im Monat. Im Heimvertrag wird aufgeschlüsselt, welche Kosten für Unterkunft, Pflege und Verpflegung anfallen.

Wie viel am Ende für das Essen ausgegeben werde, hänge von vielen Faktoren ab, sagt Schwanenberg: „Also: Wie viele Leute müssen verpflegt werden, wie wird das zubereitet, wird die Essenszubereitung outgesourced, gibt es eine eigene Küche – die Lebensmittelkosten, Energiekosten, Personalaufwand.“

Große Preisunterschiede zwischen Pflegeheimen

Dennoch vermutet sie: „Das ist bestimmt eine knallharte Preiskalkulation. Die Eigenanteile will man wahrscheinlich nicht steigen lassen und versucht da sparsam zu sein. Dass da wirklich dieser Wirtschaftlichkeitsgedanke dahinter steckt. Weil die Heime wollen natürlich wirtschaftlich arbeiten, Gewinne erwirtschaften.“

Gleichzeitig gebe es durchaus Heime mit gutem und abwechslungsreichem Essen, betont sie. Entsprechend groß sind die Preisunterschiede. Der BIVA-Pflegeschutzbund verweist auf Einrichtungen, die zwischen sieben und bis zu 20 Euro täglich pro Bewohner einkalkulieren.

Video:
Senioren-Wohnhaus in Merseburg als Alternative zum Pflegeheim (3 Min)

Schlechte Ernährung kann schwere Folgen haben

Leide die Qualität dauerhaft, könne das schwere Folgen haben, sagt Dorothee Volkert, Professorin für Klinische Ernährung im Alter: „Wenn zu wenig gegessen wird, geht es zulasten des Körpergewichts. Also man nimmt ab. Und dummerweise nicht wie in jüngeren Jahren das gespeicherte Fettgewebe, sondern sehr stark zulasten der Muskulatur.“

Damit steige das Risiko für Stürze und Frakturen – aber nicht nur das. Die Professorin zählt weitere Risiken auf: „Körperliche Schwäche, Erschöpfung, das Immunsystem ist schnell betroffen, erhöhtes Krankheitsrisiko – also vielfältige und gravierende Folgen.“

Volkert hält es selbst für einen Normalbürger undenkbar, mit sieben Euro am Tag für drei bis fünf Mahlzeiten auszukommen.

Auch mit wenig Geld ist gutes Essen möglich

Wie eine ausgewogene Verpflegung aussehen sollte, beschreibt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung in ihrem Qualitätsstandard für Senioreneinrichtungen. Mitarbeiterin Ricarda Corleis zählt auf: „Ein möglichst buntes Angebot an Obst und Gemüse, Getreideprodukte, im Idealfall auch Vollkornprodukte. Täglich Milch und Milchprodukte, wichtig ist auch einmal in der Woche ein fettreicher Seefisch. Wenig Fleisch und hochwertige, pflanzliche Öle.“

Corleis ist es wichtig, zu betonen: Dieser Qualitätsstandard könne von jeder Einrichtung eingehalten werden. „Weil jede Einrichtung schauen kann: Wo kann ich optimieren? Zum Beispiel kann ich statt Dosengemüse TK-Gemüse anbieten. Also mit den Mitteln, die mir zur Verfügung stehen, eben doch das Speisenangebot etwas idealer gestalten.“

Einen konkreten Betrag, der pro Bewohner und Tag notwendig wäre, nennt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung deshalb nicht. Gute Ernährung sei auch mit weniger Geld möglich.

Video:
So werden Pflegeheime in Sachsen überprüft (2 Min)