
AUDIO: #355 Wildberries – Russlands Online-Riese im Visier (28 Min)
Was tun, Herr General? Das Briefing
Stand: 01.08.2026 12:38 Uhr
In Russlands Krieg gegen die Ukraine und für die Erfolgsaussichten Putins steht und fällt alles mit den Finanzen, sagt General a.D. Erhard Bühler. Noch hat Russland einen materiellen Vorteil, doch die Ukraine fokussiert sich genau deshalb auf andere Schwachstellen. Die materielle Versorgung an der russischen Front ist die Achillesferse der Armee, analysiert Bühler. Und darauf hat die Ukraine ihre Strategie ausgerichtet. Was tun, Herr General? Das Briefing.

„Die Ukraine ist so stark wie nie zuvor.“ Der finnische Präsidenten Alexander Stubb attestiert der Ukraine damit alles andere als Aussichtslosigkeit. Dem stimmt General Erhard Bühler zu. Er sagt, die Ukraine habe militärisch heute bessere Voraussetzungen als jemals zuvor im Krieg, auch wenn daraus noch kein unumkehrbarer Sieg folgt.
Den Krieg im Rücken Russlands führen
Die militärischen Entscheidungen der Ukraine haben laut Bühler System. Nach dem Fall von Awdijiwka 2024 habe die ukrainische Armee bewusst Raum aufgegeben, um Kräfte zu schonen und die Voraussetzungen für Angriffe gegen die russische Logistik zu schaffen.
- Nach Bühlers Analyse hat die Ukraine nicht deshalb bessere Karten, weil sie an der Front vorrückt, sondern weil sie gelernt hat, den Krieg systematisch im Rücken der russischen Streitkräfte zu führen.
- Während viele Beobachter die Jahre 2024 und 2025 als Phase ukrainischer Schwäche interpretierten, deutet Bühler dieselbe Entwicklung als bewusstes Zeitgewinnmanöver.
Manchmal denke ich darüber nach, was passiert wäre, wenn wir die Ukraine von Anfang an so unterstützt hätten, wie es heute der Fall ist. Ein Szenario ist dabei, dass der Krieg heute schon beendet sein könnte.
General a.D. Erhard Bühler im Podcast #355
Wenn die Front stabil bleibt, stellt sich die nächste Frage: Was bedeutet dann eigentlich „Sieg“ in diesem Krieg? Genau hier widerspricht Bühler vielen gängigen Vorstellungen.

Experte
General a.D. der Bundeswehr und Ex-Nato-General
Nicht Eroberung entscheidet, sondern die Kosten des Krieges
Mit der Einschätzung, dass die Kosten des Krieges entscheidender sind als einzelne territoriale Eroberungen, definiert der General a.D. den Sieg neu. Interessant ist die strategische Perspektive:
- Sieg wird nicht als vollständige Rückeroberung definiert, sondern als politische Einsicht Moskaus in die Aussichtslosigkeit des Krieges.
- Entsprechend kann die Ukraine nach Einschätzung Bühlers erst gewinnen, wenn die russische Führung an ihre materiellen Grenzen kommt.
Bis heute hat Putin kein einziges seiner Kriegsziele erreicht.
General a.D. Erhard Bühler im Podcast #355
Noch verfüge Russland über Personal- und Materialvorteile. Das könne sich aber noch ändern, meint Bühler.
Video:
Fragen an Ökonom Wassili Astrow zur Lage der russischen Wirtschaft (3 Min)
Was die russische Front wirklich unter Druck setzt
Damit wird auch verständlich, warum Bühler den strategischen Tiefenangriffen so viel Bedeutung beimisst:
- Sie sollen genau jene Kosten erzeugen, die Moskau irgendwann zum Umdenken zwingen könnten.
- Derweil baut die Ukraine ihre Angriffsfähigkeiten weit hinter der Front weiter aus. Ziele sind insbesondere Raffinerien, Öldepots, Pipeline-Infrastruktur, Rüstungsbetriebe und Militärlogistik.
- Damit würden unter anderem Versorgungsstraßen, aber auch die Stromzufuhr, die für z.B. Dieselaggregate an der Front wichtig ist, gekappt.
- Die neue Qualität besteht laut Bühler nicht allein in Drohnen, sondern in einer zunehmend industriellen Massenproduktion eigener Systeme.
Daraus ergibt sich die zweite Ebene: Die Ukraine entwickelt sich von einem westlich unterstützten Verteidiger zu einem Land mit eigener strategischer Rüstungsbasis.
Die Abriegelung der russischen Truppenteile an der Front zeigt mittlerweile Wirkung auf die Versorgungslage auch an der Front.
General a.D. Erhard Bühler im Podcast #355
Bühlers Analyse will keinen Sieg der Ukraine vorhersagen. Doch der Ex-General argumentiert, dass die Maßstäbe zur Bewertung des Krieges überholt sind. Wer ausschließlich auf Frontverläufe schaut, sieht Stillstand. Wer auf Logistik, Rüstungsproduktion und die zunehmende Belastung der russischen Kriegsökonomie blickt, erkennt laut Bühler eine strategische Verschiebung zugunsten der Ukraine. Eine positive Einschätzung, verbunden mit einer deutlichen Warnung: Noch ist nichts unumkehrbar.
MDR AKTUELL (amu)

Was tun, Herr General? Das Briefing.
Das Briefing entsteht aus dem MDR-AKTUELL-Podcast „Was tun, Herr General?“. Tim Deisinger analysiert mit Ex-NATO-General Erhard Bühler die militärische Lage in der Ukraine und die Auswirkungen des Krieges auf Europa und die internationale Sicherheitspolitik.
Kontakt
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