
AUDIO: Leipzigs OB Burkhard Jung zur Haushaltslage (Archivbild) (3 Min)
Sommerinterview
Stand: 01.08.2026 12:00 Uhr
Die meisten Kommunen in Deutschland sind verschuldet. Die Stadt Leipzig hat aktuell ein Minus von rund 300 Millionen Euro im Haushalt. Das bedeutet Kürzungen an vielen Stellen. Gleichzeitig will die Stadt Gebühren erhöhen, um mehr Einnahmen zu haben. Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) sagt MDR SACHSEN, wo Kosten steigen und was die Leipziger erwartet.

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Die Stadt Leipzig hat derzeit ein historisch hohes Defizit von rund 300 Millionen Euro. Vor knapp einem Jahr hatte Leipzig bereits eine Haushaltssperre verhängt. Es müsse weiter in allen Bereichen nach möglichen Einsparungen geschaut werden, sagte Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung MDR SACHSEN. „Ich bin froh, dass wir jetzt fast 100 Millionen Euro Einsparung geschafft haben. Aber unser Defizit beträgt 300 Millionen Euro.“

Entlastungspaket
Vor zwei Jahren haben Kommunen und Land heftig um die Kommunalfinanzen gestritten. Dieses Mal einigten sich beide Seiten recht geräuschlos auf den innersächsischen Finanzausgleich. Doch die Lage bleibt schwierig.
Warum Ausgaben senken nicht reicht
Es gibt Jung zufolge nur eine Möglichkeit: Ausgaben senken und Einnahmen erhöhen. Trotzdem werde das nicht reichen. Leipzig sei auf Gelder von Land und Bund angewiesen. Der Freistaat hat sich nach Angaben von Jung bewegt und die Aufnahme von neuen Schulden durch die Stadt ermöglicht. Jetzt sei der Bund am Zug, so Jung. Von diesem fordere das Stadtoberhaupt, den Kommunen zu helfen. „Sonst geht es nicht vorwärts in diesem Land.“
Ich bin froh, dass wir jetzt fast 100 Millionen Euro Einsparung geschafft haben. Aber unser Defizit beträgt 300 Millionen Euro.
Burkhard Jung | Oberbürgermeister der Stadt Leipzig
Wo will die Stadt den Rotstift ansetzen?
Auf der einen Seite müsse sich die Stadt bei ihrer Verwaltung verschlanken und effizienter werden, sagte Jung. „Wir haben 500 Stellen im Abbau.“ Bis 2028 sollen von diesen mehr als 350 reduziert werden. Insgesamt werden demnach sieben Prozent des gesamten städtischen Personals reduziert. Es soll Jung zufolge aber keine betriebsbedingten Kündigungen geben.
Wird es größere Vorhaben geben, die wegen der Haushaltslage gestrichen werden?
Investitionen werden laut Jung stark zurückgefahren. „Wir haben uns entschieden, wesentliche große Projekte zu schieben oder vielleicht sogar ganz zu canceln.“ So würden etwa die Baupläne für das Technisches Rathaus, für die Volkshochschule und die Musikschule verschoben. Auch das Sanierungsprogramm bei den Schulen setzt die Stadt langsamer um.
Wir haben uns entschieden, wesentliche große Projekte zu schieben oder vielleicht sogar ganz zu canceln.
Burkhard Jung | Oberbürgermeister der Stadt Leipzig
Werden die Leipziger die Haushaltsschieflage im Alltag spüren?
Bei der Förderung von Vereinen, Verbänden, Sport, Kultur, Soziales und Gesundheit sei die Stadt ebenfalls an der Grenze der Belastung, betonte Jung. Auch hier werde gespart. „Wir können die inflationsbedingten Mehrausgaben nicht mehr abdecken“, erklärte Jung und fügte hinzu: „Das wird eine spürbare Veränderung in der Zivilgesellschaft nach sich ziehen.“

Präsident des Deutschen Städtetags
Steigende Sozialausgaben, sinkende Steuern und 30 Milliarden Euro Defizit: Der Präsident des Deutschen Städtetags, Burkhard Jung, sieht mit Theatern und Opern auch die Demokratie in Gefahr.
Kosten steigen für Kleingärtner, Sportvereine, Zweitwohnungen
Gleichzeitig plane die Stadt ihre Einnahmen zu erhöhen. Laut Jung sollen die Gebühren für die Pachtverträge bei Sportvereinen und die Zweitwohnungssteuer steigen.
Zudem soll die Kleingartenpacht künftig höher ausfallen, erklärte Jung. Demnach soll sich der Pachtzins für kommunale Kleingartenflächen ab Januar fast verdoppeln – von bislang rund 12 Cent auf 21 Cent pro Quadratmeter pro Jahr. „Ich glaube, dass das verantwortbar ist“, so Jung. „Das ist eine Einnahmeerhöhung, die sozial verträglich und stemmbar ist.“ In Leipzig gibt es rund 1.200 Hektar Kleingartenflächen, von denen sich rund 800 Hektar im Eigentum der Stadt Leipzig befinden.
Wird der freie Eintritt in viele Museen Leipzigs bleiben?
Jung will am freien Eintritt festhalten, weil er selbst „sehr überzeugt von dem Angebot ist“, sagte der SPD-Politiker. „Wir haben eine unglaubliche Nachfrage erlebt. Wir haben Menschen, die das Museum besuchen, die vorher nie gekommen sind.“ Die Stadt habe dazu eine Kosten-Nutzen-Einschätzung erstellt, so Jung.
Demzufolge rechneten sich die Mehreinnahmen durch die Wiedereinführung der Museumseintritte, nicht verglichen mit dem Mehraufwand. Das Ergebnis: „Kostenloser Eintritt in Museen jenseits der Sonderausstellungen ist ein gutes Instrument. Und hier lohnt sich eine Einnahmenerhöhung kaum.“
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MDR (phb/sys)