
Barcelona verschärft seinen Kurs gegen den Massentourismus.
Alexander Spatari/Getty
- Barcelona setzt eine Obergrenze von 15,7 Millionen Touristen pro Jahr, um Massentourismus zu bekämpfen.
- José Antonio Donaire, der neue Beauftragte für nachhaltigen Tourismus, verkündet die Maßnahme mit dem Slogan „Nicht einen Touristen mehr“.
- Die Stadt plant eine Neuausrichtung der Tourismusstrategie, um die Lebensqualität der Anwohner zu verbessern.
Barcelona zieht die Notbremse gegen Massentourismus. Die katalanische Metropole will die Besucherzahl bei maximal 15,7 Millionen pro Jahr einfrieren – das entspricht dem Niveau von 2025. Der neue Beauftragte für nachhaltigen Tourismus, José Antonio Donaire, verkündete die drastische Maßnahme unter dem provokanten Slogan „Nicht einen Touristen mehr“.
Bei nur 1,6 Millionen Einwohnern strömen jährlich rund zehnmal so viele Besucher in die Stadt. Die Folgen: steigende Mieten, überfüllte U-Bahnen und zunehmende Belastung der Wohnviertel. „Wir wollen eine Obergrenze festlegen, statt unbegrenzt weiterzuwachsen“, sagte Donaire der „New York Times“.
Lest auch

Ferienwohnungen im Visier: So gehen Europas Städte jetzt gegen Airbnb & Co. vor
Anwohner klagen seit Jahren über die Auswirkungen des Touristenansturms auf ihr tägliches Leben. Die Stadtverwaltung reagiert nun mit Maßnahmen, die Reisende finanziell treffen. Das berichtet „Bild“.
Ein ähnliches Modell gibt es bereits in Amsterdam: Dort haben die Behörden die Zahl der Übernachtungen auf 20 Millionen pro Jahr begrenzt.
Lest auch

Airbnb und Booking.com: Welche Regeln ihr beachten müsst, wenn ihr Ferienwohnungen vermietet
Barcelona richtet Tourismusstrategie neu aus
Barcelona plant eine fundamentale Neuausrichtung seiner Tourismusstrategie. Aktuell kommen zwei Drittel aller Besucher als Urlaubs- und Freizeittouristen. Die Stadt strebt eine gleichmäßige Verteilung an: jeweils ein Drittel Geschäftsreisende, Kulturtouristen und Freizeittouristen.
Bereits 2024 stoppte die Verwaltung die Vergabe neuer Genehmigungen für Ferienwohnungen. Bis 2028 will die Stadt etwa 10.000 Kurzzeitunterkünfte wieder in reguläre Wohnungen umwandeln. Die Stadt erhofft sich davon eine Entspannung am angespannten Mietmarkt.
Lest auch

Kampf um Poolliegen eskaliert: Urlauber greifen zu Juckpulver und nächtlichen Wachen
Die Stadt nimmt besonders Kreuzfahrttouristen ins Visier. Barcelona reduziert die Zahl der Terminals von sieben auf fünf. Die Stadt senkt zudem die maximale Tageskapazität von 37.000 auf 31.000 Passagiere.
Gleichzeitig erhöht Barcelona die Abgaben für Kreuzfahrtschiffe deutlich. Die Stadt will vor allem Tagesgäste, die nur wenig Geld in der Stadt lassen, durch höhere Gebühren abschrecken. Die Maßnahme zielt darauf ab, mehr zahlungskräftige Besucher anzuziehen, die länger bleiben und höhere Ausgaben tätigen.
Touristensteuer erreicht Spitzenniveau
Seit dem 1. April 2026 zahlen Besucher zwischen zehn und 15 Euro Touristensteuer pro Person und Nacht. Die Stadt investiert die Einnahmen in Sicherheit, Stadtreinigung, Stromversorgung und den öffentlichen Nahverkehr – Infrastruktur, die unter der Touristenflut besonders leidet.
Barcelona betont, nicht gegen Touristen vorzugehen. Die Stadt wolle vielmehr die Lebensqualität ihrer Bewohner sichern und gleichzeitig attraktiv für Besucher bleiben. Die Strategie: weniger Masse, mehr Klasse – bei einer Obergrenze von 15,7 Millionen Gästen pro Jahr.
jk