Welche Spuren hat Hans Stimmann im wiedervereinigten Berlin hinterlassen – und welche Bedeutung haben seine Leitbilder heute noch? Eine Konferenz in Berlin-Mitte widmet sich Anfang September dem städtebaulichen Erbe des ehemaligen Senatsbaudirektors.

Blick auf das Gebäude der ESMT Berlin am Schlossplatz in Berlin-Mitte, Veranstaltungsort der Konferenz „Stimmanns Stadt. Werk und Wirkung“.

Veranstaltungsort der Konferenz „Stimmanns Stadt. Werk und Wirkung“ ist die ESMT Berlin am Schlossplatz in Berlin-Mitte. / © Foto: Wikimedia Commons, Dosseman, CC BY-SA 4.0

© Titelbild: AIV

 

Nach dem Tod des langjährigen Berliner Senatsbaudirektors Hans Stimmann im vergangenen Jahr rückt sein städtebauliches Vermächtnis erneut in den Mittelpunkt der Debatte. Am 3. und 4. September laden der Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin-Brandenburg (AIV) und die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen zur Konferenz „Stimmanns Stadt. Werk und Wirkung“ in die European School of Management and Technology (ESMT) am Schlossplatz ein. Im Mittelpunkt stehen die Frage, wie Stimmanns Leitbilder das Berlin nach der Wiedervereinigung geprägt haben, und welche Impulse sie für die künftige Stadtentwicklung geben können.

Hans Stimmann war von den frühen 1990er-Jahren an über viele Jahre einer der einflussreichsten Stadtplaner Berlins. Als Senatsbaudirektor und Staatssekretär prägte er die Entwicklung der Hauptstadt mit dem „Planwerk Innenstadt“, das bis heute zahlreiche Bauprojekte und Debatten beeinflusst.

Hans Stimmann: Europäische Stadt als Leitbild

Stimmann setzte sich konsequent für das Leitbild der europäischen Stadt ein. Historische Straßenräume, Blockrandbebauung, klare Traufhöhen und die Orientierung am gewachsenen Stadtgrundriss sollten die Grundlage für das neue Berlin bilden. Seine Vorstellungen standen häufig im Spannungsfeld kontroverser Diskussionen; etwa bei der Entwicklung des Potsdamer Platzes oder im sogenannten Berliner Architekturstreit.

Die Konferenz greift diese Auseinandersetzungen auf und ordnet sie in den heutigen Kontext ein. Neben einem Rückblick auf Stimmanns beruflichen Werdegang werden auch die wissenschaftlichen Grundlagen seiner Arbeit sowie aktuelle Fragen der Stadtentwicklung behandelt. Themen wie Bodenpolitik, kommunale Verantwortung und Baukultur stehen dabei ebenso auf dem Programm wie die Rolle der europäischen Stadt im 21. Jahrhundert.

Schwarz-Weiß-Porträt von Hans Stimmann, dem ehemaligen Berliner Senatsbaudirektor, der die Stadtentwicklung Berlins nach der Wiedervereinigung mitprägte.

Hans Stimmann prägte als Berliner Senatsbaudirektor die Stadtentwicklung nach der Wiedervereinigung maßgeblich. Sein Leitbild der europäischen Stadt beeinflusst die Debatten über Architektur und Städtebau bis heute. / © Foto: IMAGO / Rolf Zöllner

Fachleute aus Architektur, Politik und Wissenschaft diskutieren

Zu den Referierenden gehören unter anderem die Berliner Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt, Stadtplaner Harald Bodenschatz, die Architekten Hans Kollhoff und Tobias Nöfer, Bezirksstadtrat Ephraim Gothe sowie Hamburgs Oberbaudirektor Franz-Josef Höing. Auch ehemalige politische Weggefährten und internationale Gäste werden erwartet. Den Abschluss der Veranstaltung bildet ein Empfang im Roten Rathaus, zu dem Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler eingeladen hat.

Die Veranstalter wollen das Werk Stimmanns dabei nicht nur historisch betrachten. Vielmehr soll diskutiert werden, welche seiner Positionen angesichts von Wohnraummangel, Flächenknappheit und Klimaanpassung weiterhin Orientierung bieten können. Tobias Nöfer, Vorstandsmitglied des AIV und Mitkurator der Konferenz, beschreibt Stimmanns Verständnis von Stadt als „kulturelles Projekt und politische Aufgabe zugleich“. Die Konferenz frage deshalb, welche Antworten sein städtebauliches Denken auf die Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte geben könne.

Konferenz Anfang September: Kostenfreie Teilnahme nach Anmeldung

Die Konferenz findet am 3. und 4. September 2026 in der ESMT Berlin am Schlossplatz statt. Die Teilnahme ist kostenfrei, eine vorherige Anmeldung ist jedoch erforderlich. Organisiert wird die Veranstaltung gemeinsam vom AIV zu Berlin-Brandenburg und der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen.

ESMT Berlin (Veranstaltungsort)

Quellen: Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin-Brandenburg (AIV)