Halle. Monte chillt, er liegt auf der Seite und streckt alle vier Pfoten von sich. Der zweijährige Rüde ist ein Dalmatiner-Border-Collie. Die Mischlingsrasse gilt als besonders aktiv, freundlich und intelligent. Den guten Charakter ihres Hundes setzt Anja Holle, Leiterin der Kita Hochstraße in Künsebeck, gezielt ein: „Monte ist mein Co-Pädagoge“, sagt sie.

Die Vorzüge des Hundes beschreibt die fünfjährige Marie so: „Er ist weich, kann kuscheln und kann buzzern.“ Das bestätigt Monte beim Fototermin im Garten der Kita Hochstraße. Denn mit seiner rechten Pfote drückt der Hund auf Maries Ansage – „Monte, buzzer!“ – einen roten Plastikknopf hinunter.

Das Prozedere ist nicht nur Spiel, sondern zugleich ein winziger Teil tiergestützter Intervention. So heißt der Fachbegriff, unter dem Anja Holle den Kindern zu mehr Selbstwert verhilft. Dafür absolvierte sie eine zweijährige Fortbildung beim tiergestützten Weiterbildungszentrum in Ibbenbüren. Die Ausbildung beinhaltete am Ende einen Praxisteil mit ihrem Hund. Das Duo Hund und Holle muss alle zwei Jahre rezertifiziert werden.

Einen vorherigen Wesenstest bestand Monte ohne Probleme. Demnach ist er nicht nur außergewöhnlich freundlich, sondern auch sehr stressresistent, etwa bei Lärm oder schnellen Bewegungen. „Wir könnten auch in anderen Einrichtungen – zum Beispiel einem Altenheim – als Team eingesetzt werden“, sagt Anja Holle.

Hund Monte führt Befehle aus, wird gestreichelt und hat Auszeiten


Montes Koffer enthält viele Spielgeräte, die dem intelligenten Tier Abwechslung verschaffen. - © Ekkehard Hufendiek

Montes Koffer enthält viele Spielgeräte, die dem intelligenten Tier Abwechslung verschaffen.
| © Ekkehard Hufendiek

Signalwörter dienen der einfachen Kommunikation zwischen Mensch und Hund. Dazu zählen etwa die Befehle: „Rollen“, „Drehen“ oder „Bringen“. Solche Wörter hat Anja Holle den Kindern beigebracht, die sie in ihrer Interaktion mit dem Hund immer wieder anwenden. Wenn Anja Holle das Signalwort „Wellness“ ausspricht, dann bürsten die Kinder ihn meist so, dass Monte sich auf den Rücken legt, mit dem Schwanz wedelt und alle Viere von sich streckt.

Den größten Vorteil tiergestützter Pädagogik beschreibt Anja Holle so: „Monte gibt jedem das Gefühl, dass er oder sie der wichtigste Mensch ist.“ Dadurch fördere er die Selbstwirksamkeit, also das Vertrauen in die eigene Kompetenz, erklärt die Kita-Leiterin. „Kinder merken, er hört auf ihre Signale.“ Das mache sie stark.

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Bei einem Elternabend drehte Monte zuletzt an einem Glücksrad und bestimmte damit den Zeitpunkt, an dem sich einzelne Familien vorstellten. In der oft schwierigen Eingewöhnungsphase erleichtere Monte die Arbeit der Erzieherinnen und Erzieher. „Durch Monte gewöhnen sich Kinder einfach schneller an uns“, sagt Anja Holle. Denn Monte begegne ihnen wertfrei. „Monte mag hier jeden“, sagt sie.

Wichtig ist ihr dabei, dass alles auf gegenseitiger und freiwilliger Basis geschehe: „Wer mit Monte nichts zu tun haben möchte, der hat mit Monte nichts zu tun“, betont sie. Der Dalmatiner laufe nie frei durch die Kita, sie sei immer dabei. Anja Holle betont außerdem: „Monte ist kein Zirkus-Hund!“ Die tiergestützte pädagogische Arbeit sei anstrengend. Regelmäßig gönnt sie Monte deswegen längere Pausen, die sie mit ihm draußen verbringt.

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Im Umgang mit dem Hund lernen die Kinder Regeln: Zum Beispiel dürfen sie ihn mit nicht mehr als zwei Händen gleichzeitig berühren. Beim Streicheln ist bei Monte der Kopf tabu und sein Schwanz sowieso. Und wenn ein Hund seinen Schwanz einzieht, dann hat er nicht nur sprichwörtlich Angst. Das Lesen der Hundemimik zählt genauso zum Lehrprogramm, wie das Einüben der Hygiene nach einem Kontakt mit dem Tier. Auch für Monte gibt es Tabus: Er darf zum Beispiel nicht die Wasch-, Schlaf- und Essensräume in der Kita betreten.

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Für die Kitaleiterin bedeutet Montes Einsatz zusätzliche Arbeit, denn neben allen administrativen Aufgaben müsse sie nun jedes tiergestützte Setting extra planen. Das hat auch etwas Gutes: „Ich bin dadurch wieder näher bei den Kindern“, fügt Anja Holle hinzu. Und ein weiterer Vorteil der tiergestützten Pädagogik kommt ihrer Angabe nach zum Tragen: „Wir haben Familien, die auch deswegen ihre Kinder nach Künsebeck in unsere Kita bringen möchten.“

Darüber hinaus beschränkt sich die tiergestützte Pädagogik in der Kita Hochstraße nicht allein auf einen Hund. Fische und sechs Kaninchen kommen ebenfalls zum Einsatz. „Ich bin totaler Fan von tiergestützter Arbeit“, sagt die 57-jährige Anja Holle und fügt hinzu: „Wenn alles gut läuft, dann gehen Monte und ich zusammen in Rente.“

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