An der Startlinie der Laufbahn stehen sechs Läuferinnen für den 100-Meter-Lauf bereit. „Auf die Plätze!“, ruft der Starter am Rand. Die Sportlerinnen nehmen die bekannte Pose an den Startblöcken ein. „Fertig…“ – sie richten ihre Becken auf – dann ertönt der Knall der Startpistole. Innerhalb von Millisekunden sprinten sie los, beschleunigen geduckt mit kurzen, schnellen Schritten, ehe sie sich vollständig aufrichten und weiter in Richtung Ziellinie rennen. Dort werden sie unter Applaus von den Zuschauern empfangen.

Mit dem 100-Meter-Lauf der Damen begann am Freitagnachmittag die vierte Laufnacht des SFD’75 im Sportpark Niederheid. Der Verein für Sport und Freizeit organisiert die Laufnächte seit 2023. „Das Besondere daran ist, dass man kein Mitglied in einem Leichtathletikverein sein muss, um an unseren Läufen teilzunehmen“, sagt Fabian Reismann, Geschäftsführer des SFD’75. „In der Region gibt es keine vergleichbare Laufveranstaltung von Vereinen.“

Wie im vergangenen Jahr nehmen rund 400 Läuferinnen und Läufer an der Laufnacht teil; mittlerweile kommen sie aus ganz NRW. Eine von ihnen ist Antonia Fabisch vom Leichtathletik Team der Deutschen Sporthochschule Köln. Sie hat den 100-Meter-Lauf der Damen gewonnen und dafür vom Verein einen kleinen Holzpokal bekommen.

Die 25-Jährige ist aber nicht zufrieden mit ihrer Leistung: „Ich habe 12,25 Sekunden gebraucht, meine Bestzeit liegt eigentlich bei 12,01 Sekunden.“ Dementsprechend hatte sie sich heute mehr vorgenommen. Antonia weiß aber auch, woran es lag: „Zwischen dem ‚Fertig‘ und dem Schuss des Starters war zu wenig Zeit, ich war noch nicht richtig bereit“, sagt sie.

Nach dem 100-Meter-Lauf finden bis zum Abend noch Läufe über 200, 400, 800, 1500 und 5000 Meter statt. Dazu gibt es ein Büffet mit Kaffee und Kuchen, das die Vereinsmitglieder auf die Beine gestellt haben. Für die Organisation der Laufnacht ist ein vierköpfiges Team der Fachabteilung Leichtathletik verantwortlich.

Einer von ihnen ist Niklas König (40). Er und die anderen Vorstandsmitglieder haben nach der Corona-Pandemie das aufkommende Interesse an Lauftreffs beobachtet. „Daher kam die Idee, selbst ein solches Event zu organisieren. Gleichzeitig wollen wir damit das aktive Vereinsleben fördern.“ Was in diesem Jahr aufgrund der Hitze neu dabei ist: Eine Eis-Tonne, in der sich die Sportler nach den Sprints und Ausdauerläufen abkühlen können.

Gegen 20.30 Uhr wird dann schließlich der Name der Veranstaltung Programm: Die Sonne geht langsam unter und die Scheinwerfer der Anlage werden angeschaltet. Dadurch entsteht in dem Sportpark eine Flutlicht-Atmosphäre, in der nun die 5000-Meter-Läufe beginnen.

Ein Teilnehmer von ihnen ist Eric Nzambimana. Er kommt aus dem ostafrikanischen Burundi und wohnt derzeit in einem Flüchtlingsheim im Wegberg. Von dort aus hat er vor einem halben Jahr bei der Leichtathletik-Gemeinschaft Mönchengladbach die Trainerin Käthe Link kennengelernt. Seitdem trainiert ihn die 74-Jährige, die früher selbst Profisportlerin war.

Mittlerweile hat Eric einen sogenannten Startplatz erhalten, also eine offizielle Berechtigung zur Teilnahme an Leichtathletikwettkämpfen. Dank dieser wird er am 6. September 2026 auch bei der New Balance Kö-Meile teilnehmen, einem Lauf über die Königsallee. Seine Laufzeit auf 5000 Metern betrug an diesem Abend 14 Minuten und 25 Sekunden – damit war er der Schnellste, mit einer halben Minute Abstand. „Ich bin mir aber sicher, dass er auf der Kö unter 14 Minuten laufen wird“, sagt Link.