Die Federal Communications Commission (FCC) hat dem in Kalifornien ansässigen Startup Reflect Orbital die Genehmigung erteilt, einen experimentellen Satelliten mit einem fast 18 Meter breiten Spiegel zu starten. Ziel ist es, Sonnenstrahlen während der Nacht zur Erde zu reflektieren.

Der Satellit, genannt Eärendil-1, wird sich in einer niedrigen Umlaufbahn in etwa 640 km Höhe befinden und Licht auf eine kreisförmige Fläche mit einem Durchmesser von etwa fünf Kilometern projizieren. Das Unternehmen behauptet, diese Technologie könnte dazu dienen, Solarfarmen, Rettungseinsätze, Infrastrukturprojekte und sogar städtische Straßen zu beleuchten.

Zukünftige Pläne

Reflect Orbital plant, in Zukunft eine Konstellation von bis zu 50.000 Weltraumspiegeln einzusetzen.

  • Bis 2028: 1.000 größere Satelliten.
  • Bis 2030: weitere 5.000 Satelliten mit Spiegeln von bis zu 55 Metern Breite. Berechnungen zufolge könnten sie eine Lichtintensität reflektieren, die hundert Vollmonden entspricht.

Kritik und Bedenken

Das Projekt stieß auf Ablehnung bei Astronomen und Umweltschützern:

  • Astronomen befürchten, dass der Nachthimmel verändert wird und wissenschaftliche Beobachtungen erschwert werden.
  • Wildtierforscher warnen vor Auswirkungen auf die zirkadianen Rhythmen von Menschen, Tieren und Pflanzen.
  • Amerikanische Astronomische Gesellschaft warnte vor Risiken für die menschliche Gesundheit, die Landwirtschaft und die Tierwelt.
  • Es werden mögliche Ablenkungen für Piloten und Auswirkungen auf die Luftsicherheit erwähnt.

Die Astronomin Samantha Lawler erklärte: „Es erschreckt mich, dass ein einziges Land den Nachthimmel für die ganze Welt verändern könnte“.

SonnenstrahlenDie Sonnenstrahlen könnten die Beleuchtung auf der Erde mit dem Plan von Reflect Orbital verändern.
Regulatorische Einschränkungen

Die FCC stellte klar, dass ihre Zuständigkeit auf technische Aspekte wie Funkkommunikation und sichere Entsorgung der Ausrüstung beschränkt ist. Umweltfragen im Zusammenhang mit Weltraumaktivitäten sind derzeit nicht Teil des Regulierungsprozesses.

1993 testete Russland einen Satelliten mit einem 24-Meter-Spiegel, um Sonnenlicht über Sibirien zu reflektieren. Das Programm wurde nach dem Scheitern eines weiteren Tests eingestellt.

Mögliche Vorteile

Reflect Orbital behauptet, dass die Technologie könnte:

  • Den Verbrauch fossiler Brennstoffe reduzieren, indem die Betriebsstunden von Solaranlagen verlängert werden.
  • Nachtarbeiten im Bauwesen und in der Infrastruktur erleichtern.
  • Die landwirtschaftliche Produktivität steigern dank einer größeren Verfügbarkeit von Licht.

Der Start von Eärendil-1 eröffnet eine globale Debatte über die Grenzen menschlicher Eingriffe in den Nachthimmel. Während das Unternehmen sein revolutionäres Potenzial verteidigt, warnen Wissenschaftler und Umweltschützer vor schwer messbaren Risiken.

Das Ergebnis dieses Tests wird einen Präzedenzfall in der Beziehung zwischen technologischer Innovation und dem Schutz der natürlichen Umwelt schaffen.