Sommer, Sonne, Freibad – und das seit Jahrzehnten. Sechs kultige Orte, die schon lange für Abkühlung sorgen.

„Schwimm-In“ Gevelsberg

Am 21. Juni 1914 – etwas mehr als einen Monat vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs – öffnete in Gevelsberg das erste Freibad Westdeutschlands. In jenem heißen Sommer strömten Menschen „zu Tausenden in das Strandbad“, wie die Gevelsberger Zeitung vor über elf Jahrzehnten berichtete. Mit dem heutigen Erscheinungsbild hatte das Freibad damals wenig gemein: Das Wasser des Stefansbachs floss ungefiltert in die Becken, Kaulquappen tummelten sich zwischen den Badegästen, eine Kläranlage existierte nicht. Männer und Frauen durften das Becken nur zu getrennten Zeiten nutzen. Der Eintritt: 20 Pfennig.

Mehr als 110 Jahre später heißt das Bad „Schwimm-In“ und hat nach mehreren Renovierungen – zuletzt 2022 – ein modernes Gesicht bekommen: Rutschen, ein Kleinkindbereich, großzügige Liegebereiche und ein weitläufiges Schwimmerbecken gehören heute zum Angebot. Erwachsene zahlen 11,20 Euro für eine Tageskarte. Die Öffnungszeiten werden je nach Wetterlage täglich entschieden und auf der Homepage schwimm-inn-gevelsberg.de bekannt gegeben.

Werksschwimmbad auf der Zeche Zollverein

Zwischen Kränen, alten Rohren und Stahltreppen – mitten auf dem Unesco-Welterbe Zollverein – versteckt sich eines der ungewöhnlichsten Freibäder NRWs. Bereits seit den 1930er-Jahren gab es auf dem Gelände ein Werksschwimmbad, in dem Bergleute und ihre Familien entspannen und schwimmen konnten und Lehrlinge ihr Sportprogramm absolvierten. Nach einigen Jahren wurde es jedoch stillgelegt – heute befindet sich an dieser Stelle ein Parkplatz.

Nach der Schließung und der Anerkennung als Unesco-Welterbe im Jahr 2001 begann die Umwandlung des Geländes in eine kulturelle Landschaft. Das Werksschwimmbad wurde 2001 von den Frankfurter Künstlern Dirk Paschke und Daniel Milohnic im Rahmen des Kunstprojekts „Zeitgenössische Kunst und Kritik” geschaffen und auf der ehemaligen Kokerei aufgebaut. Die Künstler nutzten zwei ausrangierte Überseecontainer, die sie zu einem 12 Meter langen und 5 Meter tiefen Schwimmbecken zusammenschweißten. Dort, wo bis 1993 noch bei über 1.000 Grad Celsius Kohle zu Koks gebacken wurde, planschen heute Besucher in 19 Grad kaltem Wasser. Der Eintritt ist frei.

In diesem Sommer ist das Bad vom 18. Juli bis 1. September täglich von 12 bis 20 Uhr geöffnet und feiert damit sein 25-jähriges Bestehen. Ein besonderes Highlight ist der alljährliche Arschbomben-Contest, der in diesem Jahr am 29. August stattfindet. Zu beachten ist jedoch, dass das 2,40 Meter tiefe Becken nur für Schwimmer geeignet ist. Nichtschwimmer dürfen das Becken nicht betreten, auch nicht mit Schwimmhilfen.

Türkis-grünes Wasser, weiße Sandstrände und grün bewachsene Uferbereiche – ohne seine Geschichte zu kennen, könnte man glauben, es handle sich um einen natürlichen Waldsee. Doch so ruhig und idyllisch wie heute war das Gelände nicht immer: In den Jahren zwischen 1928 und 1959 wurden hier Kies, Sand und Schotter abgebaut. Nach Ende des Abbaus lag die Fläche mehrere Jahre brach. Die offene Wasserfläche in der Nachbarschaft verleitete viele Kinder und Jugendliche zu einem Bad in dem der Öffentlichkeit eigentlich nicht zugänglichen Gewässer. Daraufhin entschloss sich die Stadt Köln dazu, das Gelände auszubauen. Die Ufer wurden an mehreren Stellen abgeflacht, sodass kleine Sandstrände und eine Flachwasserzone für weniger geübte Schwimmer entstehen konnten. Seit 1960 ist das Bad für Besucher geöffnet.

Heute kann man am Baggersee auf Liegedecks und Hängematten entspannen, am Wasserspielplatz spielen oder am Imbiss snacken. Der Eintritt für Erwachsene beträgt 5,40 Euro. Das Bad ist wetterbedingt geöffnet – aktuelle Informationen gibt es täglich auf der Website.

Viele Düsseldorfer baden allein beim Gedanken an das damalige Rheinstadion-Freibad in Nostalgie. Dort unternahm man erste Schwimmversuche, wagte den Sprung vom Zehn-Meter-Turm, oder verbrachte Samstag- und Sonntagnachmittage auf jenen fast schon berühmten Liegetreppen – die zu einem ebenso legendären Metallzaun führten, der das Freibad vom Rheinstadion trennte. All das musste der Erweiterung des Messegeländes weichen.

Das neue Rheinbad, das im Jahr 2000 eröffnet wurde und nur wenige hundert Meter versetzt liegt, kann weder in seiner Größe noch beim Nostalgiefaktor mit dem alten mithalten. Die Liegewiesen waren bei weitem größer und reichten bis zur Rotterdamer Straße. Es gab ein eigenes Sprungbecken mit zwei Dreier-, einem Fünfer-, Siebeneinhalber- und dem Zehn-Meter-Turm. Doch geboten wird einiges: unteranderem ein Erlebnisbecken mit Breitrutsche, ein Sportbecken, ein Soccer-Court, ein großes Hüpfkissen und ein Planschbecken mit verschiedenen Wassertiefen. Der Eintritt für Erwachsene beträgt 7 Euro, für Kinder um die 4 Euro.

Mit einem Konzert auf dem Festplatz, einem gemeinsamen Marsch zum Becken und einem Feuerwerk weihte die Stadt Brilon am 25. August 1935 das Waldfreibad Gudenhagen ein. Ein festlicher Auftakt – zumal das Gelände bis kurz zuvor kaum badetauglich war: Als Schlammloch begann es seine Geschichte, ehe es zwischen 1933 und 1935 ausgehoben und Schritt für Schritt ausgebaut wurde.

Heute ist das Waldfreibad Gudenhagen mit rund 6.500 Quadratmetern Wasserfläche eines der größten Freibäder in NRW und zählt rund 2.000 Besucher pro Tag. Eingebettet in ein Tal, gesäumt von Wald und Hang, laden riesige Liegewiesen, Wasser-Basketballkörbe und Sprungtürme zum Verweilen ein. Auch kann Tischtennis und Beachvolleyball gespielt werden. In einem gesonderten Nichtschwimmerbereich können auch Familien mit ihren Kindern entspannt schwimmen. Das Bad ist montags bis freitags von 6.30 bis 19 Uhr und samstags sowie sonntags von 9 bis 19 Uhr geöffnet. Erwachsene zahlen 4 Euro.

1927 wurde im Uelfetal unterhalb der „Untersten Mühle“ das Uelfebad eröffnet. Rund drei Jahrzehnte lang war es ein beliebter Treffpunkt, ehe es Ende der 1950er-Jahre schließen musste. Grund dafür waren die zunehmende Verschmutzung des Uelfebachs und eine bakterielle Belastung des Wassers im Badebereich. Als Ziel für Spaziergänger und Erholungssuchende hat der Ort jedoch bis heute nichts von seiner Attraktivität verloren: Das aufgestaute Becken und die Brücke darüber sind weiterhin erhalten.

Errichtet wurde das Bad in den Jahren der Wirtschaftskrise nach dem Ersten Weltkrieg. Damals setzte die Stadt zahlreiche Arbeitslose für die Bauarbeiten ein. Sie schufen den Damm, den Überlauf, Umkleiden und weitere Anlagen. Eine hölzerne Brücke gliederte das Bad in einen Bereich für Nichtschwimmer und einen für Schwimmer. Die kleine Insel mitten im Becken, auf der heute ein Entenhaus steht, wurde damals gern als Liegefläche genutzt. Die Böschungen, die eigentlich als Liegewiesen gedacht waren, lagen hingegen meist im Schatten und boten deshalb nur begrenzt Platz zum Sonnen. Eine Gaststätte mit Terrassen lud schon damals zur Einkehr ein. Die offizielle Einweihung fand an einem Sonntag im Juni 1927 statt. 50 Pfennig kostete der Zugang, für einen Sitzplatz an den Tischen auf den beiden oberen Terrassen wurde eine Reichsmark fällig.

Heute wird das Areal rund um das ehemalige Uelfebad vor allem von Anglern, Modellbootfahrern und Spaziergängern genutzt. Viele ziehen ihre Runde um das Gewässer, verweilen auf der Holzbrücke oder betrachten das Kunstwerk „Uelfe_Display“ von Raymund Kaiser. Im Winter verwandelt sich die Fläche bei ausreichender Eisdicke sogar wieder in einen Ort für Freizeitvergnügen: Dann gibt die Stadt Radevormwald das Uelfebad offiziell als Eisbahn frei. Im Jahr 2012 fand das jedoch vorerst zum letzten Mal statt. Inzwischen friert das Uelfebad nur noch selten so fest zu, dass dieser Spaß möglich ist.