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AUDIO: Steuerhinterziehung: Experten sehen Defizite bei der Fahndung (3 Min)

Steuern

Stand: 30.07.2026 05:00 Uhr

Manipulierte Kassen, Scheinrechnungen, unversteuerte Auslandskonten – die Wege der Steuerhinterziehung sind vielfältig und kosten den Staat jedes Jahr Millionen Euro. Kurz vor Ablauf der Frist für die Steuererklärung stellen wir die Frage: Wie groß ist das Problem der Steuerhinterziehung in Mitteldeutschland?

von Uta Georgi, MDR AKTUELL

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Rico Deutschendorf betreibt seit über 15 Jahren als Fachanwalt für Steuerrecht in Leipzig eine eigene Kanzlei. Steuerstreit und Steuerstrafverteidigung gehören zu seinen Schwerpunkten. Darüber hinaus arbeitet er als Dozent für Steuerrecht.

So versuchen Unternehmen Steuern zu sparen

Zu seinen Mandanten gehören vor allem Unternehmer aber auch Arbeitnehmer, die mit den Finanzbehörden in Konflikt geraten sind: „Der typische Steuerkonflikt ist der, dass es bei einem unternehmerisch tätigen Mandanten eine Betriebsprüfung vom Finanzamt gibt.“

Das sehe dann in etwa so aus, beschreibt Deutschendorf: „Das Finanzamt rückt ein, dreht jeden Beleg um und findet dann irgendwelche Belege, die nicht in die Buchführung gehören. Also, eine private Jalousie wurde abgerechnet, ist tatsächlich im Privathaus eingebaut worden, aber landet auf Umwegen in der Betriebsbuchführung. Solche Fälle habe ich typischerweise auf dem Tisch.“ Das mit der Jalousie ist eines von vielen möglichen Beispielen für Steuerhinterziehung.

Millionenschäden durch Steuerhinterziehung

In Mitteldeutschland gehen dem Fiskus so jedes Jahr Millionen Euro verloren. In Sachsen waren es 2025 rund 61 Millionen, in Thüringen 28 Millionen Euro. Für Sachsen-Anhalt liegen bisher nur Zahlen für 2024 vor, da waren es mehr als 20 Millionen Euro.

Die Bandbreite beim Steuerbetrug sei groß, sagt Kilian Wegner. Er ist Professor an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, unter anderem für Wirtschaftsstrafrecht: „Zunächst gibt es alltägliche Steuertricks, die jeder kennt: In der Gastronomie, im Handwerk wird viel bar bezahlt und dann nie versteuert. Oder die Kasse wird so manipuliert, dass man Umsätze im Nachhinein wieder löscht. Auch sehr beliebt sind Scheinrechnungen, die man erstellt, um Ausgaben zu erfinden, die es nie gab und die man dann als Betriebsausgaben von der Steuer abziehen kann. Wenn es um die größeren Vermögen geht, dann gibt es so Bankkonten im Ausland, die dem Finanzamt nie gemeldet werden oder es werden heimlich Gewinne mit Kryptowährung wie Bitcoin gemacht.“

Hinzu kämen Erbschaften, die nicht gemeldet würden, so Wegner. Zum ganz großen Stil beim Steuerbetrug gehörten Umsatzsteuerkarusselle, wo Waren nur zum Schein verkauft würden. Außerdem Systeme wie Cum-Ex, wo Kapitalsteuer erschlichen werde, die aber nie gezahlt wurde. Dem Staat entgehen so Milliarden Euro. Die Dunkelziffer wird weit höher geschätzt.

Experten sehen Defizite bei der Steuerfahndung

Das bestätigt auch Fachanwalt Rico Deutschendorf. Er sagt, die Behörden seien definitiv überlastet: „Man erlebt das häufiger, dass ein Steuerstrafverfahren sich mal gerne über zwei bis vier Jahre hinzieht. Die sind überlastet, das merkt man schon. Wenn man dann Akteneinsicht bekommt und man merkt: Huch, hier ist ja seit ein bis zwei Jahren überhaupt nichts ermittelt worden. Oder es gibt mal einen Bearbeiterwechsel und die Akte bleibt dann ein Jahr lang liegen. Also solche Fälle gibt es häufiger.“

Prof. Kilian Wegner von der Uni Halle-Wittenberg sieht bei der Steuerfahndung viel Raum für Verbesserung. Jeder zusätzlich eingestellte Steuerfahnder spiele sein Gehalt um ein Vielfaches wieder ein, sagt Wegner. Außerdem: „Viel Potenzial wird auch verschenkt, wenn es um die Zusammenarbeit mit anderen Behörden geht. In Baden-Württemberg gibt es zum Beispiel eine neue Taskforce, wo Staatsanwaltschaft, Kriminalpolizei und Steuerfahndung ganz eng zusammenarbeiten – in denselben Räumlichkeiten und einem klaren gemeinsamen Auftrag. Das sind so Dinge, wo auch die mitteldeutschen Länder sich noch etwas abgucken können.“

Dies sei auch mit Blick auf Geldwäsche dringend geboten. Über das Ausmaß bei Geldwäsche in Mitteldeutschland tappe man ziemlich im Dunkeln, so Wegner. Es gebe dazu keine Zahlen. Das soll sich in Zukunft durch Forschungsprojekte ändern, die gerade an der Uni Halle-Wittenberg vorbereitet werden.