Claudia Alsdorf kennt US-Firmen gut. Bevor sie bei Schwarz Digits die Geschäftsführung für Business Development übernahm, arbeitete sie unter anderem bei Microsoft und SAP. Heute will sie mit Schwarz Digits den „souveränen Hyperscaler Europas“ aufbauen. Ein ambitioniertes Ziel, zumal die Konkurrenz aus den USA einen Vorsprung von über zehn Jahren hat, wie Alsdorf selbst im Podcast t3n Arbeit in Progress sagt.

Im Live-Podcast vom Käpsele Innovation Festival 2026 in Freiburg spricht sie über den Wechsel von Microsoft zu Google, Souveränitäts-Washing und die Frage, wie viel Zeit Europa noch bleibt. Das Interview ist gekürzt, das vollständige Gespräch gibt es kostenlos in der verlinkten Podcast-Folge.

t3n: Claudia, was bedeutet digitale Souveränität für dich konkret?

Claudia Alsdorf: Dass wir immer eine Wahl haben, dass wir vom Verhandlungstisch aufstehen können und dass der andere das auch weiß. Das bedeutet auch nicht eine ideologische Verteufelung von amerikanischer Technologie. Aber es bedeutet Handlungsfreiheit.

Schwarz Digits arbeitet trotzdem mit Google zusammen. Wie kann das digital souverän sein?

Die Schwarz-Gruppe mit 600.000 Mitarbeitern weltweit war einer der größten Microsoft-Kunden. Wir waren dann Leidtragende einer plötzlichen Preiserhöhung. Für eine Gruppe, die quasi ihre Margen bei der vierten Nachkommastelle nach der Null beim Joghurt erwirtschaftet, sind elf Prozent Preiserhöhung heftig. Microsoft hat gesagt: Keep it or leave it. Also haben wir Alternativen gesucht, die wir möglichst schnell realisieren können, und sind auf eine Google gestoßen, die Verhandlungsspielraum gezeigt hat. Wir haben gemeinsam eine Lösung entwickelt und stellen sicher, dass im Falle eines Eingreifens unter dem US-Cloud-Act, bei einem sogenannten Kill-Switch – wie es der Internationale Gerichtshof in Den Haag erfahren hat – immer die volle Kontrolle über unsere Daten haben.
Wir spiegeln alle Daten, mit denen wir arbeiten, immer auf unserer souveränen Stackit-Cloud. So haben wir immer einen Plan B. Auch das ist digitale Souveränität: Handlungsfreiheit und stets einen Plan B.

Es gibt den Begriff des Souveränitäts-Washings – etwa wenn US-Anbieter Server nach Europa holen, aber als US-Firma weiterhin auf die Daten zugreifen können. Wie stehst du dazu?

Das kann leicht passieren und wird sehr gerne als Marketing-These instrumentalisiert, weil nicht unterschieden wird zwischen: Wo stehen die Datenzentren? Und wo werden die Daten verarbeitet? Bei den amerikanischen Unternehmen geht die Datenverarbeitung zwangsläufig immer über den Teich, auch wenn es nur Telemetrie- oder Maintenance-Daten sind. Aufgrund des US-Cloud-Act kann es aus verschiedenen Gründen zu einem Abschalten kommen. Wenn die Datenzentren in Europa stehen, ist das ein guter Anfang. Aber niemand von diesen Unternehmen kann verhindern, dass die Datenverarbeitung dann doch nicht in Europa stattfindet.

Wo seht ihr gerade Grenzen bei euren Projekten, wo wärt ihr gern weiter?

Im Public Sector, der öffentlichen Verwaltung. Deutschland liegt, was die Digitalisierung angeht, wirklich weit hinten dran und hat damit mittlerweile  auch einen Wettbewerbsnachteil. Gerade in dem Bereich haben wir mit der Initiierung eines Digitalisierungsministeriums durchaus Fortschritte gemacht. Da gibt es mittlerweile ein klares, wichtiges Bekenntnis der deutschen Regierung und der EU, als soganannter Ankerkunde souveräne Technologielösungen einzukaufen. Es gibt viele Rahmenverträge.

Dann kannst du dich ja eigentlich zurücklehnen, da muss das Geschäft doch brummen, oder?

Der Teufel liegt im Detail: Cloud an sich ist ja noch keine Anwendung, das ist Infrastruktur. Die Kommunen und Länder können mit einer reinen Cloud-Plattform erstmal gar nichts anfangen. Genau das wird aber gerade ausgeschrieben. Ein Stück weit lässt man sie in dem Prozess allein, denn sie brauchen gebündelte Anwendungen, die direkt einsetzbar sind. Keine kommunale Verwaltung ist in der Lage, auf eine Cloud einfach irgendeine Anwendung zu implementieren.

Das ist doch genau euer Zukunftsbereich, oder?

Ja, daran arbeiten wir. Deswegen haben wir ein großes Partnernetzwerk geschnürt, unter anderem mit SAP, ServiceNow und im Bereich Cyber Security.

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Wie ist es mit der europäischen Konkurrenz, gibt es einen harten Wettbewerb? Rennt ihr sehr Google und Microsoft hinterher?

Die Konkurrenz gegenüber den nicht-europäischen Hyperscalern ist groß. Die hatten über zehn Jahre Zeit, an ihrem Produkt zu feilen. Ich war lange bei Microsoft, ich weiß genau, welcher Aufwand dahintersteht und wie polished das Produkt mittlerweile ist. Können wir bei jeder Funktionalität mithalten? Nein, sicherlich nicht. Die Frage ist aber: Braucht es wirklich alles, was dort angeboten wird? Die Konkurrenz ist da, aber das Momentum gerade in Europa. 70 Prozent des europäischen Cloud-Marktes werden von drei nicht-europäischen Marktführern kontrolliert. Die kontrollieren damit unsere komplette digitale Infrastruktur in Europa, das können wir nicht zulassen. Da beginnt ein Umdenken. Aber es entwickeln sich auch mehr innereuropäische souveräne Cloud-Anbieter. Und das ist für uns fast noch schwieriger. Wir haben ein Zeitfenster von wahrscheinlich zwölf bis 24 Monaten, in dem sich die Marktanteile im souveränen Cloud-Bereich sondieren.

Glaubst du, in Zukunft kann Zusammenarbeit zwischen den USA und Europa funktionieren oder muss sich Europa mehr im
Technologiebereich abkapseln?

Ich glaube, abkapseln ist immer eine schlechte Idee. Kooperationen, globale Kooperationen, das ist ja quasi der Kern einer funktionierenden, sicheren und vertrauenswürdigen Globalisierung. Die lässt sich auch nicht zurückdrehen. Es gab mal in den 80er Jahren, getriggert damals durch den Bericht des Club of Rome, den Begriff Cloak: global denken, aber lokal handeln. Und ich glaube, das war damals schon sehr weise. Wir haben das leider ein Stück weit vergessen. Lokale Selbstbestimmtheit und gleichzeitig das globale mitdenken, das ist, was uns in Zukunft extrem am Herzen liegen sollte, damit wir eben die unterschiedlichen Probleme auch bewältigen können.

Was braucht es für eine faire Zusammenarbeit?

Im Bereich Technologie ein klares Bekenntnis der EU und der nationalen Regierungen, digitale Souveränität nicht als Compliance-Pflicht zu verstehen, sondern als Wettbewerbsvorteil. Diese Denkweise hat sich zum Teil durchgesetzt, aber teilweise aus Angst. Die Schweizerische Armee hat sich gerade entschieden, Microsoft 365 abzuschaffen und auf eine souveräne Lösung zu gehen. Es gab ganz viele andere Beispiele, wo einfach eine Sackgasse gesehen wurde, aus der man schnell raus muss. Das ist der falsche Weg. Wenn aus Angst reagiert wird oder der Leidensdruck groß genug ist, denkt niemand mehr strategisch. Ich würde mir wünschen, dass Regierungen vorausschauend agieren und Risiken einschätzen. Das totale Abschotten von Amerika wäre der falsche Weg.

Auch du musst in deiner Rolle langfristig planen. Du hast eben gesagt, von Angst getrieben sollte man nicht handeln. Was ist dein Antrieb?

Ich würde einem Kunden auch niemals raten, funktionierende Systeme sofort komplett umzuziehen: kostet unfassbar viel Geld, generiert Instabilität sowohl auf der IT-Seite als auch im Unternehmen selbst, die unter Umständen nur sehr schwer händelbar sind. Macht euch stattdessen eine Roadmap für die nächsten ein bis drei, drei bis fünf, bis zu zehn Jahre. Und entscheidet auf Unternehmensebene, nicht in der IT-Abteilung – die will in der Regel nie etwas ändern.

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Dieser Text wurde mithilfe unseres redaktionsinternen KI-Tools erstellt.