Stand: 18.05.2025 09:16 Uhr

Rosenkavalier trifft Passionsspiele. So geschehen bei der letzten Opernpremiere in der Intendanz von Laura Berman an der Staatsoper Hannover. Der Oberammergauer Regisseur Christian Stückl hat die Opern-Komödie von 1911 ins Heute übersetzt.

von Agnes Bührig

Es geht um die Liebe – im Schlafzimmer und in Verhandlungen in der Lobby eines Hotels, am Rand eines Pools. Sophie soll gewinnbringend für ihren Vater an den Baron Ochs auf der Lerchenau verheiratet werden. Doch der verhält sich so sexuell übergriffig, dass sie entsetzt das Weite sucht. 

Es ist nicht die einzige Altherren-Attitüde, die ins Heute übersetzt werden muss. „Es geht gleich am Anfang der Vorhang auf und ein schwarzer, junger Mann bringt was zum Frühstücken – den lässt man natürlich heute weg“, sagt Regisseur Christian Stückl. „Da steht also das eigenartige N-Wort, dann heißt der auch noch Mohammed. Man kann also viele Geschichten, die so einfach da drin stehen, nicht mehr in der Form erzählen.“

Naturalistische Inszenierung plus jede Menge Walzermusik

Christian Stückl, seit mehr als 20 Jahren Intendant des Münchner Volkstheaters, inszeniert den Stoff mit Stefan Hageneier, der für Bühne und Kostüme steht, naturalistisch. Hohe längsgestreifte Wände mit ebenso hohen Türen lassen sich in den drei Akten immer wieder anders kombinieren und ermöglichen Auf- und Abtritte wie im Boulevardtheater. Dazu kommt überzeichnete Mimik, etwa, wenn sich Sophie wie in Zeitlupe ihrem neuen Verehrer Octavian über den Rosenkavalier-Strauß hinweg den ersten Kuss gibt. Lakaien haben Zombie-Frisuren, Zimmermädchen werden zu Sexarbeiterinnen in Lack und Strapsen. 

Der Bass Martin Summer gibt einen kraftvollen Macho-Baron Ochs auf der Lerchenau, Meredith Wohlgemuth legt einen überzeugenden Wandel der Sophie hin – von der verzagten fast Vergewaltigten mit leiser Stimme bis zu einer Frau, die lernt, sich für ihre Bedürfnisse einzusetzen und die Stimme zu erheben. Mezzosopranistin Anne Marie Stanley gestaltet sowohl einen burschikosen Octavian mit Stummfilm-Qualitäten wie eine kokette Kammerzofe, die den Baron in die Falle lockt. Dazu kommt jede Menge Walzermusik.     

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Herzzerreißendes Happy End und begeisterter Applaus

Getanzt wird Walzer im Rosenkavalier von Hannover nur wenig, obwohl der Dreivierteltakt oft einsetzt, viel Wiener Walzer erklingt. Richard Strauss nutzte unter anderem ein Thema von Josef Strauss‘ Walzer „Dynamiden – Geheime Anziehungskräfte“. Und diese werden auch bei Baron Ochs intuitiv geweckt, wenn er die wiegende Musik vernimmt.

„Ich finde es ganz witzig“, meint Regisseur Stückl, „dass der Ochs immer dann, wenn der Walzer kommt, hergeht und zu dem Walzer anfängt zu singen und sagt, das ist meine Musik. Irgendwie ist diese Musik immer schwülstig und irgendwie an Frauen ranmachend.“ Am Ende gibt es ein herzzerreißendes Happy End für Sophie, die ihren Octavian bekommt, was zum Schluss der Oper mit begeistertem Applaus belohnt wird. 

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„Rosenkavalier“ in Hannover: Neuauflage im Dreivierteltakt

Der Oberammergauer Regisseur Christian Stückl hat die Opern-Komödie an der Staatsoper Hannover von 1911 ins Heute übersetzt.

Art:
Bühne
Datum:
23.05.2025, 18:30 Uhr
Ort:

Staatsoper Hannover
Opernplatz 1
30159 Hannover

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur |
Der Sonntag |
18.05.2025 | 10:20 Uhr

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Oper

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