Zum sechsten Mal in Folge seit 2020 wurden im vergangenen Jahr der Immissionsgrenzwert für Stickstoffdioxid an allen Messstellen im Wuppertaler Stadtgebiet eingehalten. Der Grenzwert im das Jahresmittel für diesen Stoff liegt bei 40 Mikrogramm – noch. Denn ab 2030 werden die Grenzwerte der EU verbindlich, dann gilt für Stickstoff ein Grenzwert von 20 Mikrogramm. Diesen einzuhalten dürfte an einigen Stellen in Wuppertal künftig nicht einfach sein, wie im aktuellen Luftmessbericht der Stadtverwaltung ablesbar ist.

Zwei Messstellen
des Landes NRW

Das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima (LANUK) ist für die messtechnische Erfassung und Überwachung der Luftqualität in NRW zuständig. So werden im Wuppertaler Stadtgebiet an zwei Landesmessstellen – eine an der Gathe, eine in Langerfeld – unter anderem Messungen für Feinstaub (PM10 und PM2,5) und Stickstoffdioxid (NO2) durchgeführt. Die Stadt hat eigene Messstellen in Form von 33 sogenannten Passivsammlern, an denen Stickstoffdioxid gemessen werden kann. NO2 tritt hauptsächlich durch motorisierten Straßenverkehr auf, entsteht aber auch in der Landwirtschaft. Hauptbelastungsschwerpunkte im Stadtgebiet mit NO2-Jahresmittelwerten über 30 Mikrogramm sind nach wie vor der Steinweg, die Westkotter Straße, die Briller Straße und die Gathe. In langjähriger Betrachtung ist die Stickstoffkonzentration aber gerade an diesen Stellen am stärksten zurückgegangen. Die niedrigsten Jahresmittelwerte wurden an den Hintergrundmessstationen an der Blücherstraße, in Langerfeld, am Schusterplatz, im Bereich Schraberg und an der Bundesallee mit Konzentrationen zwischen 14 und 17 Mikrogramm pro Quadratmeter gemessen.

Im Vergleich zum Vorjahr 2024 liegen laut jüngstem Bericht nahezu an allen Messpunkten geringere Stickstoff-Belastungen vor. „Die Messwerte zeigen, dass sich der mehrjährige Trend stetig abnehmender NO2-Konzentrationen im Stadtgebiet, nach einer Stagnation im Jahr 2024, im Jahr 2025 erneut fortsetzte“, teilt Anja Miethke von der städtischen Umweltplanung mit. Eine Ausnahme bilde der Messpunkt 24 in der Staasstraße in Ronsdorf, dort ist der Wert signifikant höher. „ Welche Ursachen diese höhere Luftschadstoffbelastung bedingen, ist unklar, da es laut Straßenverkehrsbehörde im Jahr 2025 keine größeren Baustellenaktivitäten dort gab“, so Miethke.

WHO-Grenzwerte
werden überschritten

Im Jahresmittel 2025 lagen an den beiden Landesmessstellen auch die Feinstaubwerte – sowohl die PM10- als auch die PM2,5-Konzentrationen – deutlich unterhalb der Beurteilungswerte. Die Grenzwerte laut Bundes-Immissionsschutzgesetz wie auch die von der EU vorgeschlagenen Werte werden in Wuppertal eingehalten, die strengeren Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO werden momentan aber noch überschritten. Bereits vor Inkrafttreten der künftigen Grenz- oder Zielwerte ab dem Jahr 2030 sind die EU-Mitgliedsstaaten nach der neuen Luftqualitätsrichtlinie verpflichtet, innerhalb von zwei Jahren sogenannte Luftqualitätsfahrpläne aufzustellen, wenn Überschreitungen zwischen 2026 und 2029 festgestellt werden. „Erste Analyseergebnisse zeigen, dass auch Wuppertal 2027 unter der Federführung der Bezirksregierung einen Luftreinhaltefahrplan aufstellen muss“, weiß Anja Miethke. In zehn Straßenzüge in Wuppertal ist eine NO2-Grenzwertüberschreitung im Jahr 2030 wahrscheinlich. An weiteren sechs Straßenzügen könne eine Grenzwertüberschreitung 2030 nicht ausgeschlossen werden, darunter die Friedrich-Ebert-Straße und die Varresbecker Straße.

Anja Liebert, die dem Umweltausschuss des Wuppertaler Stadtrats vorsitzt, sieht keinen Grund zur Entwarnung. „Die aktuellen Zahlen zu den Schadstoffwerten in der Luft lassen nicht aufatmen. Auch wenn die Grenzwerte im Jahresdurchschnitt eingehalten werden, ist die Belastung an der Gathe, der Briller Straße, dem Steinweg und der Westkotter Straße weiterhin besorgniserregend.“ Die gesundheitliche Belastung, insbesondere für Kinder und Menschen mit Atemwegserkrankungen, sei hoch. Liebert: „Deshalb begrüße ich es, dass die Messwerte durch die EU-Vorgaben verschärft werden. Wuppertal muss sich weiter anstrengen und mit Temporeduzierung, baulichen Maßnahmen, guten Fuß- und Radwegen und besserem ÖPNV die Stickoxidwerte weiter senken.“