Es war keine Selbstverständlichkeit, dass nach dem Henkel-Preis der Diana die deutsche Nationalhymne intoniert wurde. Denn als heiße Favoritin war die aus Frankreich angereiste Lapotheose an den Ablauf gekommen, doch war dann doch eine deutsche Stute schneller. Denn das wichtigste Rennen des Jahres auf der Galopprennbahn in Grafenberg blieb vor 18.000 Zuschauern im Lande: Soreanga, trainiert von Andreas Wöhler in Gütersloh, setzte sich nach einem bestens eingeteilten Rennen souverän gegen die Französin durch.

„Es war perfekt“, war der Kommentar von Jockey Eduardo Pedroza, der wenige Tage nach seinem 52. Geburtstag seinen fünften Sieg in dem mit 500.000 Euro dotierten Klassiker feierte, „mit der Startbox fünf hatte ich eine ideale Ausgangsposition und war schon in der ersten Kurve da, wo ich sein wollte.“ Am Ende war es eine klare Angelegenheit für die Mitfavoritin, die dem zwischen Bremen und Hamburg gelegenen Gestüt Fährhof gehört. „Dafür macht man es, ein sehr emotionaler Moment“, freute sich Gestütschef Andreas Jacobs. Der letzte Erfolg der renommierten Zuchtstätte in der „Diana“ liegt schon Ewigkeiten zurück, das war 1994, als das Rennen noch in Mülheim ausgetragen wurde. Das war noch in den Zeiten von Walther J. Jacobs, Großvater von Andreas, Unternehmer in der Kaffeebranche, legendärer Besitzer und Züchter im Galopprennsport. Zu seiner Zeit waren vierbeinige Fährhofer wie Acatenango und Lomitas wahre Publikumsmagneten.

Soreanga hatte im Frühjahr Entwicklungsprobleme, Andreas Wöhler, 62, musste das Trainingspensum herunterschrauben, beim ersten Saisonstart enttäuschte sie in Berlin, gewann dann aber ein wichtiges Vorbereitungsrennen in Hamburg. „Seitdem hat sie noch einmal einen Sprung gemacht“, meinte der Trainer, der schon zum siebten Mal die Diana-Siegern stellte. Am Ende waren es satte dreieinhalb Längen Vorsprung, die Soreanga auf Lapotheose hatte. „Wir sind trotz der Niederlage zufrieden“, meinte deren Trainer Yann Barberot zu der Stute die zuvor in Frankreich ein Qualifikationsrennen für die „Diana“ gewinnen konnte, deshalb ohne das sonst übliche Startgeld von 6.000 Euro antreten durfte. „Wir sind quasi für nichts gelaufen und haben 100.000 Euro verdient“, sagte Barberot, „das hatte doch seine Ordnung.“

Hinter den beiden Erstplatzierten war es Trainer Andreas Suborics, der mit Noble Lips und Gua Lipa mit seinen Pferden die Plätze drei und vier belegte. „Ich habe schon geglaubt, dass Noble Lips die Bessere ist“, war sein Kommentar, gewonnen hat sie noch nie, aber mit dem dritten Platz gab es gutes Geld. Allerdings waren es nicht alle, die zufrieden das Rennen kommentierten. Denn die zweite Favoritin Night Breath mit der Schweizerin Sibylle Vogt im Sattel hatte im 15köpfigen Feld einen extrem schlechten Rennverlauf, endete schließlich nur auf Rang sechs. Trainer Marcel Weiß schluckte den Ärger herunter und nahm es fatalistisch. „Es ist halt der Preis der Diana, da benötigt man viel Glück.“

Kollege Andreas Wöhler hatte es an diesem Tag schon gepachtet. Denn er gewann mit Sommersby mit dem Fritz Henkel-Preis auch das zweite Hauptereignis des Tages, auch er wurde von Eduardo Pedroza geritten. Der Siegpreis wird in die Schweiz überwiesen, dort leben die Besitzer und Züchter Sandra Lony und Gerhard Moser. Der klare Favorit Best Lightning belegte nur den letzten Platz. Das dürfte am Biorhythmus liefen, denn im Monat August hat der schon so oft in Düsseldorf siegreiche Achtjährige noch nie ein Rennen gewonnen.