Ein Radweg, der erst vor wenigen Jahren eingerichtet wurde, soll wieder verschwinden: Auf der Straße Unter den Eichen in Steglitz-Zehlendorf wird die Verkehrsführung erneut geändert. Während der Senat mit weniger Staus und einem besseren Busverkehr argumentiert, sorgt die Entscheidung für Kritik.

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Eine Verkehrsführung, die seit Jahren für Diskussionen sorgt, wird wieder verändert: Auf der Straße Unter den Eichen in Steglitz-Zehlendorf soll die 2020 eingerichtete Radverkehrsanlage auf einem Fahrstreifen zurückgebaut werden. Die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt hat dem Bezirk nun eine entsprechende verkehrsrechtliche Anordnung erteilt.

Betroffen ist der rund 600 Meter lange Abschnitt zwischen Am Fichtenberg und Willdenowstraße. Künftig sollen dort wieder zwei Fahrstreifen für den motorisierten Verkehr zur Verfügung stehen. Für Radfahrende ist stattdessen ein gemeinsamer Geh- und Radweg vorgesehen.

Senat verweist auf Staus und Verzögerungen beim Busverkehr, ADFC widerpricht

Die Verkehrsverwaltung begründet die Änderung vor allem mit den Auswirkungen auf den Verkehrsfluss. Die 2020 eingerichtete Radverkehrsführung habe nach Angaben des Senats zu regelmäßigen Rückstaus auf der Bundesstraße 1 geführt. Besonders der stadtauswärtige Verkehr sei betroffen gewesen, teilweise auch im Bereich der Kreuzung mit der Autobahn A 103.

Auch der Busverkehr habe unter der Fahrstreifenreduzierung gelitten. Die Freigabe der Radverkehrsanlage für Busse habe die entstandenen Verzögerungen nicht vollständig ausgleichen können. Mit der neuen Verkehrsführung soll die Leistungsfähigkeit der wichtigen Verbindung wieder verbessert werden.

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) widerspricht dieser Einschätzung jedoch. Der Verband argumentierte zuletzt, dass die Stauursachen nicht allein auf die Radverkehrsanlage zurückzuführen seien und verweist darauf, dass auch auf der gegenüberliegenden Straßenseite mit zwei Fahrstreifen regelmäßig Rückstaus auftreten. Eine zusätzliche Autospur löse die grundsätzliche Überlastung der Strecke daher aus Sicht des ADFC nicht.

Kritik an Rückbau in Berlin mit Radwege-Defizit

Die Entscheidung dürfte erneut eine Debatte über die Prioritäten der Berliner Verkehrspolitik auslösen. Denn während der Senat mit einer besseren Verkehrsabwicklung argumentiert, steht der Rückbau einer Radverkehrsanlage im Gegensatz zu den politischen Zielen, den Radverkehr auszubauen und sicherer zu machen.

Gerade geschützte Radverkehrsanlagen gelten als wichtiger Bestandteil einer sicheren Infrastruktur. Doch es fehlen weiterhin viele durchgängige Verbindungen, während neue Projekte häufig lange Planungs- und Umsetzungszeiten benötigen. Die Frage, ob bestehende Flächen zugunsten des Autoverkehrs wieder freigegeben werden sollten, sorgt deshalb regelmäßig für Konflikte.

Für das Jahr 2025 meldete die Senatsverwaltung 20,5 Kilometer neue Radwege; weniger als im Vorjahr und deutlich weniger als ursprünglich in Aussicht gestellt.

Neu gebaute Radwege in Berlin in Kilometern (2020 bis 2026). Der Rückgang von 53,6 km im Jahr 2020 auf geplante 8,1 km im Jahr 2026 verdeutlicht die zunehmende Stagnation des Radwegausbaus. / © Abbild: ENTWICKLUNGSSTADT

Unter den Eichen: Neue Verkehrsführung soll beobachtet werden

Die Senatsverwaltung verweist darauf, dass die Maßnahme nicht dauerhaft ohne Überprüfung bleiben soll. Die Umsetzung durch den Bezirk Steglitz-Zehlendorf werde begleitet, anschließend solle die Verkehrssituation auf dem Abschnitt weiter beobachtet werden.

Ob die zusätzliche Fahrspur tatsächlich für weniger Staus sorgt, wird sich erst nach der Umsetzung zeigen. Der Fall Unter den Eichen macht jedoch einen grundsätzlichen Konflikt sichtbar: Während Berlin den Radverkehr eigentlich ausbauen und sicherer machen will, werden bestehende Flächen weiterhin zugunsten des motorisierten Verkehrs neu verteilt. Auch deshalb dürfte die Verkehrspolitik im Vorfeld der Berliner Wahlen zu einem der umstrittenen Themen werden: Die Frage, wie der begrenzte Straßenraum künftig verteilt wird, betrifft viele Berlinerinnen und Berliner unmittelbar.

 

Quellen: Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, ADFC Berlin