Sie summen um den Kuchen, krabbeln in die Limonade und sorgen für Unruhe beim Essen im Freien: Besonders im Spätsommer können Wespen am Esstisch zur echten Plage werden. Warum das so ist, wie Sie die Tiere am besten verscheuchen und welche Tipps gar keine Wirkung haben, verraten eine Wespenberaterin aus Halle und ein Imker aus Bielefeld.
Warum kommen Wespen überhaupt an den Tisch?
„In Deutschland gibt es über 700 Wespenarten, etwa 50 davon kommen auch in unserer Region vor“, erklärt Bianca Zessin. Sie ist Wespen- und Hornissenberaterin aus Halle und kennt sich bestens mit den schwarz-gelben Tierchen aus. Von den zahlreichen Wespenarten seien es nur zwei, die uns beim Frühstück oder Grillen im Garten tatsächlich auf die Nerven gehen: die gewöhnliche Wespe (auch Gemeine Wespe) und die Deutsche Wespe.
Besonders im Spätsommer werden sie aufdringlich – aus gutem Grund. Die Wespen-Larven benötigen eiweißreiche Nahrung, weshalb die Arbeiterinnen nach Fleisch und Wurst suchen. „Die erwachsenen Tiere brauchen hingegen vor allem den Zucker“, so die Fachfrau. Daher ziehen auch Kuchen, reifes Obst und süße Getränke die Wespen magisch an.
Warum fliegen Wespen nicht nur Essen, sondern auch Menschen an?
Im Sommer werden Wespen vermehrt von süßen Speisen im Freien angelockt. Das kann lästig werden. Wir verraten, wie Sie mit den Tieren am besten umgehen.
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Dabei können die Insekten ganz schön aufdringlich sein. Viele Menschen geraten in Panik, wenn die Tiere näher kommen, vielleicht sogar direkt auf einen zufliegen. „Die Wespe hat ein ganz großes Problem: Sie ist kurzsichtig“, weiß Zessin. Nicht einmal auf 50 Zentimeter könne eine Wespe erkennen, ob es sich um einen Menschen oder etwas Leckeres zu essen handele.
Wespen fliegen nah ran, um auszukundschaften, wo es etwas zu essen gibt. „Gepaart mit dem nervösen Flugstil kann das bedrohlich wirken. Man sollte aber unbedingt stillhalten“, rät die Wespenexpertin.
Diese Panik vor der Wespe kennt auch Norbert Gerth aus seinem Arbeitsalltag. Der Imker aus Bielefeld-Dornberg ist auch als ehrenamtlicher Wespen- und Hornissenberater unterwegs und will aufklären. „Eine Wespe sticht normalerweise nicht aus Bosheit“ – kritisch werde es erst, wenn sich das Tier durch wildes Herumfuchteln bedroht fühle. Besser sei es, ruhig zu bleiben, langsame Bewegungen zu machen und dem Tier einen freien Abflug zu ermöglichen.
Hausmittel gegen Wespen im Realitätscheck
Tipps und Tricks um Wespen vom Tisch zu vertreiben gibt es wie Sand am Meer. Vor allem im Internet wird man schnell fündig. Von Kaffeepulver über Kupfermünzen bis hin zum Wassernebel – was hilft denn nun wirklich und was ist völliger Quatsch?
- Kaffeepulver anzünden: Davon raten Experten ab. Die Wirkung ist nicht zuverlässig belegt, der Rauch kann Menschen reizen und es besteht Brandgefahr. „Das vertreibt eher die Gäste, als die Wespe“, sagt Zessin – ein Tipp, der laut den Wespenberatern nicht funktioniert.
- Duftstoffe: Ätherische Öle, Zitronen oder Gewürznelken – etliche Düfte sollen angeblich für Wespen unangenehm sein und die Tiere vertreiben. „Einzelne Gerüche können Wespen kurzfristig irritieren, die Wirkung ist jedoch unzuverlässig und meist nur von kurzer Dauer“, erklärt Gerth. Außerdem könnten ätherische Öle zudem Haut und Atemwege der Menschen reizen und für manche Haustiere problematisch sein. „Die Wespen riechen den Zucker und die Proteine am Tisch viel stärker“, sagt Zessin und rät von jeglichen Geruchsmethoden ab.
- Kupfermünzen: In der warmen Hand gerieben und auf den Tisch gelegt sollen rote Geldmünzen einen für die Wespe unangenehmen Duft verströmen. Dahinter steckt das gleiche Prinzip wie bei den übrigen Duftstoffen: Mit den Kupfermünzen soll der Geruch von Zucker und Proteinen übertüncht werden. Laut den Experten keine effektive Methode.
- Wespennest-Attrappen: Eine Wespennest-Attrappe oder zusammengeknüllte braune Papiertüten sollen vorgaukeln, dass sich am Tisch ein Wespennest befindet. Fremde Wespen könnten dann Abstand nehmen – doch für eine verlässliche abschreckende Wirkung gibt es keine überzeugenden wissenschaftlichen Belege. „Als zuverlässige Maßnahme zur Wespenabwehr sind diese Attrappen ungeeignet“, ordnet Gerth ein.
- Wespe anpusten: Auf diese Methode sollte man unbedingt verzichten. „Die ausgeatmete Luft enthält viel Kohlendioxid“, erklärt Zessin. Das alarmiert die Wespe, sie fühlt sich bedroht und kann in der Folge aggressiv werden.
- Wassernebel: Beim Einsatz der Sprühflasche mit feinem Wassernebel sind sich die Experten uneinig. „Ein feiner Sprühnebel aus einer sauberen Sprühflasche kann tatsächlich funktionieren“, sagt Gerth. Unter der Bedingung, dass die Wespe den feuchten Niederschlag möglicherweise als einsetzenden Regen wahrnimmt und sich zurückzieht. Zessin hält von der Methode hingegen nichts. „Sobald die Flügel nass sind, kann die Wespe nicht mehr fliegen“, das sei keine gute Option.
Das hilft wirklich gegen Wespen: Abdecken und Ablenken
Norbert Gerth ist ehrenamtlicher Wespen- und Hornissenberater. Er zeigt Hilfsmittel zur Vermeidung von Nestern.
| © Gina Köhler
Futterquellen abdecken und entfernen
„Am wirksamsten ist es, möglichst wenig anzubieten“, erklärt Gerth. Speisen und Getränke sollten konsequent abgedeckt und Essensreste zügig abgeräumt werden.
Auch ein Kompost oder Fallobst im Garten können die Tiere auf Futtersuche anlocken. „Sind sie erst einmal im Garten, verirren sie sich auch schneller an den Esstisch“, weiß Zessin. Sie rät: Fallobst möglichst aufsammeln und den Kompost geschlossen halten.
Auch an süßen Getränken zeigen Wespen großes Interesse. Eine Ablenkungsfütterung kann die Tiere vom Esstisch fernhalten.
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Ablenkungsfütterung
Steht die nächste Gartenparty an, kann auch eine sogenannte Ablenkungsfütterung helfen. Einfach einen Teller oder eine Schale mit etwas Speck und überreifem Obst im Garten möglichst weit entfernt vom Esstisch platzieren. „Zwei bis drei Tage vorher sollte ich damit schon starten“, erklärt die Expertin.
Anders als Bienen würden Wespen im Stock nicht kommunizieren, wo sie ihr Futter finden. Jede Wespe ist also eigenständig auf Futtersuche und wird vom Zuckergeruch angelockt. Ist eine Wespe fündig geworden, kommt sie immer wieder zur Fundstelle zurück. „In der Regel braucht ein Tier etwa 15 bis 20 Minuten, bis es wieder da ist“, schätzt Zessin.
Einen Haken hat die Sache mit der Ablenkung also: Wer ständig füttert, riskiert, dass sich die Tiere den Ort merken, pudelwohl fühlen und regelmäßig zurückkehren. „Eine dauerhafte Lösung ist das nicht“, meint auch Gerth.
Darf ich eine Wespe töten?
Wespen dürfen nach dem Bundesnaturschutzgesetz nicht ohne vernünftigen Grund getötet werden. Das vorsorgliche Erschlagen eines Tieres, nur weil es am Tisch vorbeischaut, zählt nicht darunter. „Das ist weder notwendig noch sinnvoll“, erklärt Gerth. Rechtlich problematisch wird es beim Wespennest, das darf ohne Weiteres nicht einfach entfernt werden.
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Ein einzelnes Tier kann laut dem Imker vorsichtig mit einem Glas und einer darunter geschobenen Karte eingefangen und einige Meter entfernt freigelassen werden. Auch Insektenfallen seien verboten – „darin sterben Tiere qualvoll, häufig auch andere Insekten.“
Wespen: Unliebsame Gäste am Tisch – Nützlinge im Garten
Nervig am Esstisch, nützlich im Garten: Wespen helfen beim Bestäuben der Blüten und jagen Mücken, Raupen und Blattläuse.
| © Symbolbild: Pexels
Kommt eine Wespe an den Tisch, ist der wichtigste Rat: Ruhe bewahren, Lebensmittel abdecken und das Tier nicht provozieren. Die meisten Konflikte zwischen Menschen und den gelb-schwarzen Fluginsekten lassen sich dadurch vermeiden. Außerdem können die unliebsamen Gäste durchaus nützlich sein: „Wespen sind hervorragende Schädlingsbekämpfer“, erklärt Zessin. Sie erbeuten Fliegen, Mücken, Raupen und Blattläuse. Außerdem bestäuben sie nebenbei auch die Blüten im Garten.
INFORMATION
Wespen- & Hornissenberatung
Sie haben ein Wespen- oder Hornissennest bei sich zu Hause entdeckt? Eine erste Beratung wird in OWL von den Kreisen und der kreisfreien Stadt Bielefeld angeboten. Hier finden Sie jeweils mehr Informationen zur Wespen- und Hornissenberatung:



