Der Rekord-Tiefstwert wurde am Samstagvormittag erreicht. Um 11 Uhr zeigte die Pegeluhr 22 Zentimeter an, kurz darauf sank er sogar noch auf 20 Zentimeter. Der Rekord von 2018 war damit unterboten. Und die Frage liegt bei solchen Zahlen ja tatsächlich nah – kann man nun durch die Wasserstraße etwa von der Altstadt nach Oberkassel laufen?
Bei allen Schwierigkeiten, die die Rheinkirmes-Fähre kürzlich beim großen Volksfest auf der Oberkasseler Rheinwiese hatte, hätte ein Fußweg von einem Ufer zum anderen auf manche sicherlich verlockend gewirkt. Doch die rund 20 Zentimeter Pegelstand müssen dafür eingeordnet werden. Es handelt sich dabei nämlich nicht um die tatsächliche Wassertiefe des Flusses, auch wenn es nah am Ufer durchaus so aussehen kann, als würde man maximal schienbeintief darin stehen und problemlos rüberwaten können. Die tatsächliche Wassertiefe errechnet sich laut Stadt Düsseldorf durch die folgende Formel: Pegelstand + 250 Zentimeter – GLW = Wasserstand in der Fahrrinne in Zentimeter. Der Wert für GLW (Gleichwertiger Wasserstand) liegt in Düsseldorf bei 91 Zentimetern, ergibt nach Adam Riese bei einem Pegel von 20 Zentimeter also eine Wassertiefe von 1,79 Meter. Am frühen Montagnachmittag zeigte die Pegeluhr dann wieder 24 Zentimeter an, sodass die Wassertiefe sogar bei über 1,8 Metern liegt.
„Zu Fuß durch den Rhein laufen – nee“, sagt deshalb auch ein Sprecher der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) des Bundes. Zwar veränderten sich die Fließgeschwindigkeiten des Stroms durchaus, „aber das geht ja nicht auf null zurück“, so der Sprecher, die Strömung sei nach wie vor vorhanden. „Der Rhein fließt weiter und wird auch weiter fließen“, sagt er. Es empfiehlt sich also weiterhin nicht, den Fluss als Freibad misszuverstehen – ein Spaziergang dadurch schon gar nicht.
Zumal der Rhein natürlich eine Wasserstraße bleibt und das eine oder andere Schiff einem in den Weg kommen könnte – doch wie lange können diese überhaupt noch auf dem Rhein fahren? „Es gibt keine behördliche Einschränkung der Schifffahrt“, sagt der WSV-Sprecher. „Wenn wir den Schiffsverkehr untersagen würden, wären davon auch das Paddelboot und das kleine Motorboot zum Beispiel betroffen.“ Und das Wasser sei schließlich noch rund 1,8 Meter tief, da dürften viele noch fahren können. Ob sie nun noch fahren können, entscheiden also die Binnenschiffer selbst. „Die müssen sich einen Großteil des Jahres an unterschiedliche Wasserstände anpassen“, so der Sprecher, neu sei die Situation also nicht.
Zudem sei es auch nicht so, dass die Schifffahrt von heute auf morgen beendet werden müsste. „Wenn die Stände weiter fallen, dann verebbt die Schifffahrt“, sagt der WSV-Sprecher. Es würde also nach und nach weniger Betrieb auf dem Rhein herrschen, der sonst einer der verkehrsreichsten Wasserstraßen der Welt ist. Am oberen Mittelrhein sei beispielsweise schon „nicht mehr viel los“, am Niederrhein dagegen schon, so der Sprecher, das sei streckenabhängig. Daten, die Aussagen über eine Veränderung der Verkehrsdichte an verschiedenen Standorten ermöglichen würden, lägen aber nicht vor.
Einfach „weiter so“ geht es bei einem solch niedrigen Pegel aber natürlich nicht. „Die Logistikbranche muss darauf reagieren“, so der Sprecher. Ob nun die gleiche Menge an Gütern für einen geringeren Tiefgang auf mehrere Schiffe verteilt würde, ein anderer Verkehrsträger gesucht oder Lieferungen verschoben würden – eine Lösung werden sich die Unternehmen einfallen lassen müssen. Das sei aber ziemlich komplex, betont der Sprecher, so eine Entscheidung würde also nicht leichtfertig getroffen werden. „Die Mengen, die die Schifffahrt transportiert, kann nicht mal eben auf anderem Wege transportiert werden“, so der Sprecher.
Grundsätzlich gilt im Rhein auf Düsseldorfer Stadtgebiet weiterhin ein Badeverbot. Zuwiderhandlungen können mit einem Bußgeld von bis zu 1000 Euro geahndet werden. Das Ordnungsamt hat am vergangenen Wochenende die verschiedenen Uferbereiche mehrfach überprüft, wie die Stadt mitteilt. Dabei seien 226 Menschen präventiv belehrt worden. Die Feuerwehr Düsseldorf sei über das Wochenende zu zwei Einsätzen mit dem Stichwort „Person im Rhein“ alarmiert worden. Es scheinen zumindest nicht viele versucht zu haben, den Strom zu Fuß zu überqueren.