Zudem ist das Unternehmen bis in die russische Provinz vernetzt, es unterhält Zehntausende Ausgabestellen. Millionen Kunden nutzen die Plattform, weil sie auch in Regionen Waren verfügbar macht, in denen der stationäre Handel nur ein begrenztes Angebot hat. Fällt dieses Netz aus oder wird es unzuverlässiger, ist Putins Krieg nicht mehr abstrakt. Dann liegt er im Warenkorb vieler Russen.
Die Ukraine beschädigt so eine der wichtigsten Erzählungen des Kremls. Wladimir Putin ist es in den vergangenen viereinhalb Jahren gelungen, den Krieg für einen Großteil der russischen Bevölkerung auf Distanz zu halten. Während an der Front gekämpft und gestorben wurde, funktionierte das Leben in Moskau, Sankt Petersburg oder Kasan weitgehend normal. Restaurants waren voll, Einkaufszentren geöffnet, Pakete wurden pünktlich geliefert. Der Krieg spielte sich für viele Russen weit entfernt ab. Der Kreml verlangt Loyalität, bietet dafür aber ein Stück Normalität.
Genau das versucht die Ukraine aufzubrechen, um den Druck auf Moskau zu erhöhen.
Umstrittene Attacken
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj begründet die Angriffe damit, dass die Logistikzentren auch dem russischen Militär dienen. Über Wildberries werden Produkte angeboten, die an der Front eingesetzt werden können: Glasfaserkabel zur Steuerung von Drohnen, elektronische Komponenten, Helme, Schutzwesten und Ausrüstung für Soldaten.
Nach den ersten Angriffen verschwanden auf der Plattform sogar bestimmte Suchergebnisse mit einem direkten Bezug zu Russlands sogenannter militärischer „Spezialoperation“. Andere militärisch nutzbare Produkte blieben jedoch erhältlich.
Im Video | Angriffe reißen Milliardenloch in Russland
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Das macht die Lager allerdings nicht automatisch zu militärischen Zielen. Wildberries verkauft vor allem zivile Waren. Der Anteil der Produkte, die unmittelbar für den Krieg bestimmt sind, dürfte vergleichsweise gering sein. Auch deshalb sind die Angriffe unter Völkerrechtlern umstritten. Bei den ersten großen Attacken in Elektrostal und Kotowsk wurden nach Angaben russischer Behörden mehrere Menschen getötet und Dutzende verletzt.
Russland selbst greift seit Jahren ukrainische Post- und Logistikunternehmen an. Moskau rechtfertigt solche Attacken ebenfalls damit, dass über die betroffenen Firmen Waren für die ukrainische Armee transportiert würden. Kiew übernimmt nun diese Argumentation und wendet sie gegen den Aggressor.
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