
AUDIO: Vielfältig und engagiert: Kultur auf der „MINNA“ in Boizenburg (4 Min)
Stand: 03.08.2026 18:04 Uhr
Das Angebot aus Musik, Workshops, Theater und mehr auf dem Kulturschiff „MINNA“ in Boizenburg wird vor allem von Zugezogenen am Leben erhalten. Einige machen sich Sorgen um die Zukunft des sozio-kulturellen Zentrums.
Etwa 25 Musikbegeisterte sitzen zusammen unter Deck des alten Elbfrachters „MINNA“. Perfekt singen können muss hier niemand. Das umgebaute Frachtschiff liegt im Hafen der ehemaligen Grenzstadt Boizenburg (Landkreis Ludwigslust-Parchim) im Westen Mecklenburg-Vorpommerns.
Heimatgefühl für alle
Im Sommer ist hier jedes Wochenende Programm: Musik, Workshops, Theater, Lesungen, Tanzkurse oder Strickrunden. Kostenlos. Auf dem Schiff wolle sie ein Gefühl von Unkompliziertheit vermitteln, sagt Projektmanagerin Nora Prötzig.
„Im Sinne von: Alles ist möglich, jeder ist willkommen. Dieses Heimatgefühl, das heißt: Du kommst hierher und du fühlst dich gut, hast Entertainment und Leute. Genau das ist der Vibe der ‚MINNA'“, erklärt Prötzig.
Basteln beim Jugendtreff „Dauerbrenner“
Der Mittwochnachmittag auf der „MINNA“ gehört dem Jugendtreff „Dauerbrenner“. Heute versuchen sieben Jungen und Mädchen mit der Laubsäge ein Katzenmotiv auszuschneiden. Eine von ihnen ist Svea Preuss.

Jeden Mittwoch ist das Kulturschiff „MINNA“ Treffpunkt für Kinder und Jugendliche aus Boizenburg.
Sie ist fast jede Woche hier, wie sie sagt. „Die ‚MINNA‘ ist für mich ein Ort, wo man viel mit Freunden und Familie machen kann“, erzählt die 13-Jährige. „Auch die Freunde sind für einen wie Familie geworden. Man hat sehr viele Aktivitäten, sehr viel Spaß hier auf der ‚MINNA‘. Und es bedeutet für mich sehr viel, hier zu sein und hier sein zu dürfen.“
Getragen von ehrenamtlichem Engagement
Die 56 Meter lange „MINNA“ wurde 1918 in der ehemaligen Boizenburger Werft gebaut – und kam 2009 als Kultur- und Museumsschiff zurück. Betrieben vom Kino-Club Boizenburg. Nora Prötzig ist die einzige Festangestellte. Dazu kommen ca. 25 Ehrenamtliche, die Projekte umsetzen oder beispielsweise einen Jugendnachmittag betreuen, freut sich die Projektleiterin. „Das sind alles Leute, die sich wirklich in ihrer Freizeit ehrenamtlich engagieren für die Stadt, damit es ein besserer Ort wird. Und das kann man wirklich gar nicht hoch genug loben.“
Wie Detlef Treichel. Der Rentner packt seit fünf Jahren mit an. Er kümmert sich um die Vereinskasse, macht Tresendienst oder als erledigt Dinge als Handwerker. Es fehle aber der Nachwuchs, erzählt er. „Das Schiff ist zwar etabliert hier im Ort, aber nicht vollends durch die Gesamtbevölkerung sozusagen. Deswegen ist das schon eine Schwierigkeit, Menschen zu erreichen, die mit Lust und Leidenschaft einsteigen können“, bedauert der Rentner.

Das Projekt findet bereits zum dritten Mal statt. Der fertige Film soll im Oktober im Kino in Boizenburg gezeigt werden.
Skepsis in konservativer Gegend
Gerade mit den Einheimischen sei es schwieriger, so die Macher der „MINNA“. Treichel kommt eigentlich aus Hamburg, ist Zugezogener. Wie die meisten, die sich bei der „MINNA“ engagieren oder sie besuchen. „Ich glaube, grundsätzlich ist es eine konservative Gegend und die dieses Schiff und das Kino oder all das, was so daran klebt, skeptisch betrachten oder denen das vielleicht auch zu links orientiert ist oder zu chaotisch“, so Treichel.
Video:
Kulturschiff Minna: Mitsing-Abend gegen soziale Isolation (3 Min)
Sorgenvoller Blick in die Zukunft
Die „MINNA“ selbst positioniert sich unpolitisch, weil Kultur für alle da sei. Die Förderrichtlinien schrieben das auch vor, sagt Prötzel. Als Kulturmanagerin blickt sie mit Sorgen auf die Landtagswahl. „Das bedeutet, dass wir ja schon mitgekriegt haben, dass gerade in Mecklenburg das Thema Kultur von der AfD gezielt schon angesprochen wurde und sich da ein offensichtlich anderes Leitbild herausgearbeitet hat als das, was wir anbieten“, so die Managerin. „Für alle offen, das ist nicht gewünscht. Und deswegen bin ich natürlich äußerst besorgt, dass das zukünftig schwieriger sein wird mit den Förderungen.“
Brettspielabend mit viel Resonanz

Brettspielabend im Winterquartier der „MINNA“ in der Boizenburger Altstadt.
Ein wichtiges Motto der „MINNA“: Jeder kann was. Dadurch ist auch der Brettspielabend entstanden – initiiert von Tino Milinski. Er war schon länger auf der Suche war nach Gleichgesinnten in Boizenburg. Ursprünglich sollte es so ein Treffen einmal im Monat geben. „Es kam aber direkt am ersten Abend so gut an, dass wir seitdem jeden Freitag hier unseren Brettspielabend haben, der meines Wissens auch noch nie ausgefallen ist.“
Gespielt wird aber nicht auf dem Schiff, sondern in der Boizenburger Altstadt. Seit drei Jahren hat der Verein dort Räume angemietet. Seitdem gilt: „MINNA“ macht das ganze Jahr Programm in Boizenburg. Die Gäste und Ehrenamtlichen hoffen, dass das noch lange so bleibt.

Seit 15 Jahren veranstalten Ehrenamtlichen vom Kino-Club-Boizenburg hier Konzerte, Kurse und Kinoabende – kostenlos für Jung und Alt.

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Seit Jahren war ein geeigneter Standort für das Musikschiff in Hamburg gesucht worden. Jetzt gibt es zumindest eine provisorische Lösung.