Der Eingang zum Landgericht in Kiel

AUDIO: Prozess in Kiel: Millionenbetrug mit Sozialabgaben (1 Min)

Stand: 04.08.2026 05:00 Uhr

Über zwei Jahre lang soll ein Firmenchef ausländische Arbeitnehmer ohne korrekte Anmeldung beschäftigt haben. Laut Anklage entstand den Sozialversicherungen ein Schaden von mehr als 3,6 Millionen Euro. Heute startet der Prozess gegen den Angeklagten in Kiel.

Im Februar hatte der Zoll bundesweit Durchsuchungen durchgeführt, unter anderem in Norderstedt (Kreis Segeberg), Pinneberg und Lübeck. Damals ging es um den Verdacht, dass der Inhaber mehrerer Unternehmen, die deutschlandweit Hotelreinigungen durchführen, der Sozialversicherung mehr als 1,5 Millionen vorenthalten haben soll. Er wurde festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Vor dem Prozessauftakt heute vor dem Landgericht Kiel wurde deutlich: Nach bisherigen Ermittlungen geht es um einen deutlich höheren Betrag. In der Anklageschrift ist von mehr als 3,6 Millionen Euro die Rede, die der Angeklagte vorenthalten oder veruntreut haben soll.

Arbeitnehmer ohne Aufenthaltstitel?

Von März 2024 bis Februar 2026 soll der 43-Jährige laut Staatsanwaltschaft fünf Unternehmen, unter anderem in Norderstedt, als faktischer Geschäftsführer geführt haben. Für diese Unternehmen soll eine größere Zahl ausländischer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gearbeitet haben. Allerdings – so der Vorwurf – seien sie weder bei der Sozialversicherung noch dem Finanzamt angemeldet gewesen.

Einige der ausländischen Arbeitnehmer sollen laut Staatsanwaltschaft außerdem keinen erforderlichen Aufenthaltstitel gehabt haben. Dem Angeklagten wird deshalb auch vorgeworfen, ausländische Arbeitnehmer nach Deutschland gebracht und ihren unerlaubten Aufenthalt ermöglicht zu haben.

Komplexes Verfahren – über 20 Prozesstage angesetzt

Darüber hinaus muss sich der Mann wegen des Verdachts der Urkundenfälschung verantworten. Konkret soll er Bankkonten mithilfe gefälschter Dokumente eröffnet haben. Wegen der verschiedenen Tatvorwürfe und der voraussichtlich großen Menge an Beweismitteln geht die Staatsanwaltschaft von einem komplexen Verfahren aus. Bis Mitte November sind mehr als 20 Verhandlungstage angesetzt.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft laufen bereits seit 2024. Parallel wird gegen vier weitere Beschuldigte ermittelt. Sie sollen formell für die Firmen verantwortlich gewesen sein.

Ein Fahrzeug des Zolls

Ein Unternehmer soll Personal nicht zur Sozialversicherung angemeldet haben. In SH gab es mehrere Durchsuchungen.

Zwei Männer tragen eine blaue Uniform mit der Aufschrift Zoll auf dem Rücken.

Das zeigt die bundesweite Jahresstatistik des Zolls. Die Zahl der eingeleiteten Verfahren sank hingegen.

Ein Fahrzeug mit der Aufschrift "Zoll".

Es geht um einen Schaden in Millionenhöhe. 330 Beamte waren insgesamt in Norddeutschland im Einsatz.

Ein Mitarbeiter vom Zollamt macht sich Notizen.

Bei einer Kontrolle des Hauptzollamts Kiel in einem Hotel im Kreis Rendsburg-Eckernförde ist aufgefallen: Reinigungspersonal arbeitete dort illegal.