Wie entstehen Gemeinschaften? Handelt es sich immer um fröhliche Gesellschaften? Diesen Frage widmet sich die derzeitige Ausstellung „Merry Company – Formen von Gemeinschaft“ in der Kunsthalle Barmen. Wie in jeder Woche fand dort auch am vergangenen Sonntag um 15 Uhr eine Führung statt. Kunstvermittlerin Eva Rosen führte durch die Ausstellung.
Die Kunstausstellung ist in Zusammenarbeit mit mehreren Fakultäten der Bergischen Universität entstanden. In fünf Zimmern finden sich Arbeiten von künstlerischen Gemeinschaften, aber auch von Einzelpersonen, die gemeinschaftliche Motive darstellen und zum Nachdenken anregen.
Das Thema war ein beliebtes Motiv in der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts. Namensgeber der Ausstellung ist das Gemälde „Merry company on a terrace“ des niederländischen Künstlers Jan Steen, auf dem bei genauerem Hinsehen deutlich wird, dass Gemeinschaft neben Zugehörigkeit und Teilhabe auch Beobachtung und Inszenierung aufgrund gesellschaftlicher Rollen umfasst. Zwei Leihgaben aus dem Von der Heydt-Museum greifen dieses kunsthistorische Thema auf. Daneben findet sich eine Fotoreihe der türkischstämmigen Studentin Meltem Er, die Lebensrealitäten von Menschen mit türkischem Hintergrund in Deutschland abbildet. Sie zeigt somit „einen Blick aus der Community heraus“, sagt Rosen. Einige Besucher würden ihre eigene Lebensrealität in den Darstellungen wiederfinden und sich darüber freuen.
Im gleichen Raum stellen eine Skulptur und Skizzen von Kati Heck Gemeinschaft ohne Ausgelassenheit dar. An eine Wand wird der Kurzfilm „Die Wupper runter bis nach Sizilien“ von Valerie Feldhaus projiziert, die das Wuppertaler Kultcafé „Mazzino“ zeigt. Auditiv wird das Bildmaterial mit Textausschnitten aus Else Lasker-Schülers Drama „Die Wupper“ begleitet. Einen Raum weiter steht die Metallkiste des Projekts „Moving Art Box“. Von 2012 bis 2026 befüllten über 20 Künstler an verschiedenen Stationen in Europa die Kiste mit ihren Kunstwerken und veränderten vorherige Kunstwerke. Das Projekt habe mit der Zerstörung aller Kunstwerke durch den letzten Künstler geendet, so Rosen. Dahinter befinden sich die Werke des Studierendenkollektivs „Wir sollten eine Gruppe gründen“. Hier sollten Studierende aus Wuppertal, Düsseldorf und Essen an drei Tagen in gemischten Dreiergruppen gemeinsam malen. Die Herausforderung bestand darin, sich mit zunächst fremden Menschen auf eine gemeinsame Gestaltung eines Gemäldes zu einigen.
Vor der Fensterfront im nächsten Raum hängt eine kollektive Stickerei des Kollektivs Mackerinnenanstalt, die Workshopteilnehmer an drei Terminen gemeinsam gestalten haben. Hierfür fertigten sie zunächst händische Zeichnungen an, diese wurden anschließend digitalisiert und allesamt auf ein großes weißes Tuch gestickt. Im anschließenden Zimmer können Besucher Werke der Wuppertaler Modekünstlerin Babu Noella anprobieren und sich mit einem Polaroid an einer Wand verewigen. Die deutsch-kongolesische Designerin vereint afrikanische und westliche Stile und bemüht sich um die Förderung kultureller Sensibilität. Darüber hinaus sind dort Fotos der Künstlerin Cornelia Schleime ausgestellt, deren Vorstellungen von Gemeinschaft durch ihr Aufwachsen in der kommunistischen DDR geprägt wurden. Ein weiterer Raum ist durch eine Holzwand zweigeteilt: Auf der einen Seite widmet sich die Ausstellung Forschungsgemeinschaften, denn wissenschaftliche Forschung ist immer eine soziale Praxis, in der mehrere Menschen gemeinsam agieren. Im zweiten Teil bieten ein Sofa und Gesellschaftsspiele Raum für Begegnungen unter den Besuchern, sodass auch sie unter Fremden Gemeinschaft erfahren können.
Die Ausstellung kann noch bis zum 13. September besucht werden.