Sturm, Hagel, Überschwemmungen und immer öfter auch Starkregen – das sind die Naturgefahren, um die sich Europas Hausbesitzer und ihre Versicherer gewohnheitsmäßig kümmern. Mit den verheerenden Waldbränden in Frankreich, aber auch in Spanien und Griechenland ist ein neues Risiko hinzugekommen, das bisher meist unversichert ist. Und das ist längst nicht nur ein Thema für die Waldbesitzer. Wegen der Feuer rund um Bordeaux mussten 220.000 Menschen zumindest vorübergehend ihre Häuser verlassen und in Hotels untergebracht werden. Die Ratingagentur Morningstar DBRS schätzt den volkswirtschaftlichen Schaden allein in Frankreich auf zehn bis 15 Milliarden Euro. Das wären die teuersten Waldbrände, die es in dem Land bisher gegeben hat.

Auf die Versicherer kämen auf jeden Fall Milliardenschäden zu, schätzt Morningstar DBRS. Die französischen Versicherer haben sich bereiterklärt, den vorübergehend heimatlos gewordenen Hausbesitzern oder Mietern bis zu drei Wochen Aufenthalt im Hotel zu zahlen. Von der staatlichen Naturkatastrophen-Deckung in Frankreich werden Waldbrände nicht erfasst. Dabei sind die Versicherer bisher glimpflich davongekommen. „Wenn ein Waldbrand außer Kontrolle geriete und eine mittelgroße Stadt wie Bordeaux erreichen würde, könnte das eine echte Bedrohung für die Branche sein“, sagt Morningstar-Manager Marcos Alvarez. Dann kämen Betriebsunterbrechungen, Lieferketten-Probleme und Stromausfälle mit auf die Rechnung. „Das wären Schäden in einer ganz anderen Größenordnung.“

Wie teuer es werden kann, zeigt das Beispiel Kalifornien: Die Waldbrände, die dort Anfang des vergangenen Jahres – mitten im Winter – rund um Los Angeles tobten und auch die Wohnhäuser der Filmstars und Superreichen in Hollywood erreichten, waren mit einem versicherten Schaden von rund 40 Milliarden Dollar die teuersten seit Beginn der Aufzeichnungen. Aber auch Deutschland ist nicht gefeit davor: Zwischen Chiemsee und Alpen flammen wegen der Dürre seit Wochen immer wieder Feuer in den Bergwäldern auf. „Es werden Menschen und Regionen betroffen, die bisher noch gar nicht daran denken“, warnt Tobias Grimm, Chef-Klimaforscher des Rückversicherers Münchener Rück.

Nach Daten der Münchener Rück entfielen von 2016 bis 2025 nur fünf Prozent der weltweiten Schäden durch Waldbrände auf Europa. Deshalb sind die meisten auch nicht dagegen versichert. Die Waldbrände in Spanien im vergangenen Jahr verursachten Schäden von fünf Milliarden Euro, doch die Versicherer mussten „deutlich weniger als eine Milliarde“ dafür zahlen, sagt Tyson Vickery vom Versicherungsmakler Marsh in Zürich. Waldbrände habe es in Spanien immer gegeben, und die Versicherer hätten damit viel Erfahrung, sagt Ana Matarranz, Spanien-Chefin beim Versicherungsmakler Gallagher. „Was sich aber ändert, ist die Häufigkeit und Heftigkeit der klimabezogenen Risiken.“ Nach einer Studie des französischen Versicherers AXA könnte es rund um Frankreichs Städte bis 2050 fast 70 Prozent mehr Tage mit Waldbränden geben.