Ein kleiner Ventilator dreht sich tapfer am Bühnenrand. An den deutschen Sommer haben sich „The Bats“ noch nicht ganz gewöhnt. Aus dem neuseeländischen Schnee kam die Indie-Rock-Band aus Christchurch einige Tage zuvor nach Stationen in Luxemburg und Stuttgart nach Landsberg. Schon seit den Achtzigern besteht die Band in der gleichen Besetzung. Ungeminderte Energie brachten sie in den Theatergarten. Unter den Gästen im gut besetzten Halbrund sind auch eingefleischte Fans mit Band-T-Shirts. In den Abend starten The Bats mit ihrer neuen Single „Lucky Day“. Mit dem eingängigen Song reißen sie das Publikum sofort mit. Er versprüht Positivität und macht direkt klar: In über 40 Jahren Bandgeschichte hat die Musik der Neuseeländer nicht an Kraft verloren.

Die Zutaten: große Originalität, ein Talent fürs Schreiben starker Texte und eingängige Melodien. Der Sound setzt sich zusammen aus schneidender Rhythmus-Gitarre von Robert Scott, Leadgitarristin Kaye Woodward, und deren gemeinsamem Gesang. Auf ihrer aktuellen Europa-Tour unterstützt die Band der junge Keyboarder Ryan. Dazu Paul Kean am Bass und oft hochgradig tanzbare Beats von Schlagzeuger Malcolm Grant.

Hier stillzusitzen würde sich falsch anfühlen

Etwa bei „Horizon“ vom Album „At The National Grid“ aus dem Jahr 2005. Dafür überraschend verhalten ist das Publikum teilweise. Getanzt wird in den letzten Reihen immerhin. Und auch auf den Sitzen wippen Köpfe und Füße. Hier stillzusitzen würde sich falsch anfühlen. Der Stil wird auch mal poppiger, etwa beim Song „Round and Down“ vom Debütalbum „Daddy‘s Highway“ von 1987, der an den Sunshine Pop der 1960er erinnert.

In einer emotionalen Ansprache vor dem Konzert gab der Musikplaner des Stadttheaters, Edmund Epple, Einblicke in seine Geschichte mit den Bats: Als musikverrückte junge Männer seien er und sein Freund als Pilger des Indie-Rocks nach Neuseeland gereist. Beim bedeutenden Independent-Plattenlabel Flying Nun Records, unter dem neben „The Bats“ auch „The Clean“ ihre Musik veröffentlichen, sei man ihnen mit Offenheit begegnet. Die beiden konnten sogar Bandmitglieder persönlich kennenlernen und seien ganz beseelt zurückgereist, schwärmte Epple. So habe sich seine Freundschaft mit Bats-Gitarrist Robert Scott entwickelt. Mit seinen Gedanken war Epple bei seinem mittlerweile verstorbenen Freund und er drückte seine Wertschätzung für den besonderen Abend aus.

Die Musikerinnen und Musiker versprühten mit ihrer lockeren Art eine Wohnzimmerkonzert-Atmosphäre.

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Die Musikerinnen und Musiker versprühten mit ihrer lockeren Art eine Wohnzimmerkonzert-Atmosphäre.
Foto: Christian Rudnik

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Die Musikerinnen und Musiker versprühten mit ihrer lockeren Art eine Wohnzimmerkonzert-Atmosphäre.
Foto: Christian Rudnik

Auch die Experimentierfreude der Bats hat offenbar in all den Jahren nicht nachgelassen. Ihre Gitarre ersetzt Kaye Woodward für den Song „Tragedy begins at home“ durch ein iPad. Beim Herumspielen mit einer Keyboard-App für Kinder hat die Band einen Sound gefunden, der wie eine „spacy“ Orgel klingt. Der kommt nun vielfach verstärkt im Song zum Einsatz und verleiht ihm eine geheimnisvolle Strahlkraft. Auch tauschen Bassist und Gitarristin gerne mal Instrumente: „Einfach weil sie’s können“, wie Scott augenzwinkernd kommentierte.

Während „Corner Coming Up“ vom neuen Album flattern die Namensvetter der Band am dunkler werdenden Himmel über die Bühne. Auch der verspielt klingende und wohl bekannteste Song „Made up in Blue“ von 1986 darf nicht fehlen. Es läge nahe, die Band mit ihrer unglaublichen Geschichte und hochkarätigen Musik auf den Sockel zu stellen. Nichts könnte dem Charakter des Konzerts ferner sein. Stattdessen laden die Musikerinnen und Musiker das Publikum mit ihrer lockeren Art in eine Wohnzimmerkonzert-Atmosphäre ein.

Der Abend im Landsberger Theatergarten ist zu kurz

Robert Scott steht in Flip-Flops auf der Bühne, und Kaye Woodward kommentiert die modisch interessante Wahl von Paul Kean, in Trekkting-Sandalen zu performen. An die Winter-Sommer-Umstellung muss sich auch die Garderobe der Band erst noch herantasten. Und wenn jemand Trekking-Sandalen Coolness einhauchen kann, dann ja wohl Paul Kean. Weiter geht’s mit dem Song „Happening to you“. Von welchem Album ist der nochmal? Die ganze Band hat es vergessen. Was zählt, ist die Musik.

Nicht jeder Ton sitzt. Zwischen den Songs wird immer wieder in der Soundmischung nachjustiert. Einige verpatzte Einstiege und unabgestimmte Momente sorgen für unangenehme Pausen in Stille. All das machen The Bats mit authentischem Charme wett – und natürlich vor allem mit dem, wofür die Menschen gekommen sind: der Power ihrer mitreißenden Songs. Als nach zwei Zugaben, einem neuen und einem „super-alten“ Song, wirklich Schluss ist, war der Abend zu kurz.