Das Tanzhaus an der Erkrather Straße ist eine Institution der Szene in NRW. Mehr als 200 Aufführungen pro Jahr und ebenso viele Kurstermine pro Woche finden in dem ehemaligen Straßenbahn-Depot an der Erkrather Straße statt. Regelmäßig werden mehr als 300.000 Besucher jährlich gezählt. Die interne Organisation ließ aber in den vergangenen Jahren zu wünschen übrig, die Zuschussgeber Stadt und Land zeigten die gelbe Karte. Jetzt braucht der Verein auch noch eine neue Spitze.
Zur Sache ging es am Sonntag in einer dreistündigen Mitgliederversammlung. Vier Vorstandsmitglieder waren zugegen, ein fünftes zugeschaltet. Darüber hinaus sollen nach Information unserer Redaktion lediglich elf Vereinsmitglieder anwesend gewesen sein. Dazu muss man wissen, dass der Verein mit seinen rund 60 Mitgliedern sehr wichtig für das Tanzhaus ist. Er ist Träger der Einrichtung, und er erhält gut zwei Millionen Euro Zuschüsse von Stadt und Land. Die Konstruktion hat historische Gründe, hervorgegangen ist das Tanzhaus aus der 1978 gegründeten „Werkstatt“.
Unter dem langjährigen Chef Bertram Müller und seiner Nachfolgerin Bettina Masuch lagen künstlerische und kaufmännische Leitung in einer Hand. Zur Spielzeit 2022/23 kam Ingrida Gerbutavičiūtė. Sie hatte nicht nur mit der harten Situation in der Corona-Zeit zu kämpfen, es gab in der Fachabteilung aus Krankheitsgründen auch Probleme mit der Buchführung und der Aufstellung der Jahresabschlüsse. Parallel sind Verwendungsnachweise für die Mittel bei den Zuschussgebern einzureichen. Bei allem haperte es.
Laut Bertram Müller, der dem Haus immer noch eng verbunden ist, ist der Abschluss für 2023 fertig, der für 2024 nahezu. Stadt und Land haben nicht verwendete Mittel zurückgefordert, und wie aus Rathaus-Kreisen zu hören ist, sind inzwischen insgesamt rund 350.000 Euro überwiesen worden.
In dieser Situation hat sich nun der Verein getroffen, und offenbar hat das letzte Jahr bei den Ehrenamtlern Spuren hinterlassen. Sie erklärten, nicht weiter im Vorstand aktiv bleiben zu wollen. Auf Nachfrage wurde aus ihrem Kreis unserer Redaktion erklärt, die zeitliche Komponente sei ausschlaggebend gewesen. „Wir haben alle auch Berufe“, lautete die Auskunft. In drei Wochen soll nun ein neuer dreiköpfiger Vorstand gewählt werden.
Für das fast 50-köpfige Team ist es besonders wichtig, dass die Geschäftsführung funktioniert, nach innen und nach außen. Als neuer kaufmännischer Geschäftsführer hat am Montag Wayne Götz seine Arbeit aufgenommen. Zunächst nur für ein Jahr, eine ordentliche Ausschreibung soll folgen. Dies ist mit Stadt und Land so abgesprochen.
Die Forderung nach einem Wirtschaftsplan und einer mittelfristigen Finanzplanung schreckt Götz nicht ab. Er hat Physik und im Nebenfach Wirtschaft studiert sowie einen weiteren ökonomischen Abschluss. Er war Geschäftsführer zweier IT-Start-ups, eines davon gefördert vom Bund, und hat dann Physical Theatre an der Folkwang-Universität in Essen studiert. Der 40-Jährige hat zuletzt als freier Künstler gearbeitet. Er kennt die Tanz- und Bewegungsszene und sie ihn – und nun will er das Tanzhaus nach vorne bringen.