IHK Umfrage zeigt: Verkehr und Wohnraum werden für Azubis immer wichtiger

Kurz vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres laufen in den Unternehmen in Sachsen Anhalt die letzten Vorbereitungen auf Hochtouren. Viele Betriebe investieren weiterhin stark in die Ausbildung junger Menschen und sichern damit die Fachkräfte von morgen.

Die aktuellen Zahlen der Industrie und Handelskammer Halle Dessau zeigen: Die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen bleibt hoch. Ende Juli 2026 waren bei der IHK Halle Dessau insgesamt 2.571 neue Ausbildungsverträge eingetragen. Damit liegt das Ausbildungsniveau weiterhin auf einem hohen Stand und sogar leicht über dem Vorjahreswert von 2.564 Verträgen.

 

Doch die aktuelle Ausbildungs und Azubi Umfrage der IHK macht deutlich: Nicht allein das Angebot an Ausbildungsplätzen entscheidet zunehmend über den Erfolg einer Ausbildung. Immer wichtiger werden die Rahmenbedingungen rund um den Ausbildungsalltag.

Besonders im ländlichen Raum können lange Wege zur Berufsschule, schlechte Verkehrsverbindungen oder fehlende Wohnmöglichkeiten zu echten Hindernissen werden.

 

Mobilität wird zum Standortfaktor

Viele Unternehmen halten trotz schwieriger Bedingungen an ihren Ausbildungsangeboten fest. Gleichzeitig stoßen Jugendliche auf Herausforderungen, die die Betriebe selbst kaum beeinflussen können.

Die IHK Halle Dessau sieht deshalb zunehmend die Mobilitäts und Infrastrukturpolitik als wichtigen Bestandteil der Fachkräftesicherung.

„Unsere Unternehmen übernehmen Verantwortung und investieren in die Ausbildung. Damit dieses Engagement Wirkung entfalten kann, müssen auch die Rahmenbedingungen stimmen. Gute Ausbildung braucht gute Erreichbarkeit – für Unternehmen genauso wie für Berufsschulen“, betont Dr. Simone Danek, Geschäftsführerin Aus und Weiterbildung der IHK Halle Dessau.

Eine Ausbildung beginnt demnach nicht erst im Betrieb, sondern bereits auf dem Weg dorthin.

 

Jeder achte Jugendliche lehnt Ausbildungsplatz wegen Entfernung ab

Die Befragung der Auszubildenden zeigt, wie stark die Entfernung mittlerweile die Ausbildungsentscheidung beeinflusst.

Jeder achte Jugendliche hat bereits ein Ausbildungsangebot abgelehnt, weil der Ausbildungsbetrieb zu weit entfernt war.

Jeder zehnte lehnte ein Angebot wegen einer zu weit entfernten Berufsschule ab.

Während die meisten Auszubildenden ihren Betrieb innerhalb von 30 Minuten erreichen, braucht fast jeder dritte Jugendliche für den Weg zur Berufsschule länger als eine Stunde.

Gerade bei Blockunterricht bleibt der öffentliche Nahverkehr deshalb ein entscheidender Faktor.

 

Berufsschulwege werden zur Herausforderung

Besonders für junge Menschen im ländlichen Raum können lange Wege zur Belastung werden.

Eine Ausbildung besteht nicht nur aus der praktischen Arbeit im Unternehmen. Der Besuch der Berufsschule gehört fest zum dualen Ausbildungssystem und ist für den erfolgreichen Abschluss unverzichtbar.

Wenn Busverbindungen fehlen, Fahrzeiten sehr lang sind oder Anschlüsse nicht funktionieren, wird die Organisation des Ausbildungsalltags schwieriger.

 

Wohnraum spielt eine immer größere Rolle

Nicht alle Jugendlichen konnten ihre Ausbildung wohnortnah beginnen.

Von den Auszubildenden, die 2025 ihre Ausbildung gestartet haben:

12 Prozent sind für ihre Ausbildung umgezogen
14 Prozent benötigen während des Blockunterrichts eine Unterkunft

Damit werden bezahlbarer Wohnraum und verlässliche Mobilitätsangebote zunehmend zu einem Erfolgsfaktor für die duale Ausbildung.

Gerade junge Menschen am Beginn ihres Berufslebens verfügen häufig nur über begrenzte finanzielle Möglichkeiten. Fehlende Wohnungen oder hohe Mietkosten können deshalb die Entscheidung für oder gegen einen Ausbildungsplatz beeinflussen.

 

Unternehmen fordern Unterstützung von Politik

Auch die Unternehmen sehen Handlungsbedarf.

In der Befragung sprechen sich:

37 Prozent für Programme zur Vermittlung von Wohnraum für Auszubildende aus
36 Prozent für einen leichteren Zugang zu finanziellen Unterstützungsleistungen
26 Prozent für höhere finanzielle Hilfen

Zusätzlich finden staatliche Anreize für Unternehmen Zustimmung, die selbst Wohnraum für Auszubildende bereitstellen.

„Ausbildung endet nicht am Werkstor. Wenn Auszubildende ihre Berufsschule kaum erreichen oder keine bezahlbare Unterkunft finden, können Unternehmen diese Probleme nicht allein lösen. Hier braucht es gemeinsame Anstrengungen von Land, Kommunen und Verkehrsverbünden“, erklärt Dr. Simone Danek.

 

Gute Ausbildung braucht gute Rahmenbedingungen

Mit dem Start des neuen Ausbildungsjahres rücken diese Herausforderungen erneut in den Mittelpunkt.

Damit möglichst viele junge Menschen ihre Ausbildung erfolgreich beginnen und abschließen können, braucht es aus Sicht der IHK verlässliche Voraussetzungen:

Dazu gehören:

ein leistungsfähiger öffentlicher Nahverkehr zu Berufsschulstandorten
ausreichend bezahlbarer Wohnraum für Auszubildende
einfache und unbürokratische Unterstützungsangebote

 

Die Botschaft der IHK ist klar: Engagierte Unternehmen allein reichen nicht aus. Eine erfolgreiche Ausbildung braucht auch ein Umfeld, das jungen Menschen den Einstieg ins Berufsleben ermöglicht.

 

IHK Halle Dessau vertritt 52.000 Unternehmen

Die Industrie und Handelskammer Halle Dessau ist die gemeinsame Stimme von rund 52.000 Unternehmen im südlichen Sachsen Anhalt.

Ihre Mitgliedsunternehmen sichern etwa 400.000 Arbeitsplätze und tragen mit jährlich rund 30 Milliarden Euro maßgeblich zur regionalen Wertschöpfung bei.

Als Körperschaft des öffentlichen Rechts verbindet die IHK Interessenvertretung, Dienstleistungen für Unternehmen und hoheitliche Aufgaben.